Jacob Rees-Mogg Der Star aus den hinteren Reihen

Auf ihrem Parteitag in Manchester ringen die britischen Konservativen um ihren Kurs. Einer der Stars ist ein Politiker, der altmodische Anzüge trägt, mit dem Akzent der Oberschicht spricht und auf Latein twittert.
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Der konservative Parlamentarier verkörpert mit seinen altmodisch geschnittenen Anzügen, seiner runden Brille und dem unüberhörbaren Akzent der britischen Oberschicht die konservativen Werte des alten britischen Adels. Quelle: Reuters
Jacob Rees-Mogg

Der konservative Parlamentarier verkörpert mit seinen altmodisch geschnittenen Anzügen, seiner runden Brille und dem unüberhörbaren Akzent der britischen Oberschicht die konservativen Werte des alten britischen Adels.

(Foto: Reuters)

Manchester„Er ist der Star hier“, sagt eine Frau mittleren Alters andächtig, als Jacob Rees-Mogg den prächtigen Hauptsaal der viktorianischen Stadthalle von Manchester betritt. Während die britische Premierministerin Theresa May auf dem Parteitag der britischen Konservativen in der nordenglischen Stadt mit versteinerter Miene an Passanten, Parteimitgliedern und Fotografen vorbei zu ihrem nächsten Auftritt eilt, wird ihr Parteikollege Rees-Mogg mit Applaus und Standing Ovations begrüßt. Reporter bedrängen den konservativen Politiker mit dem jungenhaften Gesicht, Fans bitten um Selfies und in dem Rathaussaal haben sich hunderte Briten Schulter an Schulter auf unbequeme Klappstühle gequetscht, um Rees-Mogg persönlich zu erleben. Einige Briten werden vor den Türen abgewiesen – zu viele wollten den Auftritt des 48-Jährigen miterleben.

Der Abgeordnete für den wohlhabenden Bezirk Nord-Ost Somerset im Südwesten Großbritanniens steht derzeit so stark im Scheinwerferlicht wie kaum ein anderer britischer Politiker. Rees-Mogg, der noch nie ein Ministeramt ausübte und als so genannter „Hinterbänkler“ im Parlament keine herausragende Stellung innehat, ist in den vergangenen Wochen zu einem Kandidaten für das Amt des Premierministers avanciert. Bei einer Umfrage unter Mitgliedern der konservativen Partei schaffte es Rees-Mogg bei der Frage nach dem besten Nachfolger für Premierministerin May zuletzt auf den dritten Platz, hinter Außenminister Boris Johnson und der Option „Andere“.

May trifft Merkel
May besucht Merkel
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Seit gut einem Monat ist Theresa May die neue Ministerpräsidentin Großbritanniens, die zweite nach Margaret Thatcher. Nun absolviert die 59-Jährige ihren ersten Auslandsbesuch – und hat sich dafür Berlin ausgesucht. Wer ist die Frau, die am Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel trifft – und welche politischen Positionen vertritt sie?

May will den Brexit zu einem „Erfolg“ machen
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Die künftige Premierministerin hält am EU-Austritt fest. „Brexit bedeutet Brexit – und wir werden einen Erfolg daraus machen“, betonte sie. May plädierte während des Brexit-Wahlkampfs für den Verbleib in der EU – aber das tat sie derart diplomatisch geschickt, dass es kaum auffiel. Das Foto zeigt, wie eine britische Flagge vor der EU-Kommission in Brüssel heruntergeholt wird.

Die „Neue“ gilt als kompetent und erfahren
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May ist seit 2010 Innenministerin unter Cameron. Damit verantwortete sie schwierige Themen wie Einwanderung und Terrorabwehr. Der Job des Innenministers gilt als der unbequemste Posten in der britischen Regierung – seit fast 100 Jahren hat sich dort niemand mehr so lange gehalten. In den Oppositions-Jahren davor war May für etliche andere Ressorts „Schatten“-Ministerin und damit direkte Gegenspielerin der Amtsinhaber. Ihre eigene Partei kennt sie aus dem Effeff, 2002 war sie Generalsekretärin der Konservativen. Mitarbeiter beschreiben sie als kompetent, freundlich und sehr ehrgeizig. Die 59-Jährige gilt zudem als unnachgiebig.

Strikte Position bei der Einwanderung
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Polnische Migranten bei Protesten in London: May vertritt in der Einwanderungspolitik eine harte Position. Im Sommer 2013 ließ ihr Innenministerium zwei Lastwagen mit der Aufschrift „Illegal in Großbritannien? - Gehen Sie nach Hause oder ins Gefängnis“ durch multikulturelle Gegenden Londons fahren. Um die Wahlaussagen der Konservativen durchzusetzen, die Zahl der Einwanderer zu reduzieren, spielte sie gar mit dem Gedanken, die Europäische Menschenrechtskonvention zu kündigen.

Verheiratet mit einem Banker
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Theresa May ist mit einem Banker, Philip John May, verheiratet. Das Paar konnte keine Kinder bekommen – wie die künftige Premierministerin offen einräumte.

Das Paar heiratet im Jahr 1980
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Theresa May und ihr Mann Philip May heirateten vor 36 Jahren. Das Foto zeigt sie mit ihren Schwiegereltern (l), ihren Eltern und ihrer Großmutter.

Studium in Oxford
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Theresa May studierte Geographie an der Elite-Universität Oxford – an der auch die frühere Premierministerin Margaret Thatcher und Noch-Premier Cameron gewesen waren. Später arbeitete sie für die englische Notenbank. Noch bevor sie 30 Jahre alt war, stieg May in die Lokalpolitik ein. 1986 wurde sie in den Londoner Stadtrat gewählt. Seit 1997 sitzt sie als Abgeordnete im Unterhaus.

Dabei verkörpert Rees-Mogg mit seinen altmodisch geschnittenen Anzügen, seiner runden Brille und dem unüberhörbaren Akzent der britischen Oberschicht wie kaum ein anderer die konservativen Werte des alten britischen Adels. Der sechsfache Vater – sein jüngster Sohn wurde im Juli geboren und auf den Namen Sixtus Dominic Boniface Christopher Rees-Mogg getauft – macht aus seiner altmodischen Einstellung keinen Hehl: „Ich gebe niemals vor, ein moderner Mann zu sein“, erklärte er kürzlich in einem Interview. Er habe auch noch nie eine Windel gewechselt. „Die Nanny“, die auch ihn schon großgezogen hatte und sich nun um seinen Nachwuchs kümmert, „würde das wohl auch nicht gutheißen“. Die Dame, die seit über 50 Jahren für die Familie arbeitet, muss im Übrigen auch nicht nur Windeln wechseln, wie man sich in Manchester erzählt: Zu Anfang der politischen Karriere ihres Zöglings war sie für ihn von Haus zu Haus gezogen, um Wahlkampf für ihn zu machen. Nach anfänglichen Fehlschlägen mit Erfolg: Seit 2010 sitzt Rees-Mogg im Parlament.
Dort sprach sich der Katholik mit seiner geschliffenen Ausdrucksweise gegen gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibungen aus, gegen Klimaschutz und strenge Auflagen für die Wirtschaft. Auch gegen die Europäische Union kämpfte er. Trotz seiner erzkonservativen Ansichten finden sich unter seinen Anhängern auch junge Konservative. Einige riefen eine Online-Bewegung namens „Moggmentum“ ins Leben und feiern ihn als „die Verkörperung der traditionellen britischen Werte“. Dabei dürften viele über den ersten Tweet gerätselt haben, den Rees-Mogg kürzlich in die Welt sandte - auf lateinisch.

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