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IWF-Vorstoß Angriff auf die Reichen

Ein Gedankenspiel des IWF sorgt für Aufregung: Die Euro-Staaten könnten eine Vermögensabgabe einführen, um ihre gigantischen Schuldenberge abzutragen. Experten reagieren mit Kopfschütteln – aber längst nicht alle.
87 Kommentare

Kommt die Zwangsabgabe auf Vermögen?

Berlin Die immensen Schulden der Euro-Staaten rufen den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf den Plan. Er denkt nun laut über die einmalige Erhebung einer Vermögensabgabe in Höhe von zehn Prozent nach. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf einen bereits im Oktober veröffentlichten Fiskalbericht des Währungsfonds.

In der Expertise mit dem Titel „Taxing Times“ äußert der IWF die Einschätzung, dass es ein „neu belebtes Interesse“ an der Idee einer solchen Abgabe gebe, die alle Besitzer von Ersparnissen, Wertpapieren sowie Immobilien betreffen würde. „Die Attraktivität einer solche Steuer“ liege darin, dass sie keine Verhaltensverzerrung bewirke, sofern es keine Ausweichmöglichkeit gebe und die Abgabe einmalig sei, schreiben die Experten. Zudem werde sie von einigen Menschen als gerecht angesehen.

Der IWF betonte jedoch, dass es dabei um ein Gedankenspiel gehe und ausdrücklich nicht um eine politische Empfehlung. Der kurze Text in dem Bericht greife lediglich die Diskussion über eine Vermögenssteuer auf und weise auf deren erhebliche Nachteile hin. In ihrer Publikation verwiesen die Autoren demnach auf die extrem gestiegene Verschuldung der Staaten, deren Quote sich 2014 im Durchschnitt aller Länder dem historischen Höchststand von 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nähere.

Dies sind 35 Prozentpunkte mehr als 2007, also vor der Finanzkrise. Es ist auch das höchste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg. In absoluten Zahlen ist die Verschuldung der Euro-Staaten von 6000 auf 8600 Milliarden Euro gestiegen – deutlich über 90 Prozent des BIP. Durch eine Vermögensabgabe von etwa 10 Prozent könnten die Schuldenstände von Euro-Ländern auf den Stand vor der Finanzkrise 2007 gedrückt werden. Allein dieser Gedanke an eine Zwangsabgabe auf Sparvermögen, Wertpapiere und Immobilien ließ viele Sparer aufschrecken, geben die Experten zugleich zu bedenken.

Das Bundesfinanzministerium wollte laut FAZ zu den IWF-Aussagen nicht direkt Stellung nehmen. Es sei nur auf jüngste Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verwiesen worden, er wolle „ohne Steuererhöhungen und ohne neue Schulden auskommen“, schreibt die Zeitung. Der IWF hatte sich in seinem Fiskalbericht auch für höhere Spitzensteuersätze ausgesprochen. Unter Einnahmegesichtspunkten riet der Fonds Deutschland zu einem Spitzensteuersatz von 55 bis 70 Prozent. Derzeit werden hierzulande inklusive Reichensteuer maximal 45 Prozent fällig.   

Harsche Kritik an dem IWF-Vorstoß kam aus der Unions-Bundestagsfraktion. Der Vorschlag gehe in Richtung einer „verdeckten Vermögensbesteuerung, die wir aus guten Gründen ablehnen“, sagte Fraktionsvize Michael Meister Handelsblatt Online. „Der IWF sollte vielmehr die Notwendigkeit einer Verbesserung  der Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Staaten durch beschäftigungsfördernde Strukturreformen in den Fokus seiner Analyse stellen.“

Meister zeigte sich verwundert darüber, mit welcher Beharrlichkeit der Währungsfonds immer wieder das Thema Gläubigerbeteiligung ins Gespräch bringe. „Als sei es eine Art Allheilmittel, das notwendige beschäftigungsfördernde Strukturreformen obsolet machen würde“, sagte der CDU-Politiker. „Auch eine Wiederholung solcher Vorschläge durch den IWF löst nicht das Problem, dass eine erneute private Gläubigerbeteiligung das Vertrauen der Kapitalmarktteilnehmer und Investoren zerstört.“

NRW-Finanzminister offen für Vermögensabgabe
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87 Kommentare zu "IWF-Vorstoß: Angriff auf die Reichen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was immer wieder übersehen wird (oder nicht gesehen werden will): Deutschland hat kein Einnahmeproblem.
    Sondern ein Ausgabeproblem!


  • Auf Dividenden muss man heute schon 26,5 % Abgeltungssteuer inclusive Soli zahlen. Wertpapierkreditzinsen kann man nicht vom Gewinn abziehen, somit werden manchmal sogar reale Verluste besteuert.

