IWF-Repräsentant lobt Reformkonsens „Noch ist Portugal nicht verloren“

Die Märkte haben Portugal weitgehend abgeschrieben. Doch der Vertreter des Internationalen Währungsfonds in Lissabon ist zuversichtlich, dass das hochverschuldete Land doch noch die Rückkehr an den Kapitalmarkt schafft.
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Eine Pendlerzug im portugiesischen Porto entlässt ihre Fahrgäste. Quelle: dpa

Eine Pendlerzug im portugiesischen Porto entlässt ihre Fahrgäste.

(Foto: dpa)

An den Finanzmärkten hat sich die Erkenntnis bereits festgesetzt, dass nach Griechenland Portugal an den Rand der Zahlungsfähigkeit rutschen wird - und ebenfalls noch in diesem Jahr ein zweites Hilfspaket oder einen Schuldenschnitt benötigen wird. Wenn die Gespräche in Athen scheitern würden, könnte Portugal als nächstes dran sein, warnte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Donnerstag in Frankfurt. Clemens Fuest, Finanzwissenschaftler aus Oxford, ging im Gespräch mit dem Handelsblatt noch einen Schritt weiter: „Wenn Griechenland aus dem Fokus gerät, wird sich die Diskussion auf Portugal konzentrieren.“ Dieser Untergangsstimmung stemmt sich Albert Jäger, Repräsentant des Internationalen Währungsfonds in Lissabon entgegen: Das Sanierungsprogramm der protugiesischen Regierung greife - und bilde die Basis für eine Rückkehr des Landes auf den Kapitalmarkt.

Handelsblatt: Die portugiesische Regierung hat ihr Defizitziel 2011 nur erreicht, weil sie einen Teil der Pensionsfonds der Banken übernommen hat. Ist die Haushaltskonsolidierung nachhaltig?

Albert Jäger: Die Haushaltsdaten von 2011 liegen noch nicht vor, aber in der Tat dürfte die Regierung ihr Ziel 2011 durch diese einmalige Maßnahme erreicht haben. Aber der Schlüssel liegt jetzt in der Umsetzung des Haushalts 2012, mit dessen Hilfe das Konsolidierungsprogramm wieder nach Plan laufen soll. Dieser Haushalt enthält sehr gute und mutige Maßnahmen, einschließlich solcher zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, und beruht zudem in angemessenem Umfang auf Ausgabenkürzungen. Das wird helfen, um das Defizit dieses Jahr auf 4,5 Prozent zu bringen. Außerdem demonstriert die Haushaltspolitik, dass die Regierung sich das Programm sehr zu eigen gemacht hat, was entscheidend ist bei der Umsetzung einer so ambitionierten Agenda von fiskaler Konsolidierung und Strukturreformen.

Setzt die Regierung auch die im Kreditprogramm detailliert aufgelisteten Strukturreformen um?  

Es wurden bereits signifikante Fortschritte gemacht und die weitere Umsetzung einer ganzen Reihe von Strukturreformen wird entscheidend für den Erfolg des Programms sein.  Ein wichtiger Schritt war der jüngste Pakt zur Förderung von Wachstum, Wettbewerb und Beschäftigung zwischen der Regierung und den Sozialpartnern, ein weiterer Beweis für den breiten politischen und sozialen Konsens, der im Land über die Notwendigkeit eines Kurswechsels und von Reformen herrscht. Es muss noch mehr passieren, vor allem muss die Wettbewerbsfähigkeit in Bezug auf externe Preise und Kosten in der Wirtschaft verbessert werden.  

Die Finanzmärkte sehen Portugal scheinbar schon als das nächste Griechenland. Wo sehen Sie die größten Unterschiede in der Situation der beiden Länder?

In Portugal wird das Programm durch einen starken politischen und sozialen Konsens gestützt. Unsere Erfahrung zeigt, dass der Erfolg eines Programms auch vom politischen Zusammenhalt in einem Land abhängt. Zudem ist Portugals Staatsverschuldung viel niedriger und das System der Steuereintreibung ist ziemlich effizient. Schließlich hat das Land erste, vielversprechende Schritte unternommen, um das Problem der Wettbewerbsfähigkeit anzugehen.

Glauben Sie es ist realistisch, dass Portugal sich ab Ende 2013 wieder langfristig selbst am Kapitalmarkt finanzieren kann?

Wir sind zuversichtlich dass Portugal mit der Umsetzung dieses Programms wie geplant an den Markt zurückkehren kann. Das Programm ist darauf ausgerichtet, den Staat und die Banken vor Schocks zu schützen, vor allem indem es in den ersten zwei Jahren des Programms den größten Teil der Finanzierung übernimmt, Auszahlungen vorweggenommen werden und ein starker Mechanismus zur Unterstützung der Banken bereitgestellt wird. Schließlich dürfte Portugal auch die koordinierte Krisenpolitik auf europäischer Ebene zugute kommen.

