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Jugendkrawalle Der Kapitalismus frisst seine Kinder

Das Spiel der Märkte kann Wohlstand schaffen, aber keinen Ersatz für fehlende Werte. Jetzt schaut eine verunsicherte junge Generation auf eine Gesellschaft ohne Vision und stellt die Frage nach der Zukunft. Ein Essay.
23.08.2011 - 13:00 Uhr 29 Kommentare
Machtprobe: Ein Polizist hält einen Demonstranten gegen den Papstbesuch in Spanien auf Quelle: dapd

Machtprobe: Ein Polizist hält einen Demonstranten gegen den Papstbesuch in Spanien auf

(Foto: dapd)

Unversöhnlich standen sie sich beim Papstbesuch in Spanien gegenüber: Auf der einen Seite mehr als eine Million junge Gläubige, die in der Besinnung auf die Religion nach einem Sinn für ihr Leben suchen, den ihnen die moderne Konsumgesellschaft nicht mehr bieten kann. Auf der anderen Seite zum Teil hasserfüllte Demonstranten, die nicht begreifen können, warum Steuergelder ausgegeben werden für ein kirchliches Event wie den Weltjugendtag, dessen Sinn und Wert mit wissenschaftlichen und ökonomischen Kriterien nicht messbar ist.

Wie in einem Brennglas zeigt sich hier das Dilemma der jungen Generation Europas. Viele sind auf der Suche nach Projekten, für die es sich lohnt, sich zu engagieren. Doch in den materialistischen Gesellschaften fehlen die Vorbilder und die Werte, der politische Betrieb kreist nur noch um sich selbst. Wenn dann angesichts galoppierender Jugendarbeitslosigkeit auch noch der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt, explodiert das Pulverfass.

Die Politik hat es versäumt, der Wirtschaftsordnung eine gleichwertige Gesellschaftsordnung gegenüberzusetzen. Jahrelang hat sie gedankenlos das Primat der Ökonomie akzeptiert, weil die entfesselten Marktkräfte ja lange Zeit den Wohlstand brachten, der die Massen begeisterte und die Wiederwahl sicherte. War früher Religion Opium für das Volk, war nun Konsum Crack für die Massen.

Doch mit jeder ökonomischen Krise wird es offensichtlicher, dass Wohlstand langfristig nur Mittel zum Zweck sein kann und nicht das Ziel einer Gesellschaft. Der britische Bestsellerautor Terry Eagleton bringt es in seinem Buch „Der Sinn des Lebens“ auf den Punkt: „Was nun den Reichtum betrifft, so leben wir in einer Kultur, die fromm bestreitet, dass Reichtum ein Endzweck sei, ihn in der Praxis aber so behandelt.“ Und er fügt spöttisch hinzu: „Es ist schon erstaunlich, dass die materielle Organisation des Lebens im einundzwanzigsten Jahrhundert genau so im Mittelpunkt steht, wie in der Steinzeit.“

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    29 Kommentare zu "Jugendkrawalle: Der Kapitalismus frisst seine Kinder"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sie sollten noch ergänzen, dass es hauptsächlich die Politiker der CDU und FDP waren, die alle menschlichen Werte auf dem Alter des Kapitalismus geopfert haben.
      Und neoliberale Kampfblätter wie das Handelsblatt hat sie dabei kräftig unterstützt.

    • Immer noch lesenswert: George Soros "The capitalist threat".

    • Die größenwahnsinnige Verschuldung der Politiker raubt unserer Generation die Zukunft.

      Schulden über Schulden
      Das dt. Bildungssystem wird von Hewrr Schäuble ausgeraubt und die eingesparten Mrd. transferiert er dann in die Dolce Vita-Staaten.

      Danke Herr Schäuble, dass sie das dt. Bildungssystem aushungern wollen
      Danke Frau Merkel, dass sie allle Schulden von Europa sammeln udn wie sollen sie dann zurückzahlen.

      Hier begeht man Raubmord an unserer Zukunft
      und raubt uns jede Perspektive, weil wir später machen können war wir wollen. Uns bleibt nur der Schuldenberg, den wir für sie zurück zahlen dürfen.

      Hitler hat der nachwachsenden Generation ein zerbombtes Land hinterlassen

      Frau Merkel und Herr Schäuble, sie hinterlassen uns ein fanaztechnisch ausgeplündertes Land.

