Juncker „Es ist nicht gut, wie Deutschland über die Griechen spricht“

Der Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker glaubt an eine Rettung Griechenlands. Im Interview spricht er über das neue Rettungspaket für Athen, die Möglichkeit einer harten Umschuldung und die Sorgen der Deutschen.
  • Albrecht Meier und Antje Sirleschtov
62 Kommentare
Jean-Claude Juncker: "Es wird sehr schwer werden für die Griechen." Quelle: Reuters

Jean-Claude Juncker: "Es wird sehr schwer werden für die Griechen."

(Foto: Reuters)

Herr Premierminister, zum zweiten Mal muss Europa Griechenland mit einem milliardenschweren Hilfspaket retten. Wird Griechenland das Geld jemals zurückzahlen können?

Dies wird ein extrem schwieriger Prozess für die Griechen werden. Aber ich muss feststellen, dass die Griechen ganz erhebliche Bemühungen bei der Konsolidierung des Haushalts erbracht haben. Sie haben sich jetzt bereit erklärt, bis Ende des Jahres noch einmal Maßnahmen in Höhe von drei Prozent des griechischen Bruttosozialproduktes zur Haushaltskonsolidierung vorzunehmen. Auf Deutschland übertragen, würde das bedeuten, dass in sechs Monaten dieses Jahres 125 Milliarden Euro eingespart werden.

Das werden die Griechen tun. Die Griechen sind einverstanden, ein sehr ambitioniertes Privatisierungsprogramm auf den Weg zu bringen. Hinzu kommen eine Menge Strukturreformen, damit sich das Wachstumspotenzial Griechenlands auf Dauer nach oben bewegt. Deshalb denke ich, dass die Perspektiven Griechenlands nicht so abgrundtief dunkel sind, wie sie oft beschrieben werden. Aber ich möchte überhaupt nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass dieser Prozess einfach für Griechenland sei. Er wird für die Griechen sehr schwierig werden.

Vertrauen Sie darauf, dass die Griechen das schaffen werden?

Ja. Aber ich betone: Es wird nicht im Handumdrehen machbar sein.

Wäre nicht eine harte Umschuldung nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ besser für Europa und auch für Griechenland?

Das sehe ich nicht so. Wenn man jetzt einen harten Schuldenschnitt machen würde, hätte dies eine Ansteckungsgefahr für viele Staaten in Europa mit unabsehbaren Konsequenzen zur Folge. Wir verfügen über keinerlei empirische Erfahrungen darüber, was es hieße, wenn sich ein Mitglied einer Währungsunion, wie es sie weltweit nur einmal gibt, zu einem solchen Schritt entschließen würde. Ich halte die Risiken für so hoch, dass ich vor einem solchen Schritt nur warnen kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel macht die Zusage zu einem zweiten Hilfspaket für Griechenland von einer Beteiligung privater Gläubiger abhängig. Ist diese Forderung in Europa mehrheitsfähig?

Das hängt davon ab, wie man das im Detail ausgestaltet. Es gibt in der Euro-Zone eine wachsende Zustimmung für eine grundsätzliche Beteiligung der privaten Gläubiger. Man kann über die Beteiligung der Privatgläubiger reden. Das tun wir zurzeit, die Gespräche werden am Sonntagabend und am Montagvormittag fortgesetzt. Aber es gibt gewisse rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen: Es darf nicht zu einem Kreditausfall und einer weiteren Absenkung der Bonität Griechenlands kommen. Die Beteiligung muss freiwillig sein. Und es muss alles vermieden werden, was mit einer Ansteckungsgefahr für andere verbunden wäre.