    Ob man die Vermögensabgabe auf das Bruttovermögen zahlen muss (Burttovermögen inklusive Kredite)?
    Das läge dann irgendwo in der Logik.
    Habe Bekannte, die legen ihr Geld konsequent in Gold an.
    Das kann man sogar im Garten oder Wald vergraben, ohne dass es schimmelt. Ein Problem sind Metalldetektoren.
    Taucher könnten ihr Gold in Seen versenken, da kommt so leicht kein Metall-Detektor hin.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Nehmen wir nun noch Hartz IV mit seiner gesetzlich geförderten Zuhälterei der Leiharbeit hinzu, dann frage ich mich, wo bleibt eigentlich die viel beschworene Gegenöffentlichkeit? Lebt die noch, oder hat die ihr Gefühl für Anstand längst prostituiert?

    VERLOGENE, verkommene Mitte!!

  • der IWF will 10% von jedem haben, damit die Schuldenstände wieder wie 2007 liegen. haha, da begann die Krise, soll wohl heißen, dass der Scheiß von vorne losgeht? dazu haben unsere Politiker 41 Sauereien an erhöhungen ausgearbeitet, um an alles Geld zu kommen. natürlich nur der Steuerzahler.

  • @pom_muc

    Weder hohe Steuersätze noch Vermögensabgaben oder Zwangsenteignungen von Unternehmen zu VEBs führten die DDR in eine glorreiche Zukunft.

    -----------------------------------------------------

    Wie denn auch, wenn eine Herrschende Klasse beständig ihr Volk plündert! Das war in der DDR so und in der BRD nicht anders!!

    Dieser bürokratische Beamtenstaat, wo sich der ÖD ständig die Taschen füllt - jedes Jahr Gehaltserhöhung!! - ist schon eine Farce. Das Geld muß doch irgendwo herkommen. Und da gehts nicht um 50 Euro, sondern um 100 von Euro pro Mitarbeiter!

    Die Mehrheit der Deutschen sind halt vertrottelt.

  • @A.Boeing

    Und ihren Mist den Sie hier über Hartz 4 Empfänger absondern, erzählen Sie mal dem Weihnachtsmann.

    Wenn sie ein bisschen intelligent wären, wüssten Sie das man Hartz 4 Empfängern grad so viel gibt, damit auch Aldi und co. bedient werden. Schliesslich steuern diese wirklich Reichen Familien die Politik!

    Und das Arbeitssuchenden nur ein Instrument sind um die anderen zu unterdrücken kommt Ihnen auch nicht in den Sinn?! Das es gar keine Arbeit mehr für Alle aufgrund der techn. Revolution (Internet) gibt, fällt Ihnen auch nicht ein.

    Intelligenz sieht wahrlich anders aus! :)

    Und ja..die verblödete Mitte soll mal schön zahlen. Was ist sie auch so doof und geht nicht auf die Straßen. Sondern macht auch noch mit und lässt sich von Rassistischen Eliten beeinflussen. Sie sind da so ein schönes Beispiel. Da sie mit Ihrem Kommentar Arbeitssuchenden einfach nur abgewertet haben! Anstatt sachlich mit Fakten zu diskutieren!

    Und jetzt wieder auf die bösen, faulen Hartz 4 Empfänger jammern.

  • @Willi Kammschott

    Wie schön das Sie endlich erkannt haben, nur benutzt zu werden.

    Dieser Beamtenstaat plündert regelmässig die Sozialkassen!! Und wer sich heute noch selbständig macht hat entweder zuviel Geld oder ist naiv.

  • Ach...hab ich voll ins SChwarze getroffen?!

    Ich bin nicht neidisch auf dicke Autos...warum auch? Von mir aus können sich ALLE total verschulden. Oder tausende BMW/Mercedes zu legen. Der MENSCH ist eh bekloppt und zerstört seine eigene Lebensgrundlage.

    Manche schreiben hier aber auch einen Müll um sich zu rechtfertigen...tzzt

  • @ ImmerKritischNachfragen

    Aus Ihrem Kommentar kann man entnehmen das Sie das Schuld-Geld-System nicht verstanden haben!

    JEDER der Geld benutzt lebt auf PUMP!
    Wenn nicht auf seinen eigenen, dann auf den PUMP bzw. die Verschuldung eines anderen!

    Dem Verbrechersystem ist gleich wer die Schulden und Zinsen zurückzahlt!
    Das ändert aber nichts daran das mit steigender Verschuldung auch die zu zahlenden Zinsen steigen, bis das System zwangsläufig wieder mal kollabiert!
    Und das wird ALLE betreffen, arme wie Reiche!
    Bis auf die Superreichen, die machen immer den Reibach, weil IHNEN die BANKEN gehören!

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