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Japan und Südkorea Später Trost für die „Trostfrauen“

Japan und Südkorea wollen mit einem Abkommen einen langen Streit um Zwangsprostituierte beilegen. Damit könnte eine diplomatische Eiszeit enden. Doch Japans Kolonialgeschichte droht weiterhin, die Beziehungen zu stören.
28.12.2015 - 15:29 Uhr

Zwangsprostitution: Japan und Südkorea legen Streit bei

Tokio 70 Jahre nach dem Kriegsende versuchen Japan und Südkorea die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen: Am Montag einigten sich die Außenminister beider Staaten auf einen sorgsam austarierten Kompromiss in einem historischen Streit, der zuletzt eine diplomatische Eiszeit zwischen den Nachbarn ausgelöst hatte: die Behandlung der letzten überlebenden Koreanerinnen, die im Zweiten Weltkrieg als sogenannte „Trostfrauen“ zur Prostitution in den Frontbordellen der japanischen Streitkräfte gezwungen worden waren.

Wie schwer sich beide Seiten dabei taten, zeigte der Wortlaut der Erklärung. Japans Regierungschef Shinzo Abe drückte in der seit Monaten ausgehandelten Übereinkunft seine „ernsthafte Entschuldigung und Bedauern für alle Frauen aus, die als Trostfrauen unermessliche und schmerzliche Erfahrungen erlebten und unheilbare physische und psychische Wunden erlitten.“

Damit wiederholte er wortwörtlich eine Sprachregelung von 1994, als Japans damaliger Ministerpräsident Tomiichi Murayama das Problem mit einer Entschuldigung und einem Entschädigungsfonds lösen wollte. Darüber hinaus erklärte sich Japans Regierung bereit, eine Milliarde Yen in eine neue Stiftung zu überweisen, die die südkoreanische Regierung zur Betreuung der letzten, noch lebenden Betroffenen einrichten wird. Im Gegenzug gesteht Südkorea zu, dass damit dieses Kapitel der Geschichte rechtlich „letztlich und unwiderruflich“ gelöst sei, falls Japan seine Zusagen erfülle.

Japans Außenminister Fumio Kishida bezeichnete das Abkommen nicht von ungefähr als „historische und epochale Errungenschaft“, das in den eisigen bilateralen Beziehungen den Weg zu einer „neuen, nach vorne schauenden Ära“ ebene. Denn damit wächst die Chance, dass es drei Jahre nach dem Amtsantritt von Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye und Japans Regierungschef Abe endlich zu regelmäßigen gegenseitigen Staatsbesuchen der Nachbarn kommt.

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    Bis vor ihrem ersten offiziellen Gipfeltreffen in Seoul Anfang November trafen sie sich nach anfänglich totaler Funkstille nur außerhalb ihrer Länder unter dem mehr oder weniger sanften Druck von US-Präsidenten Barack Obama. Denn die USA sahen in der Spaltung ihrer beiden ostasiatischen Verbündeten eine Stärkung des geostrategischen Herausforderers China. Und auch der November-Gipfel kam nur am Rande eines Drei-Länder-Treffens der Nachbarn mit China zustande. „Das Abkommen ist daher gut für die USA“, urteilt Robert Dujarric, Ostasien-Experte am japanischen Campus der Temple University. „Es hilft den US-geführten Bemühungen, eine antichinesische Koalition aufzubauen.“

    Der Grund für das eisige Schweigen waren grundsätzliche Differenzen im Umgang mit der Annexion Südkoreas durch Japan in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Frage der Kriegsprostituierten war dabei ein emotionaler Bruchpunkt. Mehr als 200.000 Frauen aus ganz Asien, darunter auch Australierinnen und Niederländerinnen aus von Japan eroberten Gebieten, wurden oft in den Dienst gepresst. Doch in dem annektierten Korea war die Zahl besonders hoch.

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