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IWF-Chefin Christine Lagarde: Eine harte Verhandlerin für die EZB

Die IWF-Chefin soll als erste Frau die Europäische Zentralbank leiten. Eine Ökonomin ist Lagarde nicht – aber sie bringt eine Menge wichtiger Kompetenzen mit.
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Lagarde soll den Vorsitz der Europäischen Zentralbank übernehmen. Quelle: AFP
Christine Lagarde

Lagarde soll den Vorsitz der Europäischen Zentralbank übernehmen.

(Foto: AFP)

Washington Alarmismus wäre nicht Christine Lagardes Stil. Es ist ihre Stärke, klare Analysen zu liefern, wenn sich der Rest der politischen Welt in hitzige Wortgefechte verfängt. „Niemand gewinnt einen Handelskrieg“, sagte sie bei der diesjährigen Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Das war für Lagardes Verhältnisse schon eine scharfe Warnung.

Als Chefin der multilateralen Superorganisation musste sie in den vergangenen acht Jahren auf konstruktiven Ausgleich bedacht sein – selbst wenn der größte Geldgeber des IWF, die USA, seine Handelspartner chronisch mit Strafzöllen provoziert. Hinter den Kulissen gilt die 63-Jährige hingegen als harte Verhandlerin. „Ich kenne sie als „tough lady“. Sie weiß, was sie will, sie ist sehr klar in ihren Ansagen“, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte dem Fernsehsender CNBC.

Jetzt soll Lagarde den Vorsitz der Europäischen Zentralbank (EZB) übernehmen. Die Amtszeit des jetzigen EZB-Chefs, Mario Draghi, läuft Ende Oktober aus. Der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, nannte Lagarde am Dienstag eine „perfekte Nachfolgerin“. Die formelle Ernennung Lagardes dürfte in den kommenden Monaten erfolgen.

Für viele Beobachter kam die Entscheidung überraschend. Die Französin wird die erste Frau auf diesem Posten sein – auch die erste Person, die keine klassische Karriere als Zentralbankerin durchlaufen hat. Lagarde, geboren in Paris, ist Juristin und Politikerin, und sie ist ein Star im Kosmos von Wirtschaft und Politik.

Nach ihrem Jura-Studium trat sie als Rechtsanwältin der amerikanischen Anwaltskanzlei Baker & McKenzie bei, wo sie 1999 zur Präsidentin der Geschäftsführung aufstieg. Während der Bankenkrise war sie Finanzministerin im Kabinett des damaligen französischen Premier Francois Fillon.

Chefin des IWF wurde sie nach dem plötzlichen Rücktritt ihres Vorgängers Dominique Strauss-Kahn, der wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe und versuchter Vergewaltigung angeklagt worden war. Lagarde musste die Reputation einer ganzen Institution reparieren, die sowohl wegen der Finanzkrise als auch wegen Strauss-Kahn erheblich gelitten hatte. Genau das gelang ihr in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt wegen starker öffentlicher Auftritte, die ihr Gesicht und ihren Charme eng mit dem IWF verschmelzen ließen.

„Ich bin keine Super-Super-Ökonomin“

In einer Zeit, in denen Bürger den Institutionen der EU häufig mit Misstrauen begegnen, könnte diese Fähigkeit von Nutzen sein. Dazu kommt Lagardes bewiesenes Talent als Krisenmanagerin eines großen multilateralen Kreditgebers. Der Internationale Währungsfonds, den sie seit 2011 leitet, beriet die Länder im Umgang mit ihrem Bankensektor nach der globalen Finanz- und Eurokrise.

Dass sie, anders als ihre Vorgänger, keine Ökonomin ist, damit geht Lagarde offensiv um. „Ich kann verstehen, wenn Leute darüber reden“, sagte sie in einem Interview mit dem „Guardian“. „Ich habe genug gesunden Menschenverstand, ich habe ein bisschen Wirtschaft studiert, aber ich bin keine Super-Super-Ökonomin.“

An ihre neue Aufgabe geht sie, wie gewohnt, mit Selbstbewusstsein heran. Auf Twitter teilte Lagarde mit, sie sei „geehrt, nominiert worden zu sein“. Ihre Rolle als IWF-Chefin werde sie ruhen lassen, solange der Prozess der Ernennung läuft. Dennoch wird Lagarde, sollte ihre Nominierung offiziell durchgehen, mit zahlreichen Kontroversen konfrontiert werden.