Basisdaten Portugal

Quelle: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, September 2011
* Schätzung,
** 0 % BIP-Wachstum 2008

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16 Kommentare zu "IWF-Repräsentant lobt Reformkonsens: „Noch ist Portugal nicht verloren“"

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  • Naja, soviel zur Solidarität eines gemeinsames Europas. Es ist viel zu leicht aus der Distanz über andere länder herabzuziehen. Portugal hat keine Erkohle, kein Erdöl, nicht im 2. Weltkrieg mitgespielt (also weder eine Kriegesmachine gehabt, die die Industrie aufkurbelte, noch erhielt Portugal jemals eine kräftige Aufbau-Unterstützung von den USA) oder mehr als 1 Nachbarland (ist kein Durchfahrtsland, hat daher geringere Handelsbedingungen). Ist schon ironisch: Als ehemalige Meeres-Weltmacht spielt Portugal heute die Rolle des Ankers - und am anderen Ende ist Deutschland. Boa sorte.

  • @ MikeM,
    auch immer die gleiche Antwort, einfach ignorieren, Sie sind auch nicht besser als Alpacino oder wie immer.

  • Immer der gleiche Text, Maraviacci oder wie auch immer. Zur Info: Man investiert, wo es sich lohnt. Und es lohnt sich nicht in einem korrupten Staat voller korrupten Politiker und ebenso korrupten Menschen. Und Leistungsbilanzüberschüsse entstehen duch, genau, LEISTUNG!

  • Die enorme Gewinne die vor allem deutsche Konzerne im Euroraum realisiert haben, sind, wegen des starken Euro, zum größten Teil ins Nichteuroausland reinvestiert worden. Es wurden und werden Fabriken in der ganzen Welt gebaut oder gekauft. Wir erleben, über den permanenten deutscher Leistungsbilanzüberschuss, eine legale Kapitalflucht vom Euroraum ins Nichteuroausland. Dies überwiegend zum Nachteil der kleineren und schwächeren Euro-Wirtschaften.
    Fast 50% Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Portugal, 30% in Italien, von Griechenland ganz zu schweigen. Diese Länder werden ausgesaugt und leben nur noch von der Substanz.
    Wenn ausgesaugt werden sie entsorgt, wir haben genügend reserven an Importländer, weil wir, wie allgemein bekannt und anerkannt, ein Exportland sind, also brauchen wir Importländer zum verspeisen.

  • danke LeoNardo, für diese einfache Klarsicht. Wer an den Börsen investiert ist fällt urplötzlich, wahrscheinlich an einem Wochenende auf 0. Simpel ins Nichts. Hartz gibts dann auch nicht mehr.

  • Lieber JoJo,
    wenn die EZB eine halbe Billion aus der Luft fischt und in die Banken reinpresst, dann muss die Kohle irgendwo hin. Zum Beispiel auch in die Daxaktien.

    Die sog. Märkte sind inzwischen extrem manipuliert. Das sieht man beispielsweise im Verhalten des Euro zum Dollar. Schlechte Nachrichten werden chronisch ignoriert, etwa downgradings oder Schuldenschnitte. Eigentlich sollte auf Grund der desaströsen Situation der Euro maximal pari zum Dollar stehen.

    Gleiches gilt übrigens für die öffentliche Meinung in Deitschland. Extrem manipuliert, damit der Michel nicht merkt was läuft (und nicht nach unten schaut).

    Vor uns der Abgrund war gestern.

    Jetzt ist er unter uns.

  • Plumpaquatsch....!

    Die täglich schlechte Nachricht, nur um den EURO nicht gut dastehen zu lassen!

    Schaut euch lieber die Börsenkurse seit Anfang des Jahres an.
    Die sprechen eine andere und klarere Sprache als die selbsternannten Auguren der US Terroristen, die uns ja schön klein halten wollen!

  • Das Land ist wirtschaftlich Pleite - leider un kann die nur durch Schenkungen, nicht rueckzahlbaren Krediten mit Nachschussflicht der EFSF umgehen.

  • Im Januar 2012 sanken die PKW-Neuzulassungen in Portugal um -47,4% zum Vorjahresmonat bzw. um über 60 Prozent zum langjährigen Mittel. Diese Daten sind u.a. Beleg für eine unglaubliche Kontraktion des privaten Konsums in Portugal, dieser Entwicklung, eine Kopie der Griechischen ist desaströs und führt zu einer beschleunigten Talfahrt auch in Portugal." "Im Dezember 2011 stieg die Jugendarbeitslosigkeit um +0,2 Prozentpunkte zum Vormonat auf 30,8%. Dies markiert ein neues Allzeithoch!" (Quelle: Querschüsse)

    Die Rendite 10-jährige portugiesischer Staatsanleihen erreichte Ende Januar mit über 17% ein Rekordhoch!

  • soll heißen "Doppeldenk"

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