IWF-Chefin wird deutlich Lagarde zeigt wenig Mitleid für die Griechen

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, hält den Druck auf Griechenland für angemessen. Ihr Ratschlag an die Griechen: „Sie sollten sich alle zusammen selber helfen, indem sie ihre Steuern zahlen.“
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Christine Lagarde hält die Sparmaßnahmen für Griechenland für richtig - die Bürger des Landes sollten sich ihrer Meinung nach vor allem selber helfen. Quelle: Reuters

Christine Lagarde hält die Sparmaßnahmen für Griechenland für richtig - die Bürger des Landes sollten sich ihrer Meinung nach vor allem selber helfen.

(Foto: Reuters)

London, BerlinDie Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, liest den Griechen die Leviten. Sie habe mehr Mitleid mit den Ärmsten in Afrika als mit den Menschen in dem verschuldeten Euro-Land, sagte die frühere französische Finanzministerin in einem Interview des britischen „Guardian“. Die Griechen sollten sich gemeinsam selber helfen. „Indem sie alle ihre Steuern bezahlen.“ Lagarde schloss aus, dass der internationale Geldgeber die Bedingungen für die vereinbarten Reformen lockert. Es sei Zeit, dass die Griechen ihren Teil beitragen und ihre Gegenleistung erbringen, sagte sie.

Der IWF ist an den Milliardenhilfen für Griechenland beteiligt und pocht darauf, dass die Regierung in Athen die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessert und die öffentlichen Finanzen saniert.

„Ich denke mehr an die Kinder, die in einem kleinen Dorf im Niger in die Schule gehen und zwei Stunden Unterricht am Tag erhalten, sich zu dritt einen Stuhl teilen und sehr froh sind, eine Ausbildung zu bekommen“, sagte Lagarde. „Ich habe sie immer im Auge, weil ich glaube, dass sie sogar mehr Hilfe brauchen als die Menschen in Athen.“ Die Französin geht davon aus, dass die Schuldenkrise ihren Lauf nehmen muss. „Wissen Sie was: Was Athen anbetrifft, denke ich auch über all die Leute nach, die die ganze Zeit versuchen, ihren Steuern zu entkommen“, sagte sie. Gleichermaßen beschäftige sie auch die Tatsache, dass der griechische Staat seinen Pflichten gegenüber den Bürgern nicht nachkomme.

„Unsere Aufgabe ist es, die Wahrheit zu sagen“

Lagarde wird in dem Interview so deutlich wie noch kein Politiker in den vergangenen zweieinhalb Jahren, seit Griechenland nicht mehr selbst für sein Auskommen sorgen kann und auf internationale Hilfe angewiesen ist. Auf die Frage, ob sie es als schwieriger empfinde, einem reichen Land harte Bedingungen aufzuerlegen als einem armen, antwortete die IWF-Chefin: „Nein, es ist nicht schwieriger. Nein. Weil es die Aufgabe des Fonds und mein Job ist, die Wahrheit zu sagen, unabhängig davon, wer auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Und ich sage Ihnen: Es ist manchmal schwieriger, der Regierung eines Landes mit niedrigen Einkommen, wo die Menschen von 3.000, 4.000 oder 5.000 Dollar pro Kopf im Jahr leben, zu sagen, bringt euren Haushalt in Ordnung und baut euer Defizit ab. Weil ich weiß, was das für die sozialen Programme und die Unterstützung der Armen bedeutet. Das hat viel größere Folgen.“

Griechen wollen Drachme nicht zurück

Aus Wut über die tiefen Einschnitte bei Löhnen und Sozialversicherungen sowie über die hohe Arbeitslosigkeit infolge der Rezession unterstützen viele Griechen inzwischen linke und populistische Parteien. Sie versprechen ein Ende des Sparkurses und eine Aufkündigung der Verträge mit den internationalen Geldgebern. Sollten diese Gruppen die zweite Neuwahl binnen sechs Wochen am 17. Juni gewinnen und mit ihren Ankündigungen Ernst machen, würde dies voraussichtlich ein Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone bedeuten.