Europas Wirtschaft befindet sich im Abschwung, nicht zuletzt wegen der globalen Spannungen im Handel, was Rufe nach Anreizen der EZB lauter werden lässt. Dazu wird die EZB als Aufsichtsbehörde für alle Banken der Eurozone von zentraler Bedeutung sein, sollte eine neue weltweite Finanzkrise drohen.

Lagarde war als IWF-Chefin maßgeblich an den Rettungspaketen für angeschlagene Volkswirtschaften in Europa, insbesondere Griechenland, beteiligt. Kritiker der damaligen Politik könnten, sollte die Eurozone erneut in ernste Schwierigkeiten geraten, Lagarde als Krisenmanagerin womöglich nur schwer akzeptieren.

Mehr: Von der Leyen und Lagarde krönen mit der Berufung in die EU-Topjobs ihre Karrieren. Macron und Merkel haben aus dem zähen Ringen noch einen guten Tag für Europa gemacht. Ein Kommentar.

„Mit Ursula von der Leyen bekleidet zum ersten Mal eine Frau das Amt – darüber bin ich froh“

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1 Kommentar zu "IWF-Chefin: Christine Lagarde: Eine harte Verhandlerin für die EZB"

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  • Diese Vorgänge in der EU mit der Verteilung der Spitzenämter zeigt wiedereinmal ganz deutlich dass die Bürger der EU die Beute arrogannter Politiker, allen voran Macron, Merkel usw. sind. Russland, China sind demokratischer strkturiert als diese EU. Abschaffen der undemokratischen EU wie es die AfD gefordert hat besser heute als morgen.
    Eine bekennende Vertragsbrecherin und verurteilte Finanzministerin soll EZB-Chefin werden.
    - Manager magazin 20.12.16: "IWF-Chefin Christine Lagarde ist mit einem blauen Auge davongekommen, obwohl ein Pariser Gericht sie der Fahrlässigkeit in der sogenannten Tapie-Affäre um veruntreute Staatsgelder (ca. 400 Mio Euro) schuldig gesprochen hat. Das Urteil mag als salomonisch oder skandalös angesehen werden, in jedem Fall hinterlässt es viele Fragezeichen. Die Glaubwürdigkeit einer der mächtigsten Frauen der Welt ist durch den Prozess erschüttert."
    - focus Artikel von Prof Sinn: "Als französische Finanzministerin habe Lagarde 2010 gesagt, dass man „die EU-Verträge brechen musste, um den Euro zu retten“. Tatsächlich habe sie französische Banken retten wollen. Sinn wörtlich: „Jemanden, der zu Vertragsbrüchen bereit ist und eine derart nationalistische Politik macht, brauchen wir nicht an der Spitze der EU.“
    Welche Qualifikationen als Bankfachmann/frau hat sie, die sie für den Job befähigen würden? Keine, ihre Ausbildung befähigt sie in keinster Weise als EZB-Chefin.
    Ausbildung: Ein Studium in Sozialrecht am Institut d’études politiques d’Aix-en-Provence,
    Zur Vorbereitung auf das Studium an der École nationale d’administration (ENA) besuchte sie anschließend das Institut d’études politiques de Paris (auch bekannt als Sciences Po) und die Université Paris X-Nanterre. Die Aufnahmeprüfung für die ENA bestand sie nicht. Schließlich machte sie einen MA in Englisch, einen Master of Business Law (LL.M.) und ein Diplom in Arbeitsrecht an der Universität Paris X-Nanterre.
    Ja jetzt lassen die die Katze aus dem Sack, eine Gaunerin wird EZB-Chefin.

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