Jeroen Dijsselbloem Der Euro-Erschütterer

Als Euro-Gruppen-Chef hat sich Jeroen Dijsselbloem bisher nicht mit Ruhm bekleckert. In der Zypern-Frage unterliefen ihm schon zwei schwere Patzer. War es ein Fehler, den unerfahrenen Niederländer zum Mr. Euro zu machen?
85 Kommentare

Euro-Chef versetzt Märkte in Aufregung

BerlinKeine Frage: In diesen unsicheren Euro-Zeiten ist ein verlässliches Krisenmanagement gefragt – insbesondere von der Euro-Gruppe. Dort sind die Länder vertreten, deren gemeinsame Währung der Euro ist. Im Kampf gegen die Schuldenkrise ist das Gremium zur wichtigsten Schaltstelle der Währungszone geworden. Was dort besprochen und entschieden wird, hat großes Gewicht und kann, wenn es falsch kommuniziert wird, für große Verunsicherung an den Märkten sorgen.

Ausgerechnet dem Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, ist genau das unterlaufen: In einem Interview mit Reuters und der „Financial Times“ bezeichnete er die Rettung Zyperns als „Blaupause“ für andere Länder. Kämen Banken künftig ins Trudeln, sei die Hilfe der Euro-Partner nicht automatisch garantiert.

Die europäischen Börsen regierten prompt auf die Drohung: Die Indizes rutschten ins Minus, nachdem sie in Folge der Zypern-Rettung noch Gewinne verzeichnet hatten. Dass Dijsselbloem später, nachdem die Kurse abgestürzt waren, zurückruderte, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Der Niederländer begründete seinen Fauxpas gar damit, dass ihm das englische Wort für Blaupause nicht geläufig sei und er deshalb falsch zitiert wurde. „Das englische Wort template kannte ich noch nicht einmal“, sagte er im niederländischen Fernsehen.

Dijsselbloems Entschuldigung ist nur schwer nachvollziehbar, zumal er gegenüber Reuters seine Position unmissverständlich ausführte und er damit, auch ohne das spezielle englische Wort zu kennen, keine Zweifel daran ließ, was Krisenbanken in anderen Euro-Staaten blühen kann, wenn sie nicht selbst ihre Probleme angehen.

Befragt nach möglichen Folgen für Luxemburg oder Malta, deren Bankensektoren ebenfalls extrem groß sind, sagte der Chef der Euro-Gruppe, der auch niederländischer Finanzminister ist: „Das bedeutet: Klärt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt. Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen.“ Krisenbanken müssten damit ebenso wie ihre Heimatländer damit rechnen, in Zukunft „zurückgestoßen“ zu werden. „Ihr müsst Euch damit beschäftigen“, wandte sich Dijsselbloem an Partnerstaaten in der Euro-Zone. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte dagegen stets betont, Zypern sei ein Einzelfall.

Später, als die Märkte längst Wind von den leichtfertigen Aussagen Dijsselbloems bekommen hatten, schob der Niederländer eine knappe Mitteilung nach: „Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen“, heißt es darin. Und: „Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt.“ Experten überzeugte das wenig. Für sie ist mit Dijsselbloems ersten Aussagen die „Büchse der Pandora“ weiter geöffnet worden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Kritik aus der EZB
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Jeroen Dijsselbloem - Der Euro-Erschütterer

85 Kommentare zu "Jeroen Dijsselbloem: Der Euro-Erschütterer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Beteiligung von Eigentümern, Anleihegläubigern und Sparern (genau in dieser Reihenfolge) muss die Blaupause für Bankenschieflagen sein. Spareinlagen kleiner €100,000 können über staatliche Unterstützung ausgenommen werden. Dijsselbloem hat Recht mit seiner Aussage, daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn die Märkte dadurch etwas Achterbahn fahren. Nur bei klarer Zuordnung von Chance und Risiko mit entsprechender Haftung, kann ein nachhaltig tragbares Bankensystem geschaffen werden. Für die Politik bedeutet dies aber auch, dass die Staatschuldenparty vorbei sein muss. Dass Banken kein Eigenkapital für Staatsanleihen hinterlegen müssen, ist nicht tragbar (eigentlich ein Subventionierung von Staatsanleihen und setzt falsche Anreize). Auch politisch motivierten und kreditfinanzierten Immobilienbooms (wie in Spanien, Irland, England) muss von der Bankenaufsicht ein Riegel vorgeschoben werden. Dies ist nun mal kein nachhaltiger Treiber für Wirtschaftswachstum. Insgesamt muss die EU ihr Banksystem schrumpfen. Dieses beträgt heute ca. 350% des EU-BIP, im Vergleich die USA nur ca. 120%.

  • Liebes Handelsblatt & Co., was regt Ihr Euch so auf? Endlich sagt mal ein Eurogruppenchef die Wahrheit und agiert ordnungspolitisch korrekt (womit nun wirklich niemand rechnen konnte). Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wo bitteschön ist das Problem? Gehts noch?


