Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

John Bolton Trumps Kriegsflüsterer war seinem Ziel noch nie so nah wie jetzt

John Bolton hat lange für einen Krieg gegen den Iran geworben. Er will einen Regimewechsel erzwingen. Der US-Sicherheitsberater lauert auf die nächste Chance.
Update: 23.06.2019 - 09:49 Uhr 1 Kommentar
Der US-Sicherheitsberater ist seinem Ziel nahe wie nie. Quelle: AP
John Bolton

Der US-Sicherheitsberater ist seinem Ziel nahe wie nie.

(Foto: AP)

Berlin John Bolton erlaubt sich keine Zweifel, kein Zaudern und kein Zögern. Er weiß genau, was zu tun ist, seit Jahren schon. Im März 2015 brachte er es zu Papier: „Um Irans Bombe zu stoppen, bombardiert Iran“, überschrieb er einen Gastbeitrag in der „New York Times“.

Damals standen die internationalen Verhandlungen über das Atomabkommen mit Teheran kurz vor dem Abschluss, im Weißen Haus regierte Barack Obama, und Bolton rechnete mit dem Schlimmsten. „Der Ansatz von Präsident Obama hat eine schlechte Situation an den Rand einer Katastrophe geführt“, wetterte er.

Was Bolton damals beschrieb, ist jetzt eingetreten. Der Nahe Osten steht tatsächlich am Rande einer Katastrophe, es droht ein neuer Golfkrieg. Der Ölpreis steigt, Angst greift um sich, treibt ihn an. Dass es so weit kommen konnte, ist allerdings nicht die Folge von Obamas Diplomatie, wie Bolton vor Jahren behauptete, sondern Resultat der Konfrontationspolitik, die sie auf Boltons Rat hin ersetzt hat. Als Sicherheitsberater von Obamas Nachfolger Donald Trump hat Bolton die USA auf einen Kurs geführt, der dem Iran letztlich nur zwei Optionen lässt: Kapitulation oder Krieg.

Nachdem die USA aus dem Atomabkommen ausgestiegen waren, folgten eine Wirtschaftsblockade und der Aufbau einer Drohkulisse – samt Verlegung eines Flugzeugträgers in den Persischen Golf. Von einer „unmissverständlichen Botschaft an das iranische Regime“, sprach Bolton. Sie lautet: Tut, was Washington verlangt, sonst drohen Feuer und Zorn.

Bolton hätte kein Problem damit, Amerika in einen neuen Krieg zu stürzen. Präsident Trump hingegen schon. Im letzten Moment – die Kampfjets waren schon in der Luft, die Kriegsschiffe in Position – hat er einen Bombenangriff auf den Iran abgeblasen. Bolton, Außenminister Mike Pompeo und die übrigen Vergeltungsschlags-Souffleure im Weißen Haus hatten die Attacke empfohlen. Als Antwort auf den Abschuss einer unbemannten US-Aufklärungsdrohne durch den Iran. Doch Trump bekam, was Bolton niemals zulassen würde: Zweifel.

Der Präsident ist aus einem anderen Holz geschnitzt als sein Sicherheitsberater, ist hin- und hergerissen zwischen seinen militaristischen Impulsen und seinem isolationistischen Instinkt. Zwischen dem Wunsch, stark zu erscheinen, und dem Willen, die USA aus teuren Kampfeinsätzen in fernen Ländern herauszuhalten.

Trump verfolgt keine Strategie, Bolton schon

Auch wenn Boltons Angriffsplan gestoppt wurde, als Option bleibt er bestehen. Das machte er am Sonntag bei einem Besuch in Jerusalem deutlich: Iran solle „die US-Vorsicht und Besonnenheit nicht als Schwäche missverstehen“, sagte Bolton. Trumps Ton hingegen fiel am Wochenende mild aus. „Ich will keinen Krieg“, sagte der Präsident. Trump, so scheint es, beschwört Konflikte herauf, um sie dann zu scheuen. Er hat erkennbar keinen Plan, verfolgt keine Strategie. Ganz anders Bolton: Schon in der Regierung von George W. Bush, der er zuerst als Spitzenbeamter im Außenministerium und später als Uno-Botschafter diente, stach Bolton als Hardliner hervor.

Optisch könnte man den 70-Jährigen für einen Elder Statesman halten: grauer Scheitel, weißer Walrossschnauzer. Doch hinter der biederen Fassade brodelt es. Es gab noch keinen Krieg, den Bolton nicht führen wollte, hieß es mal in Washington. In den Obama-Jahren, als Bolton – durch sein Treiben in der Bush-Administration diskreditiert – nur noch auf dem Rechtsaußensender „Fox News“ eine Plattform fand, war das noch zum Lachen. Jetzt ist es bitterer Ernst. Die US-Sanktionen haben den Iran in die Enge getrieben und die Machtdynamik in Teheran verändert. Moderate haben an Einfluss verloren, die Hardliner sind am Drücker. So wie in Washington. Das macht die Lage so gefährlich.

Bolton war es, der vergangene Woche bei den Beratungen im Oval Office am vehementesten Vergeltung forderte. Gewalt ist für ihn nicht Ultima Ratio, sondern probates Mittel zur Lösung internationaler Konflikte – insbesondere im Umgang mit Regimen, die er zuvor als Schurkenstaaten gebrandmarkt hat. Und davon gibt es einige.

Bolton plädiert dafür, Militäreinsätze zu erwägen, um der Revolte in Venezuela auf die Sprünge zu helfen. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, sagt er. Auch Nordkorea würde er lieber heute als morgen angreifen lassen. Von Trumps Verhandlungen mit Kim Jong Un hält er nichts, von einem Überraschungsschlag auf Kims Raketenbasen, Giftgasdepots und Artilleriestellungen dafür sehr viel.

Und der Iran hat sich für Bolton zur besonderen Obsession entwickelt. Seit fast 20 Jahren wirbt er für einen Regimewechsel in Teheran. 2016 kassierte er 40.000 Dollar für eine Rede, die er vor US-Vertretern der Volksmudschaheddin hielt, einer militanten iranischen Oppositionsgruppe, die in Europa und den USA lange als Terrororganisation gelistet war. „Das Regime in Teheran muss so schnell wie möglich gestürzt werden!“, rief Bolton in den Saal.

Nie war er seinem Ziel so nah wie jetzt – auch wenn Trump zögert.

„Wenn man in die Regierung geht, ist einem klar, dass man nicht immer gewinnt“, sagte Bolton kürzlich dem „New Yorker“. Da tut es gut, sich nach zermürbenden Debatten im Oval Office an die eigenen Erfolge zu erinnern. Bolton hat sich das Dekret, mit dem Trump vor einem Jahr den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran veranlasste, rahmen lassen und in sein Büro gehängt. Wie die Trophäe eines Jägers. Jetzt lauert er auf die nächste Chance.

Mehr: Eine abgeschossene US-Drohne sowie ein in letzter Minute gestoppter Militärschlag: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran droht zu eskalieren.

Startseite

Mehr zu: John Bolton - Trumps Kriegsflüsterer war seinem Ziel noch nie so nah wie jetzt

1 Kommentar zu "John Bolton: Trumps Kriegsflüsterer war seinem Ziel noch nie so nah wie jetzt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn Bolton Oberhand bekommt (was ich nicht glaube) kommen die USA der Klassifizierung als Schurkenstaat so nahe wie nie zuvor!

Serviceangebote