Japans Militärpolitik Nordkoreas Raketentests befeuern die Scharfmacher in Tokio

Nordkorea provoziert mit Raketentest – und die Großmächte reagieren. Die USA schicken einen Flugzeugträger in den Westpazifik. Auch China mischt in dem Machtpoker mit und ruft die die Länder zu Selbstbeherrschung auf.
Update: 10.04.2017 - 11:05 Uhr 1 Kommentar
Nordkorea hat in der Vergangenheit durch diverse Raketentests provoziert. Quelle: dpa
Nordkoreas Raketentests

Nordkorea hat in der Vergangenheit durch diverse Raketentests provoziert.

(Foto: dpa)

TokioNordkoreas Raketentests befeuern in Japan Rufe nach neuen Militäroptionen. In Regierungskreisen wird laut über die Möglichkeit nachgedacht, den Selbstverteidigungsstreitkräften die Fähigkeit zum Gegenangriff zu verschaffen. So etwas hat das sicherheitspolitische Gremium der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Ministerpräsident Shinzo Abe angeregt. Die Regierung hält sich mit konkreten Plänen bislang bedeckt. Erstmal scheint man die Reaktion der Öffentlichkeit und in der Region testen zu wollen. Sollte die Regierung den Vorstoß aber aufgreifen und umsetzen, würde die pazifistische Verfassung laut Kritikern endgültig zur Makulatur.

Tillerson: „Unser Fokus liegt darauf, Nordkorea atomwaffenfrei zu bekommen.“

Tillerson: „Unser Fokus liegt darauf, Nordkorea atomwaffenfrei zu bekommen.“

China hat unterdessen alle beteiligten Seiten zu Zurückhaltung aufgerufen. China beobachte die Situation auf der koreanischen Halbinsel genau, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums am Montag in Peking. „Alle Partei sollten Selbstbeherrschung zeigen und nichts unternehmen, was die Situation weiter verschärft.“

Bislang beschränkt die Nachkriegsverfassung Japans militärische Optionen ausschließlich auf die Selbstverteidigung. Doch die jüngsten Raketentests Nordkorea haben die Bedrohungslage nach Auffassung rechtskonservativer Politiker in Japan deutlich verschärft. Die Regierung spricht von einer „neuen Stufe der Bedrohung“. Japan müsse permanent, „24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr“ in Alarmbereitschaft sein, deshalb brauche das Land neue militärische Optionen, erklärte der frühere Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Er ist Vorsitzender des sicherheitspolitischen Gremiums von Abes LDP.

Es gehe bei dem Vorschlag seines Gremiums nicht um einen Erstschlag, betonte Onodera. Es gehe darum, nach einem Angriff durch Nordkorea einen zweiten oder dritten Schlag gegen Japan zu verhindern. Es sei die Verantwortung der Regierung, das Leben der japanischen Bevölkerung zu schützen, pflichtet Gen Nakatani, ebenfalls ein Ex-Verteidigungsminister, bei. Eine Debatte darüber, den Gegner zu neutralisieren, um einen zweiten Angriff zu verhindern, sehen sie im Rahmen der Verteidigung und daher im Einklang mit der Verfassung.

Bereits 2015, während Nakatanis Amtszeit, hatte sich Japan von der rein defensiven Ausrichtung des Staates verabschiedet, als das Land umstrittene Sicherheitsgesetze in Kraft setzte. Damit erhielt Japan das Recht zur „kollektiven Selbstverteidigung“ und darf in Konflikten an der Seite von Verbündeten wie den USA kämpfen, selbst wenn die 127-Millionen-Einwohner-Nation nicht direkt angegriffen wird. Dies hatte zu den größten Massenprotesten seit fünf Jahrzehnten geführt.

Bis jetzt ist Japan auf den militärischen Schutz der USA angewiesen. Zwar verfügt das Land über Raketenabwehrsysteme, das Patriot Advanced Capability (PAC-3) auf dem Land und das auf Aegis-Zerstörern installierte Standard Missile-3 (SM-3). Sie sollen feindliche Raketen über Japan beziehungsweise internationalen Gewässern abfangen. Doch gilt ihr Nutzen bei mehrfachen Angriffen als begrenzt. Daher empfiehlt Onoderas Gremium der Regierung, „unverzüglich“ über das Raketenabwehrsystem THAAD, wie es die USA in Südkorea installieren, nachzudenken, wie auch über Systeme für einen direkten Gegenangriff.

Ob es jedoch überhaupt möglich sein würde, nordkoreanische Raketenabschussrampen tatsächlich zu zerstören, gilt als fraglich. Nordkorea soll im ganzen Land Abschussrampen haben, noch dazu mobile, die daher schwer auszuschalten sein dürften. Narushige Michishita, Professor am National Graduate Institute for Policy Studies in Tokio, sieht in der möglichen Einführung von Waffensystemen, die zumindest theoretisch nordkoreanische Raketenabschussrampen zerstören könnten, vor allem den Versuch der Abschreckung. Die Machthaber in Nordkorea sowie China könnten dies aber auch als direkte Bedrohung ansehen.