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • http://frankfurter-sparkasse.dynip.name

    Wenn andere dein Konto plündern wollen indem Sie Dinge von Konten abbuchen für die Du keine Erlaubnis unterschrieben hast: § 34 StGB rechtfertigender Notstand! Geld rausholen bevor die § 266 StGB veruntreude Bank es Kriminellen in den Rachen wirft.

    Wer Geld von meinem Griokonto abheben oder abbuchen darf betstimme ich und nicht eigenmächtig die Bank. Es ist unerheblich ob ich mit dem der Geld einziehn will einen Vetrag habe oder nicht. Entscheidend ist hier mein Rechtsverhältnis zu meiner Bank und nicht was die Drückerkollonnen von freenet/alice/vodafone und wie sie alle heißen meinen mit wem sie welche Verträge hätten.

    Bringen Sie mir eine von mir notariell (um Nötigung bei Unterzeichnung auszuschließen - das ist Sinn und Zweck des unabhängigen Notares) unterzeichnete Einzugsermächtigung mit und garantieren sie UNTER EID daß diese nicht widerrufen wurde, dann können sie abbuchen.

    http://img29.imageshack.us/img29/4522/unkonventionellernotruf.jpg

    http://dynip.name/-freenet.jpg

    Der "RECHTSCHREIB-Nazi"!

    http://dynip.name/-oehring.jpg

  • Auf gut deutsch: Dijsselbloems Problem ist, dass er zu ehrlich ist und nicht so dreist lügen kann, wie dieser unerträgliche Vorgänger Juncker, dem bekanntermassen grössten Lügenbeutel der Geschichte.

  • Der Holländer hat wohl nur aus dem Nähkästchen geplaudert..


    Zypern doch kein Einzelfall?

    Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" liegt in Brüssel schon länger ein Gesetzentwurf vor, nachdem Sparvermögen über €100.000 zur Sanierung von Banken genutzt werden sollen.
    "Die Diskussion darüber läuft aber noch, es gibt dazu noch keine Einigung", sagte eine Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Barnier.
    16:07 - Echtzeitnachricht


    Der finnische Ministerpräsident Jyrki Katainen hält die Beteiligung privater Anleger an den Kosten einer Bankenpleite grundsätzlich für eine richtige Idee.

    "Ganz Europa sollte zu einer normalen Marktwirtschaft werden, wobei sowohl Eigentümer als auch Investoren im Falle einer Bankenpleite Verluste hinnehmen müssen", sagte er laut Reuters.
    12:59 - Echtzeitnachricht


    Deutsche Bank -Chefvolkswirt David Folkerts-Landau begrüßt das Vorgehen bei der Zypern-Rettung: "Die Gläubiger von Banken und Staaten müssen herangezogen werden, bevor der europäische Steuerzahler zu Hilfe gerufen wird."
    09:53 - Echtzeitnachricht


  • @netshadow

    Ganz einfach: Alle genannten Kriterien erfüllt Ihre Genossenschaftsbank nebenan. Einfach mal hingehen...

  • "Hardie, das ist heutzutage unmöglich, die richtige Bank auszusuchen !

    Das Geschäft ist so schnelllebig, dass eine Bank, die heute solvent ist, in 3 Monaten ins Straucheln kommen kann, weil irgendein Fond geplatzt ist !"

    Das wäre doch mal eine Aufgabe für die Handelsblattredaktion. Ich möchte z. B. kein Konto bei einer Bank die mit Lebensmitteln spekuliert und auch nicht mit Waffen. Ich möchte eine Bank, die ihren Kunden kennt und kennen will, und auch Kontogebühren zahlen. Arbeit gegen Geld/Gebühr. Ich möchte eine Bank mit qualifizierten Leuten, die eine Bilanz lesen können, sich mit dem Markt vertraut machen und sich regional gut auskennen und wissen was gefragt ist. Mit echten Fachleuten eben, die Geld und Wirtschaft noch zusammen bringen können.
    Es ist schade, das man auf diesem Markt als Verbraucher sich mit einem Ausschlußverfahren begnügen muß, anstatt mit echter Auswahl.
    Könnte doch ein Finanzblatt zur Aufgabe haben, meine ich.

  • Gott sei Dank ist Herr Djisselbloem kein "Euro-Profi" im Sinne des Systems. Er sprcht einfach die Wahrheit, die die Lobby gesteuerten "Euro-Profis" nicht hören wollen. Das von ihm skizzierte Lösen der Bank Probleme im jeweiligen Land würde nämlich erstens beträchtliche Arbeit verursachen und zweitens die bisher durch politischen Einfluss getroffenen massiven Fehlentscheidungen offenbaren. Da ist es doch viel einfacher, zu Lasten der Bürger der Eurozone Geld zu "drucken", also Kredit beim Volk aufzunehmen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%