"Ich finde es nicht gut, wie die Deutschland über die Griechen spricht"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Juncker - „Es ist nicht gut, wie Deutschland über die Griechen spricht“

62 Kommentare zu "Juncker: „Es ist nicht gut, wie Deutschland über die Griechen spricht“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Keine Frage: Die Worte von Herrn Junker haben bei uns Gewicht. Hinsichtlich der Kritik an der deutschen Griechenschelte sollte jedoch berücksichtigt werden, dass
    die Griechen bereits zum Eintritt in die Währungsunion
    die eigene Handelsbilanz geschönt haben. Wenn man deutsche Unternehmen befragt so wird deutlich: das ist
    leider keine Einzelfall - sondern hat System!

  • Wo war Herr Juncker, als die europäischen Staaten sich überschuldet haben? Dieser Vorgang ist zunächst einmal ein Versagen der europäischen Institutionen, zu denen Herr Juncker gehört. Statt kluge Ratschläge zu geben und über Geld zu verfügen, das ihm nicht gehört, sollte er sich entschuldigen und erklären, wie er persönlich so etwas in Zukunft verhindern will.

  • Der Sozialimus ist die zwangsläufige Folge der geldgesteuerten Marktwirtschaft (wie Prof. Hankel den "Kapitalismus" sehr treffend nannte). Marx hat dies mit seiner Vorhersage des tendenziellen Fallens der Profitrate (Profit = Erlös - Kosten) als notwendige Folge vorhergesagt. Jetzt ist in vielen Wirtschaftbereichen die Profitrate sogar negativ, d.h. der Preis der Nachfrage und der Preis des Angebots einer Leistung klaffen soweit auseinander, dass sozusagen ein unternehmerisches Handel(n) nur mit Verlust stattfindet bzw. eben ganz ausbleibt und z.B. Millionen Arbeitslose statt für 3 Euro zu arbeiten, sich für 4 Euro regelmäßig vom Amt schickanieren lassen.

    Die Lücke zwischen beiden Preisen wurde ein paar Jahrzehnte durch von vornherein absehbar ungedeckte Kredite überbrückt und der Systemwiderspruch so kaschiert. Da der Zusammenbruch der Miss-kreditpyramide nun unmittelbar bevorsteht, sollte man sich endlich wieder des grundlegenden Systemwiderspruchs annehmen.

    Wie wir gerade live miterleben, führt dieser eben zwangsläufig zum Sozialimus oder wie ist es sonst zu erklären, dass Politiker wie Schäuble, die jahrzehntelang für Marktwirtschaft und gegen den Sozialimus gekämpft haben, selbigen nun einführen müssen?

    Das eigentliche Problem ist allerdings dabei, dass ein nur verordneter Sozialismus nie funktioniert, wie der Ostblock hinreichend bewies. D.h. es gilt den Sozialismus mit Freiheit und Marktwirtschaft zu verbinden. Wie genau ist noch offen. Vielleicht wird es dadurch gelingen, dass wir Menschen in der Dichte und gegenseitigen Verflechtung, in der wir mittlerweile zusammenleben, erkennen, dass wir eine für die heutige Realität irreale Vorstellung von Gewinn haben und deshalb die falschen Prioritäten in unserem individuell ökonomischen Handeln setzen. Wenn wir das als Gewinn erkennen würden, was unter heutigen Bedingungen auch tatsächlich Gewinn ist, statt archaischen Trieben des größer und mehr zu folgen, könnte sich vieles in Wohlgefallen auflösen.

  • Herr Juncker, wäre es nicht an der Zeit, dass auch Sie als Chef der Euro-Gruppe Verantwortung übernehmen? Wo waren Sie mit Ihren guten Ratschlägen in den letzten 10 Jahren als sich Verschuldung, Blasen und Divergenzen in Euroland aufbauten? Inwieweit ist ihre Urteilskraft als Regierungschef eines Landes der fleischgewordenen Finanzindustrie, das im Vergleich zu realen Werten insbesondere den Realwerten der erbrachten Finanzdienstleistungen wie kein anderes Profiteur des entgrenzt wuchernden globalen Finanzbetrugssystems ist, getrübt?

