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Journalist Richard Gutjahr in Nizza „Die Panik begann mit den Schüssen“

Der Journalist Richard Gutjahr ist auf einer Reise in Nizza und filmte den Anschlag aus nächster Nähe. Im Interview spricht er über seine Erlebnisse und wie es zu dem Blutbad kam.

Erschreckende Handyvideos aus Nizza

Herr Gutjahr, wie haben Sie die Nacht verbracht?
Ich bin gerade im Hotel Westminster, wenige Meter vom Tatort entfernt. Die Polizei hat das gesamte Gelände abgesperrt, niemand kommt herein oder heraus.

Wo waren Sie zum Zeitpunkt des Anschlags?
Ich war direkt an der Anschlagsstelle und habe gefilmt, wie der Lkw auf die Menschenmenge zufährt. Den ganzen Nachmittag herrschte Volksfeststimmung auf der Promenade, ähnlich wie beim Public Viewing während der Europameisterschaft. Die Menschen beobachteten die Polizei- und Militärparade und später die Düsenjets, die anlässlich des Nationalfeiertags eine Flugshow präsentierten. Die Atmosphäre war ausgelassen. Um 22.15 Uhr begann das Feuerwerk, für eine Dreiviertelstunde. Danach ging die Party los. Zu diesem Zeitpunkt waren noch viele Familien und viele Kinder auf der Straße. Musikbands haben gespielt.

Sie haben den Lkw gefilmt, schon bevor Menschen zu Schaden kamen. Weshalb?
Als der Fahrer des Lkw auf die Menschen zusteuerte, war das eigenartig. Ich weiß nicht, warum ich die Kamera ausgepackt habe, das war ein Instinkt. Dann kam der Motorradfahrer, der versuchte, das Fahrzeug aufzuhalten. Da fuhr der Lkw noch Schrittgeschwindigkeit oder höchstens 30 km/h. Der Motorradfahrer fuhr sehr schnell und versuchte, während der Fahrt ins Fahrerhaus einzudringen, stürzte aber und wurde dabei überrollt, wie auch im Video zu sehen ist. Dann reagierten zwei Polizisten, die daneben standen.

„Szenen des Horrors“
Polizisten in der Nähe des Anschlagsortes
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Nach dem Anschlag im südfranzösischen Nizza ist die Zahl der Todesopfer auf 84 gestiegen. 18 weitere Menschen seien schwer verletzt, erklärte das französische Innenministerium am Freitagmorgen. Zudem gebe es rund 50 Leichtverletzte. Das US-Außenministerium bestätigte mittlerweile, dass zwei Amerikaner unter den Getöteten sind.

(Foto: AP)
Vermisste Deutsche
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Das Auswärtige Amt schließt nicht aus, dass auch Deutsche unter den Opfern von Nizza sind. Ein Team des Generalkonsulats Marseille sei auf dem Weg nach Nizza, um vor Ort die Lage weiter aufzuklären und gegebenenfalls betroffenen Deutschen Hilfe und Beistand zu leisten, sagt eine Sprecherin. Zwei Schülerinnen und eine Lehrerin einer Berliner Schule werden vermisst, wie ein Lehrer der Paula-Fürst-Schule sagte. Schon in der Nacht habe die Schule in Frankreich eine Vermisstenanzeige aufgegeben.

(Foto: dpa)
Der Lastwagen, mit dem der Anschlag begangen wurde
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Ein Mann war am Donnerstagabend während eines Feuerwerks zum französischen Nationalfeiertag auf der Strandpromenade von Nizza mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Er gab auch Schüsse mit einer Pistole ab, bevor er von Polizisten erschossen wurde. Bei dem Täter handelt es sich laut Polizeikreisen um einen 31-jährigen in Tunesien geborenen Franko-Tunesier. Er sei der Polizei wegen allgemeiner Vergehen bekannt gewesen. Im Visier der Geheimdienste habe er aber nicht gestanden.

