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John Kelly Der Rückzug von Trumps Stabschef ist nicht wie jeder andere

US-Präsident Donald Trump verabschiedet seinen wichtigsten Mann: Stabschef John Kelly geht. Die Führungsebene des Weißen Hauses liegt in Trümmern.
09.12.2018 - 08:38 Uhr Kommentieren
Der Stabschef des Weißen Hauses hatte für Ordnung in der Trump-Regierung gesorgt. Quelle: dpa
Stabschef Kelly geht

Der Stabschef des Weißen Hauses hatte für Ordnung in der Trump-Regierung gesorgt.

(Foto: dpa)

Washington Im Rückblick ist es fast ein Wunder, dass John Kelly, Stabschef im Weißen Haus, es so lange auf seinem Posten hielt. Laut des Enthüllungsbuchs „Fire and Fury“ soll der Chef-Organisator in der Regierungszentrale über Donald Trump gesagt haben: „Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos, zu versuchen, ihn von irgendwas zu überzeugen. Er ist durchgedreht. Wir sind im Ort der Verrückten. Das ist der schlimmste Job, den ich jemals hatte.“

Am Wochenende wurde schließlich bekannt, was viele Beobachter seit Monaten erwartet hatten. Zum Ende des Jahres wird der 68-Jährige das Weiße Haus verlassen. „John Kelly wird gehen“, bestätige Trump am Samstag. „Ich weiß nicht, ob man wirklich sagen kann, dass er in Rente geht. Aber er ist ein großartiger Kerl. Er wird zum Ende des Jahres aufhören.“

Kelly und Trump: vor Mitarbeitern angebrüllt

Das sind milde Worte im Vergleich zu dem, was in den vergangenen Wochen aus dem Weißen Haus sickerte. Demnach sollen sich Trumps Sicherheitsberater und Kelly vor mehreren Mitarbeitern angebrüllt haben, schrieben US-Medien im Oktober. In den letzten Tagen wechselten Trump und Kelly angeblich kein Wort mehr miteinander, so groß soll das Zerwürfnis sein.

Kellys Rückzug reiht sich ein in einer Serie von Rücktritten und Entlassungen in der US-Regierung, die unter Trump einen ungewöhnlich hohen Verschleiß an Personal verkraften muss. Um nur einige, prominente Namen zu nennen: Im November entließ Trump seinen Justizminister Jeff Sessions. Im Herbst kündigte UN-Botschafterin Nikki Haley an, von ihrem Posten zurücktreten zu wollen. Ihre Nachfolgerin, die frühere Fox-Kommentatorin Heather Nauert, wird im neuen Jahr den wichtigen Posten übernehmen.

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    Im Sommer musste der Chef der Umweltschutzbehörde, Scott Pruitt, nach einem Skandal um mutmaßliche Geldverschwendung zurücktreten. Im Frühjahr wurde Kriegsveteranen-Minister David Shulkin, der Millionen mit fragwürdigen Flügen verpulvert haben soll, entlassen. Ebenfalls im Frühjahr ersetzte Trump seinen nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster mit dem Hardliner John Bolton. Zuvor feuerte er Außenminister Rex Tillerson und installierte den bisherigen CIA-Direktor Mike Pompeo. Am Wochenende trat Trump in der Personalie Tillerson nach und beschimpfte den früheren Exxon-Chef als „faul“ und „dumm wie Brot“.

    Beinahe könnte man sich an ständige Veränderungen im Regierungsapparat gewöhnen – so häufig sind sie unter Trump geworden. Doch John Kellys Rückzug ist kein Abgang wie jeder andere, sondern er zementiert eine Entwicklung, die für Trump gefährlich werden könnte.

    Kellys Abschied zeigt, wie marode der Rückhalt für Trump geworden ist – selbst unter den loyalsten Mitarbeitern, die täglich mit dem Präsidenten zusammenarbeiten. Kelly galt als zentrale Figur im engsten Führungszirkel, die Trumps Impulse und Entgleisungen einhegen sollten. Damit ist der frühere General offensichtlich gescheitert.

    Kellys Autorität Schritt für Schritt untergraben

    Als Kelly seinen Vorgänger Reince Priebus 2017 als Stabschef ablöste, herrschte er mit eiserner Faust, drosselte etwa den Zugang von Außenstehenden zum Oval Office. Doch sein Status wurde zunehmend untergraben. Wie US-Medien wie CNN und die New York Times beschreiben, begann Trump schnell, viele Richtlinien und Protokolle zu umgehen.

    Parallel musste Kelly eine Kontroverse nach der anderen abfangen. Als Trump sich nach rassistischer Gewalt in der Kleinstadt Charlottesville nicht eindeutig positionieren wollte, kam es zum ersten großen Krach. In diesem Jahr ließ die Trump-Regierung Tausende Kinder an der mexikanischen Grenze getrennt von ihren Eltern unterbringen. Mitarbeiter im Weißen Haus waren von der Affäre entsetzt.

    Mehr als einmal wurde Kelly öffentlich lächerlich gemacht. Als er mit sauertöpfischem Gesicht in Trumps Gefolge beim Nato-Gipfel fotografiert wurde, erklärte Sarah Sanders, die Sprecherin des Weißen Hauses, kurzerhand: „Er war enttäuscht, dass kein ordentliches Frühstück serviert wurde.“ Kelly soll außerdem als Zeuge in der sogenannten Russland-Affäre vernommen worden sein. Im Zuge der Ermittlungen gerieten zuletzt Michael Cohen, Trumps früherer Anwalt, und Paul Manafort, Trumps Ex-Kampagnenchef, unter Druck.

    Auf der Liste für mögliche weitere Entlassungen oder Rücktritte steht die Heimatschutz-Ministerin Kirstjen Nielsen, von der Trump eine härtere Hand im Grenzschutz erwartet. Verteidigungsminister James Mattis und Innenminister Ryan Zinke sollen ebenfalls bei Trump in Ungnade gefallen sein.

    Kellys Nachfolge steht bislang nicht fest. Nick Ayers, der Stabschef von Vizepräsident Mike Pence, gilt als Top-Anwärter für den Posten, Trump kündigte eine endgültige Entscheidung in den kommenden Tagen an. Aus seiner Partei schlug Trump rare und unverblümte Kritik entgegen. Der scheidende Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, der Republikaner Paul Ryan, sagte: „John Kelly stand für Ordnung, Klarheit und Vernunft. Er tat das, was oft ein undankbarer Job war. Dafür hat er meine ewige Dankbarkeit.“

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