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John Bercow „Order, Order, Order!“ – Mr. Speaker will nicht mehr

Der britische Parlamentspräsident John Bercow kündigt seinen Rücktritt an. Die Brexit-Gegner verlieren damit einen wichtigen Verbündeten.
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Parlamentssprecher John Bercow kündigt Rücktritt an

London In der langen Brexit-Saga gab es einen Briten, der weit über die Grenzen des Landes hinaus Berühmtheit erlangte: Parlamentspräsident John Bercow. Mit seinen wortgewandten Erklärungen und unverkennbaren „Order, Order, Order!“-Rufen hat der sogenannte „Speaker“ des Unterhauses mehr als einmal im Parlament für Ordnung gesorgt – und für Lacher.

Doch diese Zeiten sind bald vorüber: Am Montagnachmittag verkündete der 56-Jährige, er wolle sein Amt spätestens am 31. Oktober niederlegen. Er habe seiner Frau und seinen drei Kindern versprochen, dass die laufende Parlamentsperiode seine letzte sei, erklärte er. Deswegen werde er nach zehn Jahren von dem Posten zurücktreten. Sollte das Parlament für vorgezogene Wahlen stimmen, werde er vor Beginn des Wahlkampfs aufhören.

Von den Abgeordneten wurde Bercow mit Applaus verabschiedet. Allerdings fiel der Beifall der Opposition deutlich lauter aus als derjenige der konservativen Regierung. Brexit-Befürworter warfen Bercow immer wieder vor, dass er nicht so unparteiisch sei, wie es seine Rolle verlange. Erst am Vortag hatte die Konservative Partei angekündigt, bei der nächsten Parlamentswahl in Bercows Wahlkreis einen Gegenkandidaten aufzustellen – ein ungewöhnlicher Vorgang, zumal Bercow selbst aus den Reihen der Tory-Partei kommt.

Als er die Wahl zum Parlamentsvorsitzenden gewann, war er, wie üblich, aus der Partei ausgetreten. Doch Bercows Eingeständnis, er habe bei dem EU-Referendum 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt, machte ihn zum erklärten Gegner vieler Brexit-Befürworter. Bercow habe „nicht nur die Regeln gedehnt, er hat sie gebrochen“, warf ihm Ministerin Andrea Leadsom am Montag vor seiner Rücktrittsankündigung vor.

Tatsächlich hatte sich Bercow bei strittigen Entscheidungen immer wieder zugunsten der Brexit-Gegner entschieden. Etwa, als er im Sommer den Brexit-Deal der damaligen Premierministerin Theresa May nicht noch einmal unverändert zur Abstimmung zuließ – unter Berufung auf eine von den meisten vergessene Vorschrift aus dem Jahr 1604. Und als Premier Boris Johnson vor einigen Wochen ankündigte, das Parlament in eine Zwangspause zu schicken, geißelte Bercow das als „verfassungsrechtlichen Skandal“.

Aber auch abseits der Brexit-Debatten war der weißhaarige Brite mit Vorliebe für schrille Krawatten nicht unumstritten. Er sei eitel und höre sich selbst gern sprechen, sagten Kritiker. Bercow sei ein „dummer, scheinheiliger Zwerg“, knurrte einmal der konservative Abgeordnete Simon Burns im Parlament. Zudem gab es vor einigen Jahren Berichte, Bercow behandele seine Mitarbeiter schlecht; Vorwürfe, die er vehement zurückwies.

Der „Speaker“, der von den 650 Abgeordneten gewählt wird, stellt die höchste Autorität im britischen Unterhaus dar, vergleichbar mit dem deutschen Bundestagspräsidenten. Er erteilt das Wort und entscheidet, über welche Gesetzesanträge debattiert und abgestimmt wird.

Ein Posten, der früher nicht ohne Risiko war: Weil der Sprecher die Entscheidungen des Parlaments auch dem Regenten mitteilen musste und dieser nicht immer mit den Abgeordneten übereinstimmte, endeten einige Vorgänger Bercows auf dem Schafott. So kommt es am ersten Arbeitstag eines neuen „Speakers“ auch zu einem eigentümlichen Spektakel: Die Abgeordneten ziehen ihn förmlich mit Gewalt weg von seinem Sitzplatz auf den grünen Abgeordnetenbänken hin zu seinem prächtigen Sitz am Kopfende des Saals, von wo aus er die Debatten leitet.

Doch da diese Zeiten vorbei sind, gibt es nun einige Briten, die sich für Bercows Posten interessieren. Unter anderem zählen sein Vize Lindsay Hoyle und Harriet Harman, die dienstälteste Abgeordnete, zu den potenziellen Kandidaten.

Mehr: Die aktuellen Entwicklungen im Brexit-Drama im Newsblog.

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