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Japan Shinjiro Koizumi ist politischer Star aus Mangel an Alternativen

In Japan hat der Wahlkampf um das Oberhaus begonnen. Die Hauptrolle spielt ein junger Politiker, der als Nachfolger von Regierungschef Abe gehandelt wird.
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Der Japaner stammt aus einer Politiker-Dynastie. Quelle: Bloomberg
Shinjiro Koizumi

Der Japaner stammt aus einer Politiker-Dynastie.

(Foto: Bloomberg)

Tokio Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sein bestes Zugpferd in den Oberhauswahlkampf geschickt, der diesen Donnerstag begonnen hat: Shinjiro Koizumi, den aufsteigenden Jungstar der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP).

Im von alten Herren beherrschten Parlament sticht der 38-jährige schon durch sein Alter heraus. Doch vor allem gilt er dem Volk als Hoffnungsträger und potenzieller Erbe von Abe, sobald der am längsten amtierende Ministerpräsident Japans voraussichtlich 2021 zurücktreten wird.

2018 sprachen sich in einer Umfrage bereits mehr Japaner für Koizumi als LDP-Präsidenten aus als für für Abe – damit wäre Koizumi auch Regierungschef. Dieses Jahr stellte ihn sogar das britische Magazin „The Economist“ der Weltöffentlichkeit als Japans künftigen Führer vor. Doch zuerst muss er daheim mit seiner Popularität Abe und seiner LDP helfen, in den Teilwahlen des Oberhauses am 21. Juli erneut zu siegen.

Vier Wahlkampfreden hat Koizumi diesen Donnerstag schon gehalten: eine in der zentraljapanischen Präfektur Shiga, drei im armen, alternden nordjapanischen Akita. Und immer wieder ruft er den Wählern in eine optimistische Botschaft zu: „Japan kann sich ändern!“

Im Hintergrund eine Politikerdynastie

Den Bevölkerungsschwund Japans will Koizumi durch eine „Aktivierung der Menschen“ in eine Stärkung verwandeln, wie er selbst sagt. Statt Anpassungsdruck soll der Individualismus der Menschen gefördert werden. Und das hört sich für viele alte Japaner erfrischend an. Dabei ist der vermeintliche Erneuerer tatsächlich eine Ausgeburt des alten Japan – er ist der jüngste Sohn, einer der ältesten, wenn auch schillerndsten Politikerdynastien im Land.

Sein Urgroßvater Matajiro, bekannt für seine großen Tätowierungen, sattelte vor mehr als 100 Jahren vom Chef einer Yakuza-Gang, einer Art japanischen Mafia, auf Politiker um. Als Postminister forderte er dann die Privatisierung der Post. Koizumis Großvater Junya brachte es immerhin zum Verteidigungsminister, sein etwas exzentrischer wie extrem populärer Vater Junichiro war zwischen 2001 und 2006 sogar Regierungschef.

Koizumis Leben als Erbe war sicherlich nicht immer leicht. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs der Junior mit seinem älteren Bruder Kotaro, einem Schauspieler, im Hause seines Vaters auf, ohne seine Mutter zu sehen. Dafür kam er später in den Genuss einer globalen Elitekarriere.

Erst durfte Koizumi an der amerikanischen Columbia-Universität studieren. 2006 verbrachte er damit, sich als Forscher und Mitglied des Young-Leader-Forums des renommierten US-Thinktanks CSIS global zu vernetzen. Die Bekanntheit seines Vaters dürfte dabei nicht geschadet haben – schließlich machte sein Vater ihn zu seinem politischen Sekretär, bevor er ihm 2009 den Unterhauswahlkreis in Yokosuka vermachte.

Zu früh für die Spitze

Seither hat Koizumi sich auf Parteiposten und zwei Ausflügen als Staatssekretär einen Namen als fähigenr Politiker gemacht. So war er zeitweise für den Wiederaufbau der 2011 von einem Tsunami zerstörten Regionen zuständig. Doch für den großen Sprung an die Spitze ist es noch zu früh, meint der bekannte politische Analyst Takao Toshikawa, der Gründer des Newsletters Tokyo Insideline.

„Er ist sicherlich ein vielversprechender Parlamentarier“, meint Toshikawa, „aber er muss noch fünf bis zehn Jahre warten, bis er Ministerpräsident werden kann.“ Zuvor müsse er sich auf Top-Posten der Partei oder als Minister bewähren. Erst dann könne er wirklich als wichtiger Player gelten.

Nur hat sich Koizumi eine schnelle Karriere unter Abe dadurch verbaut, dass er in den LDP-Präsidentschaftswahlen Abes Gegner unterstützt hat. Langfristig hingegen war der Schachzug geschickt, urteilt der Koichi Nakano, Politologe an der Sophia-Universität. „Er hat damit gezeigt, dass er seinen Mann steht und nicht Abes Marionette ist.“

Noch wichtiger für seine Karriere ist allerdings, dass Koizumi Jr. genau wie sein Vater schon zwei wichtige Verbündete hat. „Die Medien lieben ihn und das Finanzministerium unterstützt ihn“, sagt Nakano. Tatsächlich steht das wichtige Ministerium tief in der Schuld der Koizumis. Denn Shinjiros Vater hat den Traum des Dynastiengründers durchgesetzt und die Post privatisiert. Und damit fiel die riesige Postbank in das Reich des Finanzministeriums.

Die politischen Positionen des jungen Koizumi spiegeln dann auch teilweise die Interessen seiner Unterstützer wider. So fordert er, mehr Ressourcen von den Senioren zu den jüngeren Generationen zu verschieben. Das ist ganz im Sinne der Finanzbeamten, die mit Sorge auf Japans astronomischen Schuldenberg schauen. Ansonsten gilt Koizumi als moderater Konservativer.

Doch vor allem teilt er sich eine der wichtigsten Stärken mit Ministerpräsident Abe. Der Regierungschef gilt zwar als absoluter Favorit in den kommenden Wahlen, in denen die Hälfte des Oberhauses neu gewählt wird. Aber er profitiert davon, dass die Opposition nach einer vermurksten Regierungszeit von 2009 bis 2012 noch immer keine Konkurrenz ist, erklärt der Politologe Nakano. „Koizumi wiederum ist der einzige in der jüngeren LDP-Generation, über den als künftigen Führer gesprochen wird.“ Koizumi kann das egal sein. Auch ein Star aus Mangel an Alternativen ist ein Star.

Mehr: Der Streit um die Entschädigung von koreanischen Zwangsarbeitern eskaliert. Südkorea und Japan steuern auf einen Wirtschaftskrieg zu.

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