  • rtr
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67 Kommentare zu "IWF-Chefin wird deutlich: Lagarde zeigt wenig Mitleid für die Griechen"

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  • Dann sind die anderen ja noch dümmer, weil Deutschland als größter Nettoeinzahler würde dann komplett von den Einzahlungen befreit.

  • Deutschland ist stark, das schaffen wir! Und nicht vergessen: die Evolution, deren Werkzeug wir ja auch nur sind, hat sogar physiologische Unmöglichkeiten gemeistert wie z.B. das Meer zu verlassen, von den Bäumen zu klettern, auf 2 Beinen zu laufen... Ich denke, da ist Vertrauen angemessener als Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

  • Ob eine "wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei" Diskussion Sinn macht, bleibt zu bezweifeln. Wichtiger ist es zu schauen, was kann man tun, um aus dieser immer enger werdenden Situation rauszukommen. Und da ist bei beiden Parteien ein deutlicher Handlungsbedarf gegeben.

  • @Georg: ihre Ausführungen zur Sache sind logisch und nachvollziehbar. Was jedoch sehr verwundert ist dann, dass doch auch sehr viele Griechen ihren Zorn in die verkehrte Richtung entladen. Oder ist mir da was entgangen?

  • Aus psychologischer Sicht gesehen beschreiben Sie hier eine Unmöglichket. Das ist ungefähr genauso wie von den Chinesen anzunehmen, dass sie jemals demokratisch werden würden oder dass in Indien die Sklaverei abgeschafft werden würde.

  • "Die Welt hat uns den 2. Weltkrieg doch noch immer nicht verziehen, obgleich es schon die vierte Generation danach gibt. Aber genau das spüren wir doch täglich. Wenn Deutschland beginnt andere Länder zu kritisieren, dann wird es aber böse."

    Die Frage ist, ob wir uns selbst verziehen und vor allem verstanden haben. Sind wir in der Lage zu trauern und den Schmerz über das uns und anderen angetane zu fühlen oder schieben wir es lieber beiseite und flüchten uns in Selbstüberhöhung (Neo-Nationalismus) oder -verleugnung (Super-Europäer) oder -beschuldigung oder Ignoranz (ist lange her, geht mich nichts an), die alle nur Formen des Ausweichens mit fatalen Nebenwirkungen sind? So wird und kann man Menschen, die sich selbst nicht trauen, auch nicht trauen (und wird sie sicherheitshalber lieber "einbinden"). Warum sollte ich auch von einem Produkt überzeugt sein, bei dem ich den Eindruck habe, dass der Hersteller schon skeptisch ist und was zu verbergen hat?

    Deutschland sollte im ureigensten Interesse die einmalige Gelegenheit nicht länger irgnorieren, sich entspannt aber konsequent den Abgründen seiner Geschichte, die auch die Abgründe der menschlichen kollektiven Psyche und ihrer Dynamik sind (und natürlich nicht nur ein deutsches Problem s. z.B. Jugoslawien, Ruanda etc.) aber sich in der deutschen Geschichte so klar und massiv manifestierten, zu öffnen und so aufzuarbeiten. Rein intellektuelles Europa-Träumen oder Wir-waren-böse aber nun sind Sind-wir-lieb-und-alle-eins wird dabei wenig helfen.

    Wenn sich die Finanzkrise weiter verschärft, die Wohlstandsdecke sich zurückzieht und dieselben Abgründe (sei es auch in einem anderen Land) sich erneut auftun werden, könnten echte, verarbeitete, lebendige Erfahrungen viel neues unnötiges Leid verhindern und Deutschland helfen endlich sich selbst und seinen Platz in Europa und der Welt zu finden, nach dem es ja schon so lange sucht.

  • @ LosungDeutscherEuroAustrittDM

    Ihnen scheint aber nicht klar zu sein dass ein Austritt aus der Währungsunion auch einen Austritt aus der EU bedeutet, es sei denn alle andere EU-Mitglieder sind damit einverstanden dass Deutschland nur aus der Währungsunion austritt ohne aus der EU austretten zu müssen.
    Ich glaube kaum dass dies so wäre!

