Jagd auf Hedge-Fonds Liechtenstein bläst zum Angriff auf die Schweiz

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Die Schweiz gerät zwei Jahre ins Hintertreffen

Am 22. Dezember, also nur fünf Monate nach Erscheinen der neuen Richtlinie, war in Liechtenstein schon ein Gesetzentwurf fertig, um daraus Kapital zu schlagen. Der Grund ist in der PwC-Studie nachzulesen: Auf dem Fondsmarkt gewinnt derjenige, der eine Innovation zuerst anbieten kann. Wenn es Liechtenstein gelänge, die entsprechenden Zulassungen in attraktiver Form und als Erster auf den Markt zu bringen, würde in kurzer Zeit ein wesentlicher Teil aller Fondsmanager seine Hauptverwaltungen in Liechtenstein ansiedeln, so die Hoffnung.

Das Fürstentum will damit die Fehler der Vergangenheit vermeiden. Schon 2005, als die Schweiz ebenfalls von neuen Fonds-Richtlinien der Europäischen Union betroffen war, hätte Liechtenstein profitieren können“, schreiben die Autoren der PwC-Studie. Stattdessen „flossen die Schweizer Mittel an Liechtenstein vorbei an andere Plätze wie Luxemburg und Irland, diese Chance wurde kaum genutzt“.

Das soll nun anders werden. „Liechtenstein ist nicht zur Umsetzung der neuen Richtlinie verpflichtet, aber es liegt im Interesse des Landes, die Vorgaben zu erfüllen“, sagt ein Partner einer internationalen Rechtsanwaltskanzlei. Denn viele Optionen bleiben den Fondsmanagern nicht: Entweder sie siedeln in ein Land, das die Zulassung ermöglicht, oder sie beenden den Vertrieb in der EU. Liechtenstein steht hier in Konkurrenz insbesondere zu Malta, Irland und Luxemburg, hat aber allein wegen der räumlichen Nähe zur Schweiz die Nase vor.

Dies erklärt, mit welcher Intensität Liechtenstein vorgeht. PwC befragte Anfang 2012 die Vertreter sämtlicher betroffener Institutionen in dem Fürstentum – von den Banken des Landes über die Finanzmarktaufsicht und die Steuerverwaltung bis zum Verein unabhängiger Vermögensverwalter – zu den Chancen des Gesetzes. Das Ergebnis: Das Potenzial des neuen Gesetzes wird als gewaltig eingeschätzt. Bis zu 400 Schweizer Vermögensverwalter und Fondsmanager könnten dazu gebracht werden, den Standort zu verlagern. Dabei geht es um geschätzte 870 Milliarden Franken an verwalteten Geldern.

Desaster für die Schweiz
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8 Kommentare zu "Jagd auf Hedge-Fonds: Liechtenstein bläst zum Angriff auf die Schweiz"

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  • Der Bundesrat soll nur so weiter machen!! Die Lichtensteiner Politiker und Banker sind anscheinend doch etwas schlauer als UNSERE! Ich hoffe dass sie damit Erfolg haben und für uns heisst das zurück zum Kartoffelanbau!!! Schweizer Finanzplatz adeeeee Bundesrat!!!
    Michel

  • Zum Verständnis des Falls und zur richigen Einordnung sollte man folgendes noch wissen:

    "Beckhoff war auch mit von der Partie, als Ende der 1990er Jahre die Wuppertaler Fahnder Kundendaten der Liechtensteiner Bank LGT im Wert von vier Millionen Euro kauften. " ... "Damals hatten die Wuppertaler Fahnder mit Michael Lauber, dem Geschäftsführer des Liechtensteiner Bankverbands, einen Kontrahenten, der entschieden handelte, um den Kleinstaat zu schützen. Dieser Lauber ist kurioserweise seit dem 1. Januar 2012 der Schweizer Bundesanwalt. Aus dem Gejagten wurde der Jäger: Lauber erließ den Haftbefehl gegen Beckhoff und zwei weitere deutsche Steuerfahnder, wie die Basler Zeitung berichtet."

    " Im Zuge seiner Ermittlungen arbeitete er sowohl mit dem Bundesnachrichtendienst"... "zusammen". "Den drei deutschen Steuerfahndern werfen die Schweizer Ermittler vor, dass sie geschützte Daten ausgespäht hätten. Dies gilt als strafbar. Ein Steuerfahnder dürfe Informanten nicht zum Rechtsbruch verleiten. Der Daten-Lieferant kann indes nicht mehr aussagen, er brachte sich in der Untersuchungshaft um."

    In bestimmten Fällen verlautbart man: Es bestand kein weiteres Aufklärungsinteresse an dem Fall. Fachleute wissen die Deutung dieser Formulierung.

    Es ist ein Kampf unter Profis, der hier ausgetragen wird. die rechtsstaatlichen Mittel sind auf Laubers Seite.

    Beckhoff ist kaltgestellt, braucht eine neue Identität. Es ist davon auszugehen, dass sich dennoch Beckhoff nicht verstecken kann. Face book wird ihn überall wie einen Verbrecher überführen, immer wieder liefern. Der psychische Druck auf ihm und seiner Familie wird wahnsinnig werden.

  • Lichtenstein bläst zum Angriff auf die Schweiz

    Seit Tagen lesen wir von dem geplanten Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz (aber nicht mit Lichtenstein!), dass deutschen Kapitalanlegern in der Schweiz eine Zusatzsteuer in Höhe von 41 % im nächsten Jahr bescheren soll.