Auch die USA haben am Wochenende auf die jüngsten Raketentests von Kim Jong-Un reagiert. So verlegen die Militärs Kriegsschiffe näher an die geteilte koreanische Halbinsel. Das sagte ein Angehöriger der amerikanischen Streitkräfte dem US-Sender CNN. Dieser Schritt sei eine Reaktion auf die jüngsten „Provokationen“ Nordkoreas. Das US-Pazifikkommando erklärte, der Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ sei am Samstag mit seinen Begleitschiffen in Singapur ausgelaufen und fahre nun in Richtung Norden, um sich im westlichen Pazifik aufzuhalten.

Die größten Flugzeugträger der Welt
USA: USS Carl Vinson
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Die Träger der US-amerikanischen Nimitz-Klasse, wie hier die USS Carl Vinson, waren bisher die größten Kriegsschiffe der Welt. Angetrieben von zwei Atomreaktoren und vier Dampfturbinen, haben sie bis zu 6.300 Mann Besatzung. Das letzte Schiff dieser Klasse kostete 6,3 Milliarden US-Dollar.

Die monatlichen Betriebskosten eines Flugzeugträgers dieser Größe betragen etwa 13 Millionen Dollar. Die Schiffe sind zeitlich nahezu unbegrenzt einsetzbar. Sie sind für eine Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ausgelegt. Zehn Schiffe der Nimitz-Klasse bilden die US-amerikanische Flugzeugträgerflotte. Doch ein neues Schiff aus den USA hat die Nimitz-Klasse mittlerweile überholt ...

Flugzeugträger USS Gerald R. Ford
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Der US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford verlässt im April 2017 den US-Hafen von Newport News für erste Probefahrten. Es ist 333 Meter lang, hat eine Verdrängung von 90.000 Tonnen und bietet Platz für 4.500 Menschen sowie mehr als 75 Flugzeuge.

Russland: Admiral Kusnezow
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Die Admiral Kusnezow ist der einzige Flugzeugträger der russischen Seekriegsflotte und das zurzeit größte Schiff mit dieser Funktion, das nicht in den USA gebaut wurde. Es ist das Typschiff der nach ihr benannten Admiral-Kusnezow-Klasse. Vom Stapel lief das Schiff im Jahr 1985, insgesamt ist es 306 Meter lang und 71 Meter breit.

Indien: Vikramaditya
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Der russische Flugzeugträger „Admiral Gorschkow“ wurde für umgerechnet 2,2 Milliarden Euro von Russland an Indien verkauft. Das Schiff war in Russland bis 2012 entsprechend den Anforderungen der indischen Marine umgebaut worden und 2013 als Vikramaditya in Dienst gestellt. Die Virkamaditya erreichte ihren indischen Heimathafen im Bundesstaat Karnataka im Januar 2014 nach einer sechswöchigen Überfahrt. Das Schiff gehört zur Kiew-Klasse. Die Klasse war bis Mitte der 1990er-Jahre im Dienst der Sowjetunion und der Russischen Föderation.

Frankreich: Charles De Gaulle
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Die Charles de Gaulle verfügt als einziger Flugzeugträger außerhalb der US Navy über einen Nuklearantrieb, sie ist das Flaggschiff der französischen Marine. Der Flugzeugträger ist das größte Schiff der französischen Marine, im Vergleich zu den von den USA eingesetzten Flugzeugträgern allerdings relativ klein. Sie ist 261 Meter lang, knapp 65 Meter breit und 75 Meter hoch.

Bestückt ist sie in der Regel mit 40 Flugzeugen. Bei einer Einsatzdauer von sieben Tagen können maximal 100 Flüge pro Tag absolviert werden.

Italien: Giuseppe Garibaldi
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Das Flagschiff der italienischen Maschine heißt Giuseppe Garibaldi. Es wurde 1979 in Auftrag gegeben und sollte vorwiegend zur U-Boot-Jagd dienen. Das Flugdeck ist 173 Meter lang und 28 Meter breit. Der Start der Flugzeuge erfolgt über eine um 6,5 Grad ansteigende vordere Flugdeckrampe.

Seit Ende 2012 nimmt die Garibaldi Flugzeuge nur noch auf, wenn der Flugzeugträger Cavour nicht verfügbar ist.

China: Liaoning (Admiral-Kusnezow-Klasse)
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Projekt 1143.5, von der Nato als Admiral-Kusnezow-Klasse bezeichnet, ist eine Klasse von Flugzeugträger der Sowjetischen- und Russischen Marine. Der Träger wurde noch im unfertigen Zustand im Jahr 2000 an China verkauft, und dort nach längerer Ausrüstungs- und Modernisierungsphase zwei Jahre später als Liaoning in Dienst gestellt. Sie ist der erste Flugzeugträger der Marine der Volkrepublik.

Die Gesamtkosten sollten bei umgerechnet 2,4 Milliarden US-Dollar liegen, wovon die finale Fertigstellung rund 500 Millionen Dollar ausmachte.

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1 Kommentar zu "Japans Militärpolitik: Nordkoreas Raketentests befeuern die Scharfmacher in Tokio"

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  • Trump wird denen noch zeigen wo der Hammer hängt.

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