Jahresbericht Todesstrafe China ist Hinrichtungsland Nummer eins

In Deutschland gibt es keine Todesurteile mehr. Anderswo schon – sogar in Europa. Nach dem jüngsten Amnesty-Bericht wurden 2012 weltweit mindestens 682 Menschen hingerichtet. Höchstwahrscheinlich sind es noch viel mehr.
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Sträfling vor der Hinrichtung in einem Gefängnis in Kuwait: Fast sechs Jahre lang galt hier ein Hinrichtungsstopp. Quelle: dpa

Sträfling vor der Hinrichtung in einem Gefängnis in Kuwait: Fast sechs Jahre lang galt hier ein Hinrichtungsstopp.

(Foto: dpa)

BerlinBei seinen mutmaßlich letzten Worten hatte Naw Kham so viel Aufmerksamkeit wie die ganzen 44 Jahre seines Lebens nicht. Drei Dinge durfte der Mann aus Birma vor den Kameras des chinesischen Staatsfernsehens CCTV noch loswerden: „Ich vermisse meine Mutter. Ich will meine Kinder größer werden sehen.“ Und: „Ich will nicht sterben.“ Dann wurde der mutmaßliche Drogenbaron von zwei Polizisten in schwarzer Uniform zur Hinrichtung geführt. Gnädigerweise blendete sich der Sender aus, bevor der Henker die Giftspritze setzte.

Nur diese Zurschaustellung machte aus Naw Khams staatlich angeordneter Tötung Ende Februar einen Sonderfall. Öffentliche Hinrichtungen gehören auch in China seit Jahrzehnten der Vergangenheit an. Allen internationalen Appellen zum Trotz lässt die Volksrepublik nach Schätzungen aber immer noch jedes Jahr mehrere tausend Menschen exekutieren. Die genaue Zahl wird als Staatsgeheimnis behandelt.

Im „Henkerstaaten“-Bericht von Amnesty International – der weltweit zuverlässigsten Erhebung dieser Art – ist China deshalb auch dieses Jahr wieder nur ein dunkler Fleck. In einem aber ist sich Amnesty sicher: „China hat 2012 wieder mehr Menschen hingerichtet als der gesamte Rest der Welt zusammen.“ Dort blieben die Zahlen einigermaßen gleich. Anderswo kamen die Menschenrechtler auf mindestens 682 Tötungen von Staats wegen - zwei mehr als im Jahr zuvor.

Auch sonst gibt es in der neuen Statistik auf den ersten Blick kaum Veränderungen. Auf Platz zwei der Liste liegt wieder der Iran, wo mindestens 314 Menschen gehenkt wurden. Es folgen der Irak (129), Saudi-Arabien (79), die USA (43) und der Jemen (28). In Europa vollstreckt als letztes Land nur noch Weißrussland (3) die Todesstrafe. Mit Ausnahme der USA sind das alles Mindestzahlen. Insgesamt ließen noch 21 Staaten hinrichten – genauso viele wie 2011.

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22 Kommentare zu "Jahresbericht Todesstrafe: China ist Hinrichtungsland Nummer eins"

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  • @hafnersp
    Sie bringen es auf den Punkt

  • @Fredi

    Deutschland will China sicherlich nicht als Feindbild aufbauen, sondern die USA/die westlichen Geldeliten (die deutschen Medien kopieren meist nur ein, was die internationalen "Nachrichten"-Agenturen so bringen insbesonders Reuters und seine Ableger).

    Es geht u.a. um Rohstoffe und die Weltmachtstellung der USA. China/Rußland sind noch die einzigen verbliebenen Machtzentren außerhalb der "westlchen" Kontrolle.

  • Die Hess. Verfassung braucht nicht geändert zu werden, denn Bundesrecht bricht Landesrecht.

