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Jeremy Hunt Der neue britische Außenminister ist der Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Johnson

Nach Boris Johnson soll der neue britische Außenminister die Ruhe ins Amt zurückbringen – und endlich wieder Außen- statt Innenpolitik machen.
10.07.2018 - 17:50 Uhr Kommentieren
Gut vernetzt und mit eigenen Ambitionen. Quelle: AP
Jeremy Hunt

Gut vernetzt und mit eigenen Ambitionen.

(Foto: AP)

London Zeit zum Warmlaufen bekommt Jeremy Hunt nicht. Gleich in seiner ersten Woche muss der neue britische Außenminister beim Nato-Gipfel über die Zukunft der Allianz reden und den ersten Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien begleiten. Niemand zweifelt daran, dass Hunt das anständig über die Bühne bringt.

Die Latte für einen Fauxpas liegt dabei ziemlich niedrig, schließlich übernimmt Hunt von dem blonden Sprücheklopfer Boris Johnson, der in seinen zwei Jahren im Außenamt mehr Fettnäpfchen als fremde Länder betrat. In Erinnerung bleibt unter anderem sein geschmackloser Satz über das Tourismuspotenzial Libyens, wenn erst die Leichen von den Stränden weggeräumt wären.

Hunts neue Mitarbeiter sind vor allem froh, endlich einen anderen Chef zu bekommen. Der 51-Jährige ist ein erfahrener politischer Allrounder mit Stehvermögen. Seit 2012 war er Gesundheitsminister, ein Rekord in einem Amt, das als Schleudersitz gilt.

Das staatliche Gesundheitssystem NHS ist den Briten heilig, deshalb sorgt jede Panne für nationale Empörung. Hunt musste jahrelang den Sparkurs rechtfertigen, bis er zuletzt eine 20-Milliarden-Pfund-Finanzspritze verkünden konnte.

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    Klassischer Lebenslauf

    Der zweifache Familienvater, der mit einer Chinesin verheiratet ist, hat einen klassischen Tory-Lebenslauf. Geboren wurde er 1966 in der wohlhabenden Grafschaft Surrey bei London. Sein Vater war Vizeadmiral der Royal Navy. Hunt ging auf eine elitäre Privatschule und studierte in Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft (PPE), den Studiengang, der die meisten britischen Premierminister hervorgebracht hat. Nach der Universität arbeitete er als Unternehmensberater und als Englischlehrer in Japan. Seitdem spricht er fließend Japanisch.

    Er hat auch eine unternehmerische Ader: Nach dem erfolglosen Versuch, Marmelade nach Japan zu exportieren, gründete er 1996 mit einem Studienfreund die Internetfirma Hotcourses. Die Suchmaschine für Studiengänge wurde zum Grundstein eines Onlineimperiums. Der Verkauf seines Anteils im vergangenen Jahr soll Hunt rund 15 Millionen Pfund eingebracht haben. Das macht ihn auf dem Papier zum reichsten Minister in Theresa Mays Kabinett.

    Nach Brexit-Chaos – Das ist der neue britische Außenminister

    Ins Unterhaus zog Hunt erstmals 2005 ein. Unter dem damaligen Oppositionsführer David Cameron stieg er schnell auf. Nach dem Wahlsieg der Konservativen 2010 wurde er Minister für Medien, Kultur und Sport und war unter anderem für die Olympischen Spiele in London 2012 zuständig.

    Damals wäre er beinahe über seine Nähe zu Rupert und James Murdoch gestolpert. Er soll deren Firma News Corp beim Übernahmeversuch des Senders BSkyB unterstützt haben, obwohl er als Minister eigentlich hätte neutral bleiben müssen. Er überstand die Krise ebenso wie viele weitere. „Er hat die Fähigkeit, politische Desaster zu überstehen“, sagte sein früherer Staatssekretär Norman Lamb dem „Guardian“. Darin ähnelt Hunt seiner Chefin Theresa May.

    Zuverlässig, loyal – aber auch ehrgeizig

    Die Premierministerin dürfte Hunt für das wichtige Amt des Außenministers gewählt haben, weil er als zuverlässig und loyal gilt – im Gegensatz zu Johnson, der keine Gelegenheit ausließ, May zu unterminieren. Dabei hat auch Hunt den Ehrgeiz, selbst Regierungschef zu werden. Er pflegt sein Netzwerk in der Partei und bringt sich als Nachfolger in Stellung.

    Allerdings würde er nicht versuchen, May zu stürzen. Auch in den Brexit-Verhandlungen kann die Regierungschefin auf Hunt zählen. Wie sie war er vor dem Referendum ein Remainer, der später ins Brexit-Lager wechselte. Er ist deutlich pragmatischer als Johnson und verteidigt Mays jüngsten Kursschwenk hin zu einem weichen Brexit.

    Die Balance im Kabinett hat sich mit dem Abgang von Johnson und Brexit-Minister David Davis deutlich verschoben, die Hardliner finden sich nun auf den hinteren Bänken wieder. Hunt soll sicherstellen, dass im Außenministerium wieder Außenpolitik statt Innenpolitik gemacht wird.

    Er weiß, was von ihm erwartet wird: „Meine Hauptaufgabe ist es, voll hinter der Premierministerin zu stehen, sodass wir ein Abkommen mit der EU schließen können.“

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