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Jan Hatzius im Interview Chefökonom von Goldman Sachs: „Der US-Aufschwung wird weitergehen“

Jan Hatzius erachtet die Stärke der US-Wirtschaft als anhaltend. Zinssenkungen hält er daher für unnötig – und eine zu frühe Senkung für riskant.
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Chefökonom der amerikanischen Wall-Street-Bank Goldman Sachs. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Jan Hatzius

Chefökonom der amerikanischen Wall-Street-Bank Goldman Sachs.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Unter US-Präsident Donald Trump befindet sich die Wirtschaft Amerikas auf einem bisher nicht gekannten Höhenflug. Unternehmen profitieren von Steuersenkungen, der Markt insgesamt vom niedrigen Zinsniveau, was die Notenbank Federal Reserve vorgibt. Geht es nach Trump, soll die Fed eine Rückkehr zu noch lockerer Geldpolitik beschließen, um das kleine Wirtschaftswunder gegen den globalen Trend weiter zu gewährleisten.

Doch es gibt nicht nur positive Stimmen. „Meiner Meinung nach hätten die Notenbanker auch noch ein paar Datenpunkte abwarten und dann später entscheiden können“, kommentiert Jan Hatzius, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs die schnelle Reaktion der Fed auf Fundamentaldaten. Der gebürtige Heidelberger, der für seine präzisen Prognosen bereits mehrere Auszeichnungen erhalten hat, sieht die US-Wirtschaft dennoch auf Kurs – trotz Handelsstreit.

Das vollständige Interview lesen Sie hier

Herr Hatzius, die US-Wirtschaft befindet sich im längsten Aufschwung aller Zeiten, dennoch könnte die Notenbank bald die Zinsen senken. Wie passt das zusammen?
Im Mai und im Juni sind unterschiedliche Faktoren zusammengekommen. Die Zolldrohungen gegen Mexiko und diverse Zuspitzungen im Handelsstreit mit China haben zu Nervosität an den Märkten geführt. Auch die Unternehmen sind daraufhin unruhig geworden. Zudem waren die Arbeitsmarktdaten für den Mai schwach, und die US-Inflationsrate ist stärker gefallen als erwartet. Vor allem die Bond-Investoren haben den Druck auf die Fed erhöht. Letztlich hat sich die Notenbank entschieden, diesem Druck nachzugeben.

Die Arbeitsmarktdaten für den Juni waren besser als erwartet, die Zolldrohungen gegen Mexiko scheinen vom Tisch. Hat die Fed zu schnell reagiert?
Ich glaube ja. Bei der Sitzung im Juni hat der Zentralbankrat sehr deutlich signalisiert, dass die Zinsen Ende Juli sinken werden. Meiner Meinung nach hätten die Notenbanker auch noch ein paar Datenpunkte abwarten und dann später entscheiden können. Ich sehe nicht, was man aufgegeben hätte, wenn die Fed-Sitzung Mitte Juni etwas neutraler gewesen wäre.

Warum ist es riskant, zu früh die Zinsen zu senken?

Weil dann die Wirtschaft möglicherweise überhitzt. Das kann sich in steigender Lohn- und Preisinflation oder in spekulativen Blasen an den Finanzmärkten niederschlagen. Zwar sehen diese Risiken derzeit immer noch moderat aus, aber gleichzeitig braucht die US-Wirtschaft zum jetzigen Zeitpunkt unserer Ansicht nach auch keinen zusätzlichen Anschub. Daher sind die Risiken und Kosten einer Zinssenkung zwar nicht allzu groß, aber der Nutzen darf auch bezweifelt werden.

Fed-Chef Powell und andere Notenbanker haben argumentiert, dass es bei der geplanten Zinssenkung vor allem darum geht, die Inflationsrate nicht noch schwächer werden zu lassen.
In meinen Augen ist die gar nicht so schwach. Wenn man sich verschiedene Maße der Inflation ansieht, beispielsweise den „Dallas Fed Trimmed Mean Index“, sind wir genau im Soll. Der Index sortiert besonders starke Ausschläge nach oben und unten aus und liegt derzeit bei zwei Prozent. Die Kerninflation, die Preise für Energie und Nahrungsmittel außen vor lässt, wird unseren Schätzungen zufolge im Juli von 1,6 auf 1,7 Prozent steigen. Doch selbst wenn man die Inflation steigern will, ist eine Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten kein besonders gutes Mittel.

Wieso?
Weil sich eine Zinssenkung nur indirekt über die Arbeitslosigkeit auf die Inflation auswirkt. Die durchschnittliche Schätzung besagt: Fällt die Arbeitslosenquote um einen Prozentpunkt, steigt die Inflation um maximal 0,3 Prozent. Es bedarf also viel mehr als einer Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten. Selbst eine Senkung von 0,5 oder 0,75 würde nicht ausreichen.

Läuft die Notenbank Gefahr, sich zu abhängig von den Märkten zu machen?
Das ist ein gewisses Risiko, und eine Zentralbank muss hier sehr genau abwägen, gerade wenn der Druck von den Anleihemärkten kommt. Auf der einen Seite haben die vielen Experten im Markt einen breiteren Blick auf die Lage als eine begrenzte Anzahl von Ökonomen bei der Fed. Außerdem ist es riskant, die Erwartungen der Märkte nicht zu erfüllen. Wird mit einer Zinssenkung gerechnet, die dann nicht kommt, gehen die Kurse für Anleihen und auch Aktien meist nach unten. Das führt zu verschärften Finanzbedingungen und wirkt sich auch negativ auf das Wachstum aus.

Und auf der anderen Seite?
… muss man genau aufpassen, wer hier wem folgt. Wenn die Notenbank den Forderungen der Investoren nachgibt und diese sich wiederum an den Äußerungen der Fed und den Marktdaten orientieren, kann das zu merkwürdigen Ergebnissen führen. Ben Bernanke hat das schon vor seiner Zeit als Fed-Chef als „Spiegelkabinett“ bezeichnet, in dem jeder irgendwann völlig verwirrt ist. So etwas ist auch in der Geldpolitik möglich, gerade wenn die Wirtschaftsdaten nicht eindeutig sind. Die Fed könnte zu Zinssenkungen getrieben werden, die eigentlich nicht nötig sind.

Die US-Wirtschaft wächst seit 121 Monaten. Geht es weiter nach oben?
Unserer Meinung nach ja. Die Inflation ist unter Kontrolle, das Risiko einer aggressiven geldpolitischen Verschärfung ist gering, und die Verschuldung im privaten Sektor ist moderat. Zumindest für dieses und für nächstes Jahr erwarten wir daher keine Rezession in den USA.

Welche Wechselwirkung hätte eine Zinssenkung in den USA für Europa?
Kurz gesagt: höhere Aktienkurse und einen etwas stärkeren Euro. Allerdings ist unklar, wie weit es noch in diese Richtung geht, denn die Märkte antizipieren die Zinssenkung ja schon seit einiger Zeit. Zudem könnte eine Zinssenkung in Amerika auch die Bereitschaft in Europa verstärken, die Geldpolitik weiter zu lockern, vor allem unter Christine Lagarde als neuer Chefin der Europäischen Zentralbank. Wie effektiv das sein wird, darüber kann man streiten.

Mehr: Experten der US-Bank sind überzeugt, dass die Furcht der Marktteilnehmer vor einem Wirtschaftseinbruch unbegründet ist. Dennoch dürften die Börsen weiter schwanken.

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