    Recht haben Sie sicherlich, das sich Deutsche, die meinen eine moralische Bewertung über andere Völker abgeben zu können, sich deutlich überheben. Sie schaden nebenbei sogar der Sache, nämlich dem berechtigten Wunsch das Verheizen deutscher Steuern und Spareinlagen durch eine unfähige, ignorante und verantwortungslosen europäischen Finanzaristokratie, zu der auch Sie gehören, zu verhindern. Denn umgekehrt ist Deutschland als Land der Sparer Nettogläubiger und hat folglich legitime und durch echte Leistungen erwirtschaftete statt durch betrügerische Finanztransaktionen herbeiphantasierte Interessen. Seien Sie froh, dass es solche deutschen Hohlköpfe gibt, denn solange fällt es Ihnen leichter die mehr als angebrachte sachliche Kritik an der (selbst-)betrügerischen GR-Insolvenzverschleppung zu diskreditieren.

    Ich war mal für den Euro und bin es im Prinzip immer noch. Aber solange Ignoranten wie Sie, die glauben ökonomische Gesetze mit (Selbst-)betrug ausser Kraft setzen zu können, Verantwortung haben, sehe ich keinen anderen Ausweg als die DM wieder einzuführen und werde all meine -als Bürger bescheidene- Kraft dafür einsetzen, dieses Ziel zu erreichen! Das ist sicher Wahnsinn, aber im Vergleich zu dem Wahnsinn, den Sie aufziehen und der in der Zerrüttung ganz Europas enden muss, ein Spaziergang. Ich wünsche Ihnen, dass Sie persönlich die Früchte Ihrer Arbeit überrreichlich kosten dürfen und müssen.

  • Herr Junker, Sie und Ihr Land sind doch große "Schmarotzer
    der EU!

  • Es ist ein altes Märchen des Beamtenadels, eine Reduktion der Staatsausgaben führe zwangsläufig zu einem konjunkturellen Rückgang.
    Das mag für ein paar Monate oder in einer Depression so sein, sonst aber nicht.
    Da die Bevölkerung mit Geld wesentlich effizienter, flexibler; verantwortungsbewusster und intelligenter umgeht als der Beamtenadel, muss es das Ziel sein, ihr mehr Geld zu lassen und die überhöhte Staatsquote von über 50% auf unter 40% zu reduzieren.
    Dies würde mit Gewissheit zu einer erheblichen Steigerung der verfügbaren Einkommen UND zu einem Anstieg der Unternehmensgewinne führen.
    Aber solange die Deutschen Angst haben, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, werden sie für die zügellose Schuldenreiterei ihrer selbstgefälligen Beamten mit Einkommens- und Vermögenseinbussen teuer bezahlen müssen.
    Der Kaiser hat nicht nur keine Kleider an, sondern der Beamtenstaat hat sich selbst mutwillig in die Pleite manövriert.

  • Handelsblatt:
    "Auf Deutschland übertragen, würde das bedeuten, dass in sechs Monaten dieses Jahres 125 Milliarden Euro eingespart werden".

    Das gleiche hat Schäuble Wort für Wort Samstag vor einer Woche erklärt. Doch wenn man diese Milchrechnung unbedingt aufmachen will, muss man auch erklären, dass alleine die 220 Mrd. Euro aus den beiden Rettunspaketen dann - auc die Population von Deutschland übertragen - eine Kredithöhe von 1,65 Billionen Euro bedeuten.

    Und dabei ist die Wirtschaftskraft noch gänzlich unberücksichtigt, geschweige denn gesagt, womit Hellas das jemals zurückzahlen soll: 2008 importierten die Griechen Waren von 93 Millarden Euro - exportierten gleichzeitig jedoch nur für 30 Milliarden Euro.

    Laut Harvard-Professor Kenneth Rogoff käme es zur Revolte deutscher Steuerzahler gegen die Forderungen von EU und IWF, würden diese Institutionen nicht bewusst utopische Strategien für die Rückzahlung von Hilfsgeldern entwerfen. Am Ende finanziere Deutschland Europa "auf alle Ewigkeit".

