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Japan Welle der Hilfsbereitschaft nach Brand in Zeichentrickstudio

Der Brand in einem japanischen Zeichentrickstudio löst eine globale Spendenwelle ausgelöst. Beim Blick auf die Arbeitsbedingungen in der Branche werden die Probleme deutlich.
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Die genauen Schäden und Umstände sind noch offen. Quelle: AFP
Verheerender Brand

Die genauen Schäden und Umstände sind noch offen.

(Foto: AFP)

Tokio Die tragische Feuerkatastrophe in einem japanischen Zeichentrickstudio hat eine Welle internationaler Solidarität ausgelöst. 33 Menschen starben am Donnerstag im Hauptquartier des Studios Kyoto Animation (KyoAni), 36 wurden verletzt, nachdem ein 41-jähriger Japaner Feuer gelegt hatte. Angeblich warf er dem Studio Ideenklau vor.

Noch als die Opfer gezählt wurden, startete das amerikanische Unternehmen Sentai Filmworks, das japanische Zeichentrickfilme in den USA vertreibt, auf der Crowd-Fundingplattform GoFundMe eine Spendenaktion.

„Helft uns, unseren Freunden bei Kyoto Animation zu helfen, in dem ihr spendet“, twitterte das Unternehmen in die Welt hinaus. Und die anschließende Solidaritätswelle zeigt, dass die japanische Subkultur weltweit eine große Fanbasis hat. Bereits am Freitag hatten mehr als 42.000 Fans japanischer Manga-Comic und Anime-Trickfilmen 1,36 Millionen US-Dollar für die Aktion #HelpKyoAniHeal gespendet.

Firmenchef John Ledford dankte den Fans bereits. Die Masse der Zusagen und der Unterstützung sei gewaltig, schrieb er bereits Donnerstagnacht amerikanischer Zeit. Die Zeichentrickfilmer von KyoAni seien „wahre Meister ihrer Kunst und gehörten zu Japans nationalen Schätzen“, so Ledford. „Wir koordinieren uns mit anderen Mitgliedern der Anime-Industrie in Japan, damit die Gelder diejenigen erreichen, die sie benötigen.“

Die Hilfe und vor allem die Anteilnahme aus dem Ausland dürfte höchstwillkommen sein. Fast alle der schätzungsweise 70 Menschen, die bei Ausbruch des Brands im Gebäude waren, sind tot oder schwer verletzt.

Das Land ist über den größten Brand seit zwei Jahrzehnten geschockt. Ministerpräsident Shinzo Abe drückte den Opfern bereits am Donnerstag sein Beileid aus. Und der Trickfilmregisseur Makoto Shintai sprach am Freitag den Fans und der Branche aus dem Herzen. „Ich möchte wieder neue Werke von KyoAni sehen.“

Ob und wann das geschehen wird, ist allerdings noch offen. Denn bisher stehen außer den Opferzahlen die genauen Schäden und vor allem Umstände der Tragödie noch nicht fest.

Todesdrohungen im Vorfeld

Gesichert ist bisher, dass der Mann aus der Präfektur Saitama Benzin oder andere Brandbeschleuniger im Gebäude ausgeschüttet und dann angezündet hat. Dabei schrie er „Ihr sollt sterben“. Kurze Zeit später wurde er verhaftet und wegen seiner Brandwunden im Krankenhaus behandelt.

Nach Aussagen der Polizei wollte der Mann mit seinem Anschlag dagegen protestieren, dass KyoAni eine Geschichtsidee von ihm geklaut habe. Gesichert ist das beileibe noch nicht. Das Studio hatte zuvor schon Todesdrohungen erhalten, erklärte KyoAni-Chef Hideaki Hatta. Allerdings ist nicht klar, ob sie von der gleichen Person stammten.

Aber ein vergraulter Bewerber wäre nicht ausgeschlossen. Denn das vermeintliche Motiv wie auch die hohen Opferzahlen deuten auf das düstere Geheimnis der japanischen Traumfabriken hin: albtraumhafte Arbeitsbedingungen.

Die Produzenten von Manga-Comics und Anime-Filmchen stehen unter großem Druck, die Massen preiswert mit immer neuen Geschichten zu unterhalten, und sie tragen den Wettbewerb auf dem Rücken der Zeichner aus.

Viele junge Zeichner würden weitaus mehr in Jobs mit Mindestlohn verdienen als im Zeichentrickstudio. Der Fernsehsender NHK hat voriges Jahr einmal das Leben junger Zeichner eingefangen, die auf eine Karriere hoffen. Drei Zahlen machen das Ausmaß der Ausbeutung deutlich: Elf-Stunden-Tage, vier freie Tage pro Monat – und das alles bei einem Einkommen von rund 800 Euro.

Wer die Tortour durchhält, kann dann als durchschnittlich 30-jähriger Produktionsassistent laut einer Umfrage der Vereinigung der Zeichentrickfilmer auf 2100 Euro im Monat hoffen.

Der Spitzenverdiener ist der Seriendirektor mit einem Monatseinkommen von durchschnittlich 4500 Euro. Verglichen mit den Einkommen im Fernsehen oder in Hollywood ist auch das noch wenig.

Umstände werden rekonstruiert

In dieser Industrie zeichnete sich KyoAni immerhin dadurch aus, dass es seine Zeichner fest einstellt und nicht als freie Künstler beschäftigt wie viele Konkurrenten. Damit will das Management gewährleisten, dass sich die Zeichner auf die Qualität der Animationen konzentrieren können. Das zahlt sich aus: Die Werke des Studios gelten als hochwertig und heimsten diverse Preise ein.

Doch gespart wird auch bei KyoAni. Die Zeichenstudios des Unternehmens sind nicht in schicken modernen Gebäuden untergebracht. Das ausgebrannte „erste Studio“ belegte vielmehr einen schlichten dreistöckigen Zweckbau. Doch selbst bei dem stellt sich die Frage, warum sich Feuer und Rauch so schnell ausbreiten konnten.

Arbeitsmaterialien wie Papier und Farben könnten als Zunder gewirkt haben. Auch in Japan gibt es für Bürogebäude Brandschutzbestimmungen, die eigentlich so ein Unglück verhindern sollten. Die lokale Feuerwehr wies derweil daraufhin, dass eine Wendeltreppe, die alle drei Stockwerke verbunden hat, für die schnelle Verbreitung des Brands verantwortlich war.

Mehr: Bilder vom Brandanschlag in Trickfilmstudio

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