Julia Gillard Australiens Frau an der Spitze droht der politische Tod

Julia Gillards Tage an der Spitze der australischen Regierung sind gezählt: Die Laborpartei verliert immer mehr Ansehen bei ihren Wählern. Nur Gillards Vorgänger könnte das noch ändern. Schon spricht man von „Putsch“.
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CanberraJulia Gillard, die erste weibliche Premierministerin Australiens, gehört zu den unbeliebtesten Regierungsvorsitzenden in der Geschichte des Landes. Das bestätigen neuste Meinungsumfragen. Die konservative Oppositionskoalition steht in der Wählergunst zwar schon länger an der Spitze. Zum ersten Mal aber zeigte sich diese Woche, dass der Souverän lieber Oppositionsführer Tony Abbott als Premierminister haben würde, als die 51-jährige ehemalige Gewerkschaftsjuristin.

Abbott und Gillard hegen eine tiefe Abscheu für einander. Sie teilen aber eines: Als Persönlichkeiten sie sind im Wahlvolk unbeliebt. Bisher war Abbott jedoch noch weniger populär als Gillard. Das hat sich nun geändert – und die Laborpartei ist in Panik. Mit Gillard an der Spitze würde die Regierungspartei bei den Wahlen am 14. September nicht nur garantiert verlieren, sondern in geradezu katastrophalem Ausmaß. Einige – vorerst noch anonyme - Stimmen in Labor-Kreisen meinen, ein „Putsch“ gegen die Premierministerin und Parteivorsitzende sei nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen. Ihr Vorgänger Kevin Rudd streitet bisher ab, er habe Ambitionen für das höchste Amt. Viele Beobachter in Canberra glauben aber, dass er einen Anlauf vorbereitet.

Ein Wiedereinsetzung Rudds als Parteivorsitzender und damit Premierminister wäre für alle Beteiligten eine spektakuläre Schicksalswende. Gillard – einst seine vermeintlich loyale Stellvertreterin - hatte im Juni 2010 völlig überraschend den amtierenden Rudd abgelöst. Zuvor hatte er in Meinungsumfragen stark an Beliebtheit verloren. Der Grund war eine aggressive Öffentlichkeitskampagne der Rohstoffindustrie gegen ihn. Rudd hatte die Einführung einer Steuer auf hohe Gewinne aus der Ausbeutung von Ressourcen geplant. Damit sollte die australische Öffentlichkeit stärker vom größten Rohstoffboom der Geschichte profitieren können.

Kaum im Amt einigte sich Gillard mit Unternehmen wie BHP Billiton, Rio Tinto und Xstrata auf eine Miniatur-Version der Steuer. Rudd wurde Außenminister in der Gillard-Regierung. Doch seit seiner Abwahl zeigen Umfragen, dass er unter den Wählern nicht nur Favorit als Premierminister wäre, sondern dass Labor mit ihm an der Spitze die Konservativen vielleicht besiegen könnte. Derzeit würden 61 Prozent der Befragten Rudd als Premierminister bevorzugen, und nur 36 Prozent Gillard. Vor einem Jahr forderte Rudd die Amtsinhaberin heraus, wurde aber von der Labor-Hierarchie abgeschmettert. Er trat vom Amt des Außenministers zurück und verdingte sich seither als gewöhnlicher Parlamentarier.

Auch hinter Abbotts Rücken lauert ein Herausforderer
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