    Es liegt doch auf der Hand, dass es hier um deutsche Einlagen in der Schweiz und nicht in Lichtenstein geht. Die Überschrift über diesem zeigt doch jedem deutschen Steuerpflichtigen den Weg auf, den er vor und nach dem 01.01.2013 zu gehen hat. So blöd konnten doch nur Steinbrück und Schäuble verhandeln. Oder so klever, wenn man es aus der anderen Richtung betrachten will.

    Der Weg ist doch klar. "Einmal hin und einmal her. Wie bei den kleinen Kindern." Und alles ist sauber. Dafür fehlen die Verantwortlichen deutschen Politiker wegen Beihilfe bei Wasser und Brot eingesperrt. Wegen Dummheit!!! Und dafür hat sich Peter Beckhoff hergegeben?

    Das große Problem ist Peter Beckhoff. Peter Beckhoff ist laut WZ Leiter des Finanzamtes Wuppertal-Barmen (http://www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/jagd-auf-die-lichtgestalt-der-steuerfahnder-1.956618) und wird von den Schweizern per Haftbefehl gesucht. "Beckhoff, er wohnt in Bochum,"..."wie ein Ex-Kollege in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schwärmt."

    Hat die Bundesregierung den treuen Diener Beckhoff etwa schon frei gegeben? Präzieser kann man einen Steckbrief kaum noch erwarten.

  • Ein ganz erstklassiger Bericht! Sehen wir mal von teilweise unqualifizierten Kommentaren meiner Vor-Schreiber ab, die offenbar weder Ahnung haben was Offshore bedeutet, noch erahnen können was ein Hedgefund ist, hat das Handelsblatt sehr detailreich und bestens informiert fast vier Jahre EU / EWR Strategie zusammen gefasst. Liechtenstein ist, wenn es keine Fehler in der Umsetzung macht, in der Weissgeld-Welt angekommen. Rollt nur ein Bruchteil des Marktpotentials ins kleine Alpenland, so ist dieses auf Bargeldkoffer nicht mehr angewiesen - abgesehen davon, dass man die seit 2008 nicht mehr annimmt.

    Mit Verweis auf die Vor-Schreiber: sorry, warum die Schweiz nicht bescheuert sei wie Liechtenstein, erschliesst sich mir nicht. CH hat es geschafft seine Rolle als Finanzplatz zu verspielen, und das schon vor Jahren. FL ist immerhin im EWR, also voll anerkannt.

    @NewMay: nein, das ist kein hedgen. Und entgegen allen Gerüchten wurde weltweit nicht ein einziger Hedgefund von einem Staat gerettet, sondern nur marode Banken

  • Ist das "Arbeitslosengeld I" hedgen? Gewinne und Besitz mitnehmen, Verluste sozialisieren? VATER STAAT (C'ext moi) zahlts ja.

    http://regtpstrom.dynip.name/reg-anon.pdf

  • Gold hat nur einen Wert, wenn alle glauben, daß es wertvoll sei. Will man Gold als Zahlungsmittel, ist die Voraussetzung, daß die Bevölkerung durchinformiert ist. Das gleiche gilt fürs Geld. Fiat Geld, Fiat Gold - wertvoll oder wertlos, je nachdem, wie breit die Masse glaubig ist.
    Das Infoprinzipp läßt sich auf alle Bereiche ausdehnen, den gemeinsamen Freund, Feind, die Geschichte, Sprache usw.
    Das Internet hat nun dazu geführt, daß Sektierereien aus dem Boden sprießen wie Pilze. Dabei sind die Gruppenmitglieder gestreut über den gesamten Planeten und sich nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner einig. Aus Inforamtion wird Desinformation, welche alle Bevölkerungen durchdringt, und letzte ensteht nur eine kritische Masse, die der Desinformierten.
    Zu den Desinformierten gehören alle, auch die Medienmacher.
    Exclusivnachrichten für Abonenten verschärfen den Desinfogau, denn es läßt sich nicht nachvollziehen, woher, und wieso der eine diese Spur verfolgt, der andere jene, vorausgesetzt, die Absicht besteht, nicht nur Quatsch beizutragen. Alle reden aneinander vorbei - babylonisch.
    Gleichzeitig führt die digitale Vereinzellung dazu, daß das Netz als ganzes immer restriktiver wird wie die Würgeschlange ihre Opfer zerdrückt.
    Wer von Liechtenstein spricht, sollte zumindest sich mit den Offshore-Gebieten auseinander gesetzt haben. Und wenn er halbwegs gut ist, daß Offshore-Häfen mitten in der EU sind bestehen, teils Mitglieder wie Luxemburg sind, dessen Chef Jean-Claude Juncker ist, teils assoziiert wie Vatikanstaat oder Andorra - "Kofürst Sarkozy"!
    Doch auch die kompromittierende Info wird sinnlos, es fehlt der Wille, sie anzunehmen und gemeinsam zu handeln, es fehlt die Handlungsanweisung, es fehlt an allem.

  • Viel Spass Liechtenstein, denn die Schweiz ist im Gegensatz zur EU, nicht bescheuert. Der Schuss wird nach hinten losgehen!

  • Lichtenstein? Roy Lichtenstein? Oder doch eher Liechtenstein?

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