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IW-Papier Weniger Investitionen: Der langsame Rückzug der energieintensiven Industrien

Energieintensive Branchen investieren in vielen EU-Staaten nur noch sehr zurückhaltend – vor allem in Deutschland. Grund ist auch die Klimadebatte.
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Energieintensive Unternehmen investieren weniger als die gesamte Industrie. Quelle: dpa
Hochofen bei Thyssen-Krupp in Duisburg

Energieintensive Unternehmen investieren weniger als die gesamte Industrie.

(Foto: dpa)

Berlin Die Investitionen von Unternehmen aus energieintensiven Branchen sind in einer Reihe von EU-Staaten seit Jahren rückläufig, der Kapitalstock der Unternehmen sinkt kontinuierlich. Das gilt in besonderem Maße für deutsche Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt ein noch unveröffentlichtes Papier des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), das dem Handelsblatt vorliegt.

„Wir sehen bei der energieintensiven Industrie in der EU eine insgesamt unterdurchschnittliche Investitionsneigung. Eine der Ursachen ist in den energie- und klimapolitischen Weichenstellungen zu sehen“, sagte Studienautor Hubertus Bardt. „Man kann einen schleichenden Verzehr der Substanz beobachten“, ergänzte er.

Der Rückgang des Kapitalstocks der energieintensiven Industrie ist dem IW-Papier zufolge in Deutschland überdurchschnittlich. Das Bruttoanlagevermögen der energieintensiven Unternehmen sei hierzulande zwischen 2010 und 2015 um sieben Prozent zurückgegangen, heißt es in dem Papier unter Bezugnahme auf Zahlen der OECD.

Lediglich Finnland hatte demnach einen noch deutlicheren Rückgang des Kapitalstocks zu verzeichnen. In Finnland ist der negative Effekt vor allem auf den Rückgang des Kapitalstocks der Papierindustrie um 19 Prozent zurückzuführen. Die Papierindustrie macht dort den größten Teil der energieintensiven Industrie aus. Ein ähnliches Abschmelzen des Kapitalstocks wie in Deutschland gab es in Tschechien.

In Deutschland hat es dem IW-Papier zufolge zweistellige Rückgänge in der Papier- und der Baustoffindustrie gegeben, in der Chemie und in der Metallerzeugung sank der Kapitalstock um rund fünf Prozent.

„In allen beobachteten Ländern haben sich die energieintensiven Industrien schwächer entwickelt als die gesamte Industrie“, heißt es in dem IW-Papier. Die Energieintensiven stünden „aus verschiedenen Gründen unter Druck, der durch die klima- und energiepolitischen Vorgaben verstärkt wird“.

Die energieintensiven Branchen stehen in Deutschland für einen Jahresumsatz von 330 Milliarden Euro und für etwa 800.000 Arbeitsplätze. Es handelt sich dabei um die Branchen Baustoffe, Chemie, Glas, Nichteisen-Metalle, Papier und Stahl. Die Produkte dieser Branchen stehen am Anfang vieler Wertschöpfungsketten. Die Unternehmen geben jährlich mehr als 17 Milliarden Euro für Energie aus. Sie sind besonders stark betroffen von energie- und klimapolitischen Entscheidungen.

Für energieintensive Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, gibt es in Deutschland eine Reihe von Entlastungen, etwa reduzierte Sätze bei Energiesteuern und bei der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), bei der Zuteilung kostenloser CO2-Zertifikate und in Form eines Ausgleichs für emissionshandelsbedingte Strompreisbestandteile.

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Ein vollständiger Ausgleich der energie- und klimapolitisch bedingten Lasten ist dadurch aber nicht gewährleistet. So müssen die Unternehmen, die von EEG-Ausnahmen profitieren, einen – geringen – EEG-Anteil bezahlen. Viele Unternehmen müssen außerdem trotz kostenloser Zuteilung noch Emissionszertifikate nachkaufen.

Hinzu kommt, dass viele der Entlastungen immer wieder aufs Neue erkämpft werden müssen, etwa weil sie von der EU-Kommission als unzulässige Beihilfen angesehen werden. Die daraus erwachsenden Unsicherheit dämpfen die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen.

Zwar verkleinert sich der Kapitalstock. Eine systematische Abwanderung ins Ausland ist aber nicht zu erkennen. Es seien „keine nennenswerten Verlagerungen von Produktionskapazitäten in Länder außerhalb der EU wahrnehmbar“, sagte IW-Experte Bardt. An den bestehenden Standorten in Europa werde aber nur noch „sehr zurückhaltend investiert“.

Damit bestätigt das IW eine Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Chance (MCC), die im Mai veröffentlicht worden ist. Darin heißt es, es gebe keine Belege dafür, dass der Klimaschutz Industrie aus dem Land treibe. Die MCC-Forscher hatten dazu vom Emissionshandel erfasste Firmen und strukturell sehr ähnliche Firmen, die wegen geringfügig kleinerer Produktionsanlagen nicht vom Emissionshandel betroffen sind, miteinander verglichen.

Eine „konkrete Verlagerungswelle“ sei empirisch nicht nachweisbar, schreiben die Autoren. Da die Regeln des Emissionshandels allerdings ab 2021 deutlich anziehen, müsse man für die Zukunft die Möglichkeit einer Verlagerung im Auge behalten. Ihre Arbeit zeige sehr wohl, dass vom EU-Emissionshandel erfasste Unternehmen verstärkt Alternativstandorte erkundeten, sagten die Autoren bei der Vorstellung ihrer Studie.

Mehr: Wie die Unternehmen mit einer grünen Regierung zurechtkämen, lesen Sie hier.

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