  • Wenn man die ganzen südeuropäischen Länder von früher
    betrachtet, hatte man doch den Eindruck, wie schön Sie es
    haben. Jetzt wissen wir, wer das finanzierte. Nämlich die
    eigene Politik, die z.Zt. an der Regierung war. Mit fällt
    sofort Brandt`s Rentenlüge in den 70 er Jahren ein.
    Die Politiker haben fast alle keine kaufmännische Ausbildung oder Sie waren noch nicht Hausfrau oder -mann.
    Die Staatsverschuldung hat doch erst ermöglicht, daß die
    Banken in Europa und den USA zu dieser Größe und Macht
    gekommen sind. Mit dem vielen Geld wussten doch die
    meisten nicht, was Sie damit anfangen sollten und somit
    wurde in Sachen investiert, die man unter anderen Bedingungen,aufgrund weniger Staatsanleihen, nicht gemacht hätte.Die Staatsschulden haben doch die Banken in eine
    Situation gebracht, wahllos in irgendein Produkt zu
    investieren und deren Preis ins uferlose steigen zu lassen
    und letztlich noch Gewinn zu erzielen.
    Nehmen wir an, die Staaten hätten niemals Schulden gemacht,
    hätten die Banken diese nicht aufkaufen können und nie
    diese Macht erhalten, die diese z.Zt. inne haben.
    Sie zu verteufeln, ist nach meiner Meinung primitive, da
    die Politik ja den ersten Stein geworfen hat.

  • Nur, weil Frau Lagarde die Wahrheit gesagt hat, ist das noch lange keine Beleidigung "der Griechen". Anstatt immer nur die Märtyrernummer zu schieben und sich gegen vermeintliche äußere Feinde zu wehren, sollte das griechische Volk Nägel mit Köpfen machen, jemand wie Monti wählen und nicht irgendwelche radikalen Schreihälse.

    Der Vergleich mit der Weimarer Republik hinkt übrigens auch: Deutschland sollte völlig überhöhte Reparationen zahlen und nicht etwa Zinsen oder Tilgungen für Kredite. Auch die ewige Leier vom bösen Hegemonial-Deutschland, das mal wieder GR unterjochen will, verkehrt die Tatsachen: Im Frühjahr 2010 hatte sich Merkel entschieden dagegen gewehrt, staatliche Hilfen an GR zu geben - sie sah das allein als IWF-Angelegenheit. Im griechischen Fernsehen klang das dann so: "Wenn Deutschland nicht zustimmt, ist Griechenland tot!"

    Und wer sich ständig Einmischung von außen verbittet, der verlasse bitte den Euro und die EU und komme bitte mit selbst verdientem Geld zurecht.

  • Nun ja, ob Deutschland wirkliche Freunde hat, das wage ich mal ganz stark zu bezweifeln. Die Welt hat uns den 2. Weltkrieg doch noch immer nicht verziehen, obgleich es schon die vierte Generation danach gibt. Aber genau das spüren wir doch täglich. Wenn Deutschland beginnt andere Länder zu kritisieren, dann wird es aber böse. Wir haben es in Griechenland erlebt, als Merkel angefangen hat den Griechen einen harten Sparkurs aufzudrücken. Ob das richtig war, sei einmal dahingestellt, aber die Griechen haben sie sofort in die nationalsozialistische Ecke gestellt. Genauso wie das die Schweizer gemacht haben, als Steinbrück seine Kritik an der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angebracht hat.

    Ich selber haben in der Schweiz gelebt zu dieser Zeit, warum wohl habe ich dieses selbstherrliche Land wieder verlassen. Nicht anders war es in Holland.

    In einem gebe ich Ihnen recht, wir sind zum leben auf dieser Welt und wir sind Gäste. Mittlerweile gibt es aber in der Zivilisation - und ich zähle uns mal dazu - auch Menschen die ums Überleben kämpfen müssen. Wer in Deutschland an der Armutsgrenze lebt, muss permanent um seine Existenz fürchten. Und damit meine ich nicht die Sozialschmarotzer in diesem unserem Land.

    Alles in allem haben wir in dieser hausgemachten Euro Krise das Meiste zu verlieren. Ich stelle immer wieder fest, wie leicht sich unsere Regierung erpressen lässt. Erst wenn das mal aufhört, dann wir es uns allen besser gehen. Die Frage ist aber: Hört es irgendwann auf?

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