    Wider jeder Empirik sei, dass sich verschuldete Staaten für mehr als einige Jahre höhere Nettozahlungen für Kredite ans Ausland gefallen lassen. Dies hätten Untersuchungen über die Schuldenkrise der 80er-Jahre gezeigt, so Rogoff. Der Plan von EU und IWF sieht jedoch offiziell zehn bis 20 Jahre vor.

    Im Endspiel der Schuldenkrise werden Griechen, Iren und Portugiesen sich weigern, jahrelang für französische und deutsche Banken zu sparen. Dem Euro drohe daher ohne Fiskalunion das Ende. Der Topökonom glaubt übrigens auch, der IWF läuft längst Gefahr, durch die PIGS als Dauertropf ins Kalkül gezogen zu werden.

  • Die Politiker sind das größte Problem in diesem System,
    allen voran die Volksschädlinge Merkel und Schäuble.
    Danach die komplett Gurkentruppe aus dem deutschen Parlament. (Es gibt nur ganz ganz wenige Ausnahmen)

  • Woher zum Teufel habt ihr den Irrglauben, dass wir gegen Euch sind? Aus der Bildzeitung? Aus N24 die ständig den Chef der Bild zu besuch haben? Verallgemeinerung weil ihr ein Foto gesehen habt oder ein Opa auf der Straße interviewt wurde der was gegen die deutschen hat? von einer Aussage eines Politikers der für die Misere mitverantwortlich ist?`Woher?

    Probleme haben wir mit den Politikern, auch mit Euren. Was tun die denn für Euch? Ihr werdet genauso auf den Arm genommen wie wir. Unterschied ist, dass es in Deutschland ein "geordnetes Bescheissen" ist während bei uns jeder macht was er will. Solche Schreiber wie der Realist zählen 5 Fakten auf und haben ihre Meinung über die Griechen schon gefestigt. Wissen sie überhaupt was für Gewinnspannen für dt. Apotheker gelten? Ich bekomme in GR die gleiche Aspirin von Bayer und zwar die starke Version für 1/3 des Preises wie sie hier verkauft wird.

    Nochmal, wir haben kein Problem mit Euch aber wie schon jemand hier geschrieben hat, ihr seid anscheinend für Propaganda jeglicher Art immer noch sehr empfänglich.

    Ihr interessiert uns genauso sehr wie wir Euch. Wir führen unseren Kampf, gegen uns selbst, gegen unsere Politiker. Wir sind nicht einmal auf die Strasse gegangen und haben gerufen "ihr deutsche, ihr Europäer gebt uns Geld" Wir Normalbürger GR fragen, wo ist das Geld? Was ist mit dem Geld passiert? Warum werden die Verantwortlichen nicht herangezogen? Der 9.000€ Pförtner ist eine Sauerei, aber ihr würdet natürlich ein solches Gehalt ablehnen wenn es euch geboten werden würdet.....Kommt runter, seid nicht so selbstverliebt und Arrogant. Ich gebe auf Trichet und jedes Trichets Meinung nix, gar nix. Das sind Standardaussagen um sich beliebt zu machen....ALLE wussten, was bei uns los war bevor wir den Euro bekamen und alle haben die Augen zugemacht. Jetzt sind sie alle Retter und Moralapostel. Wacht auf, wir das GR-Volk sind nicht Euer Problem und ihr nicht unser

  • Alles Worthülsen !

    Solange der Beamtenadel die Märkte nicht davon überzeugt, dass er seine Speckwülste abtrainiert und in der EU mindestens 2 Mio. überflüssige Beamte dauerhaft freisetzt, wird er seine Glaubwürdigkeit nicht zurückerlangen können.

    Bis dahin bleibt alles, was von diesen Herrschaften verkündet wird, nichts als Geschwätz von Bankrotteuren.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%