  • Halte die Todestrafe in vielen Fällen sozialer, für beide Seiten.
    Wir als Deutsche sollen uns ohnehin da in der Beurteilung raushalten, wir haben da unser
    Soll für die nächsten Millonen Jahre ohenhin erfüllt, bin selber Nachfahre einer KZ Schiksal
    Familie

  • "Die Bundesrepublik hatte die Todesstrafe schon 1949 aus der Verfassung gestrichen."
    Die BRD schon, aber war es nicht Hessen, wo es sie bis vor zwei Jahren auf dem Papier noch gab?

    "
    Verfassung des Landes Hessen

    Art. 21 Verf - Landesrecht Hessen
    (1) Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden worden, so können ihm auf Grund der Strafgesetze durch richterliches Urteil die Freiheit und die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen oder beschränkt werden. Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden. (1)
    "

  • @ Hafnersp

    China als Feindstaat aufbauen? Nachdem man ohne Ende Technologie aus Deutschlands dorthin verschenkt hat?

    Würde aber zum Weitblick hierzulande passen.

  • Was mir hierzu auch noch einfällt (aber offenbar keinem Journalisten): sind eigentlich die vom Friedensnobelpreisträger direkt und ohne Gerichtsurteil autorisierten Hinrichtungen mittels Drohnen in der US-Statistik mit erfaßt oder müssen diese noch dazu addiert werden?

  • @tesaro: "den Steuerzahler die billigste" Falsch.In Rechtsstaaten wie den USA kostet ein Todesstrafenprozess im Durchschnitt jedoch mehr als eine lebenslange Haft. Hauptgrund sind die Anklage- und Verteidigungskosten von oft jahrelangen Kapitalverfahren. Dabei müssen die polizeilichen Ermittlungsergebnisse besonders sorgfältig geprüft werden. Mehrere Revisionsinstanzen und Wiederaufnahmemöglichkeiten sind vorgesehen, um Fehlurteile korrigieren zu können.

  • "...deswegen kann nur vermutet werden, wie viele Menschen dort exekutiert werden."
    ---

    Eine "Vermutung" reicht auf den ersten Platz zu kommen?
    Na ja, man hat vor dem Irak Krieg ja auch vieles "vermutet". Das hat dann als Begründung für Morde, Krieg, Folter und Unrecht gereicht. Das die Vermutungen am Ende substanzlose Luftlasen waren hat keinen wirklich gestört, hat man seine kriminellen Ziele doch erreicht, nämlich an die Ölfelder Iraks zu kommen, etc...

    Journalistische Sorgfalt nur das zu verbreiten, was gesichert ist, ist wohl aus der Mode gekommen.

    China Bashing dagegen nicht. Es darf auch gerne Syrien, früher auch Libyien, Jugoslawien, wie alle anderen üblichen Verdächtigen, deren Nase uns nicht passt,.... sein.

    Die ganze westliche Presse kann man doch in die Tonne kloppen, wenn es um unsere Lieblingstäter geht.
    Latrinenparolen erreichen regelmäßig die Schlagzeilen.

    Da wird unterstellt, bis die Vermutungen, oder soll ich es nicht lieber beim Namen nennen, bis die Lügen sich so hoch stapeln, dass sie schon am Mars kratzen.

    Bald kann ich meinen Kindern statt aus Märchenbüchern vorzulesen, die aktuelle Tagespresse verlesen.
    Die ist gut für so manchen Witz, aber nicht unbedingt der Wahrheit verprflichtet.

  • auf mindestens 682 Tötungen von "Staats wegen"
    -----
    mich stört mehr das töten von" Privats wegen" und
    da siehts übel aus.
    Nicht zu vergessen,die sogenannten Revolutionen,
    die den Menschen in seiner ganzen Scheußlichkeit
    zeigen.
    Mit den 682 Fällen,von Staats wegen,komm ich gut
    zurecht,wenn die millionen Tötungen von Banden aller
    Arten,von Frauen und Kinder
    und der männlichen Kriegsspiele wegen,ein Ende finden würden...Die Welt wäre ein Paradies.

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