    • Ich würde Ihnen fast recht geben. Wenn nicht in der gleichen HB-Online die Verdrehung der Werte stattfinden würde. Leider lese ich hier immer wieder Artikel, die wahrscheinlich von den entsprechenden Ministerien in Berlin geschrieben wurden und kritiklos abgedruckt werden. Da liest man von Jobwunder. Von Arbeitslosenzahlen unter 3 Millionen. Von sprudelnden Steuereinnahmen, obwohl die Neuverschuldung stetig steigt. Dass die Euro-Rettung wichtiger ist, als einmal auch mal an die eigene Bevölkerung zu denken. Dass die Banken mit Milliarden von Steuergeldern gerettet werden müssen und sich zum Dank die Banker die Bonis erhöhen dürfen. All dieses Gutheißen, Totschweigen und Verschleiern der Realität trägt Mitschuld am Werteverfall der nachfolgenden Generationen. Es ist wie in der DDR. Alle wissen, dass die Realität ganz anders aussieht. Doch in den Nachrichten wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Immer schön Obrigkeitshörig. Artikel, die mal den Finger in die Wunde legen, sind leider zu selten.

    • Herr Egal,ich meine Engländer und keine Hottentotten.
      Wenn die englischen Kapitalisten genauso scharf auf
      arme Schlucker sind die aus Gegenden kommen wo noch kleine Kinder gefressen werden,und die aus Profitgründen ins Land holen ist das ihre Sache.

    • Sie sollten sich besser informieren Enrico Krönert, es war nicht der der Mob der die „Hexen“ brennen liess, es war die herrschende Geistlichkeit, die Kirche. Und es war nicht vor 600 Jahren. Aber auch zu jener Zeit waren Moral und Ethik Worte die von der herrschenden Klasse eher weniger gelebt wurden.

    • Was macht Ihr eigentlich, wenn Ihr nicht grad mal die Weltverschwörung für eure Unzufriedenheit verantwortlich macht? Politiker, Bänker, Medien, Konsumgesellschaft... Vor 600 Jahren hat der unzufriedene Mob Hexen verbrannt. Jetzt brennen Autos und Vorstädte.

    • Natürlich sind die Gefahren des Materialismus nicht erst seit heute bekannt. Schon vor fast 2 000 Jahren erklärte die Bibel: „Die aber, die entschlossen sind, reich zu werden, fallen in Versuchung und in eine Schlinge und in viele unsinnige und schädliche Begierden, die die Menschen in Vernichtung und Verderben stürzen. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten, und indem einige dieser Liebe nachstrebten, sind sie vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst mit vielen Schmerzen überall durchbohrt“ (1. Timotheus 6:9, 10).

    • Du sagst es: schöne NeueWeltOrdnung. Das ist alles so gewollt, damit die Massen besser reguliert und in Schach gehalten und manipuliert werden können.

      Der Mensch soll am Ende so frustriert und kraftlos sein, dass er mit der Glotze abends zufrieden ist und sich wünscht, nichts mehr sehen und nichts mehr zu hören und nichts mehr zu denken.

      Ich fahre jeden Tag mit Öffentlichen zur Arbeit: haben die Leute früher in ihre Zeitungen geschaut war es doch ab und zu noch möglich, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Nachdem jeder die Ohrstöpsel drinne hat (ob 60 oder 16) und viereckige Schaukästen mit sich rumträgt ist persönlicher Austausch nahezu unmöglich geworden. Der mensch füttert sich mit Nachrichten und mit Bildern und mit dem, was die Medien ihm als wichtig und nachahmenswert vorsetzen und am Ende geht die Denke der Medien in die Eigen-Denke über - sehr gefährlich.

      Es liegt an jedem selbst, das nicht zuzulassen und kritisch zu hinterfragen, WAS die gewünschte Wirkung bei alldem sein soll. Wenn von Medien zu Prominenten erkorene No-Names Millionen bei einer Hochzeit einnehmen, nur weil dieses Ereignis im Fernsehen übertragen wird, dann sind die Konsumenten solcher Reality-Shows mitschuldig, dass die Dummen weiter verdummt werden.

      Weiteres hierzu unter

      www.sieleben.wordpress.com

    • Erich Fromm hat in seinem Buch "Haben und Sein" treffend den Widerspruch in unserer Seele beschrieben. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele Menschen, die sich einen Beruf gesucht haben, in der viel Geld zu verdienen ist. Letztendlich sind sie aber immer unzufriedener, weil sie merken, daß ihr Lebensglück verrinnt. Wenn eine ganze Gesellschaft dem falschen Ziel, dem Geld hinterherrennt, ist das wie das Spiel von Hase und Igel. Der Hase sind wir, der Igel das Geld.

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