(Foto: Reuters)
Uferpromenade nach dem Anschlag
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Es sei der blanke Horror gewesen, sagen Augenzeugen. „Die Leute sind umgefallen wie Kegel“, sagte ein Mann dem Sender „France Info“.

(Foto: Reuters)
Einsatzkräfte nach dem Anschlag
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Kurz vor der Attacke hatte es an der berühmten Strandpromenade von Nizza anlässlich des französischen Nationalfeiertags ein Feuerwerk gegeben. 30.000 Menschen waren gekommen.

(Foto: AFP)
Soldaten und Polizisten an der Promenade
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Videoaufnahmen zeigten Chaos und Panik. Verängstigte Menschen rannten auf der „Promenade des Anglais“ um ihr Leben. Auf dem Asphalt lagen Leichen, Verletzte bluteten oder hatten verbogene Gliedmaßen. Éric Ciotti, Präsident des Départementrats von Alpes-Maritimes, sprach von „Szenen des Horrors“.

(Foto: AFP)
Schockierte Überlebende des Angriffs
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Der Lastwagen sei über den Bürgersteig gerast und habe „mehrere hundert Leute niedergemäht“, bevor ihn die Polizei gestoppt habe, sagte der französische Politiker Eric Ciotti. Im Lastwagen seien später Schusswaffen und Granaten gefunden worden, erklärte Bürgermeister Christian Estrosi.

(Foto: dpa)

Wie?
Sie eröffneten das Feuer, mit sehr gezielten Schüssen auf die Fahrerkabine des Lkw. Danach begann der Zick-Zack-Kurs des Fahrers, bis er an der nächsten Straßenecke zum Stehen kam. Erst nach den Schüssen der beiden Polizisten begann das Blutbad. Dann waren wieder Schüsse zu hören, 15 bis 20 Sekunden lang, in schneller Abfolge. Da bin ich in Deckung gegangen.

Wann war Ihnen klar, dass es sich um einen Anschlag handelt?
Erst mit dem Schusswechsel. Vorher habe ich noch gerätselt, ob der Fahrer vielleicht betrunken ist. Auch die Panik begann mit den Schüssen. Menschen flüchteten in nahegelegene Häusereingänge und Hotellobbys.

„Die Straße war gesäumt mit Polizisten“

Wie haben sich die Einsatzkräfte verhalten?
Die Straße war wegen der Feierlichkeiten schon vorher gesäumt und gespickt mit Polizisten. Medienberichte, wonach zu wenige Einsatzkräfte vor Ort gewesen wären, kann ich nicht bestätigen. Nachdem der Lkw zum Stehen kam, wurden wir gebeten, ins Hotel zu gehen. Dort habe ich das weitere Geschehen vom Balkon im ersten Stock aus weiterverfolgt.

Wurden Sie darüber informiert, was passiert war?
Nein. Die Einsatzkräfte hatten genug damit zu tun, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Was genau passiert ist, habe ich erst aus dem Internet erfahren.

Sie sind viel in den sozialen Medien vertreten. Haben Sie die Geschehnisse dort auch verfolgt?
Ich wollte vermeiden, dass ich unbedacht Fotos oder Videos poste, und habe deshalb auf die sozialen Netzwerke verzichtet. Das Material, das ich gesammelt habe, habe ich inzwischen verschiedenen Redaktionen zukommen lassen, die das mit Abstand und Professionalität verwerten. Nur ein Foto habe ich zu Dokumentationszwecken über mein Twitter-Profil geteilt.

Wie geht es nun für Sie weiter?
Die Touristen dürfen nach und nach abreisen, aber es gibt noch Probleme etwa wegen Fahrzeugen, die noch im Absperrgebiet geparkt sind und deshalb nicht bewegt werden können. Viele brechen ihren Urlaub ab. Einige haben auch gar nicht genau mitbekommen, was passiert ist. Auf der Straße ist es menschenleer, außer den Behörden ist niemand mehr auf der Promenade.

Herr Gutjahr, vielen dank für das Gespräch.

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