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Jerome Powell Warum der Fed-Chef seine Zinssenkung verpatzte

Der US-Notenbankchef verunsichert mit seinen Aussagen die Anleger. Doch auch US-Präsident Donald Trump ist noch lange nicht zufrieden.
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Der Fed-Chef kündigte die erste Zinssenkung seit Ende der Finanzkrise an. Quelle: Bloomberg
Jerome Powell

Der Fed-Chef kündigte die erste Zinssenkung seit Ende der Finanzkrise an.

(Foto: Bloomberg)

New York Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Jerome Powell noch viele Fans. Händler und Investoren schätzten die Art des früheren Private-Equity-Managers, sich knapp auszudrücken. Pressekonferenzen waren plötzlich deutlich kürzer als unter seiner Vorgängerin Janet Yellen, die als Ökonomin gerne weit ausholte. Powell dagegen, von Hause aus Jurist und damit seit fast 40 Jahren der erste an der Spitze der US-Notenbank, der kein Volkswirt ist, brachte frischen Wind.

Doch die Euphorie ist längst verflogen, der Chef der Federal Reserve (Fed) gerät wegen seines Kommunikationsstils zunehmend in die Kritik. Powell fasst sich zwar immer noch kurz, doch er neigt zu unklaren, teils widersprüchlichen Aussagen, die immer wieder für Verwirrung sorgen. Seine Pressekonferenz am Mittwoch war dabei keine Ausnahme.

Powell verkündete die erste Zinssenkung seit der Finanzkrise 2008. Der Schritt war lange im Voraus angedeutet worden, und eigentlich sollten die Märkte jubeln, schließlich stärken niedrige Zinsen die ohnehin schon solide US-Wirtschaft. Doch es kam anders. „Anfangs fielen die Reaktionen noch ruhig aus“, sagt Mohamed El-Erian, der ökonomische Chefberater der Allianz.

Doch die Unsicherheit kam mit Powells Pressekonferenz. Die Aktienmärkte brachen ein, der Dollar stieg. Es geschah also genau das Gegenteil dessen, was eigentlich bezweckt werden sollte. Der Notenbankchef hatte wieder einmal mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

Eine Frage der Strategie

Verwirrung stiftete er vor allem bei der Frage nach seiner Strategie. Es sei keine neue Ära von Zinssenkungen zu erwarten, versicherte Powell, schließlich wachse die US-Wirtschaft weiterhin robust. Das heiße jedoch nicht, dass es mit dieser einen Zinssenkung getan sein könnte. Doppeldeutig blieb er auch, als er seine Entscheidung begründete.

Der Schritt sei „eine Art Risikomanagement“, um sich gegen eine schwächer werdende Weltwirtschaft und einen Handelskrieg mit China zu wappnen. Gleichzeitig betonte er aber, dass sich die Fed weiterhin in ihren Entscheidungen von ökonomischen Daten leiten lassen werde. „Powell senkt, überlegt und verwirrt“, titelte Michael Feroli, Amerika-Chefökonom bei JP Morgan, in einer Analyse für seine Kunden.

Obwohl sich die US-Wirtschaft im längsten Aufschwung aller Zeiten befindet, ist die Situation für Powell unübersichtlich. US-Präsident Trump sorgt mit seinem erratischen Verhalten im Handelsstreit mit China für ungewohnte Herausforderungen. „Wir haben nicht viel Erfahrung damit, auf Spannungen im globalen Handel zu reagieren“, räumte Powell ein.

Dann ergänzte der Notenbankchef, der zuvor als Unterstaatssekretär von George W. Bush gearbeitet hatte und 2011 von Trumps Vorgänger Barack Obama in den Rat der Fed berufen wurde: „Mit so etwas mussten wir uns noch nie auseinandersetzen, das ist ,learning by doing‘.“

Einerseits verstärkt Trump seit mehr als einem Jahr den Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken. Andererseits muss Powell aber darauf achten, nicht das Image der Notenbank als politisch unabhängige Institution zu beschädigen. Ist er etwa schon vor dem Präsidenten eingeknickt? „Wir treffen keine geldpolitischen Entscheidungen, nur um zu beweisen, dass wir unabhängig sind“, sagt er. Doch der Druck aus dem Weißen Haus bleibt. „Powell hat uns wie üblich enttäuscht“, twitterte der Präsident. Er hatte sich eine deutlichere Zinssenkung gewünscht – und wird weiterhin dafür Stimmung machen.

Mehr: Jerome Powell hat die erste Zinssenkung seit über zehn Jahren verkündet. Doch diese verfehlt ihre Wirkung. Das liegt auch am Zickzackkurs des Fed-Chefs.

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