Justizdrama in China „Wann hört der Wahnsinn auf?“

Auch nach 127 Tagen Gefängnis darf Nils Jennrich Peking nicht verlassen. Der Kunstspediteur wurde von Konkurrenten in einen Schmuggel-Prozess verwickelt, der von Willkür, Korruption und Widersprüchen geprägt ist.
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Das Abenteuer China hat sich für den deutschen Manager Nils Jennrich zum Albtraum mit kafkaesken Zügen entwickelt. Quelle: Frank Sieren

Das Abenteuer China hat sich für den deutschen Manager Nils Jennrich zum Albtraum mit kafkaesken Zügen entwickelt.

(Foto: Frank Sieren)

PekingDie Freude war unbeschreiblich groß, als Nils Jennrich am 3. August vergangenen Jahres nach 127 Tagen unter unvorstellbaren Bedingungen aus dem Untersuchungsgefängnis der Stadt Peking entlassen wurde. Doch inzwischen, sechs Monate später, ist „meine Freude über die Entlassung“, so Jennrich, „in eine Mischung aus Hoffnungslosigkeit, Angst und Verzweiflung übergegangen“.

Jeden Tag kann Jennrich aufs neue verhaftet werden in einem Verfahren, das von politischer Willkür bestimmt wird. Der 32-jährige Kunstspediteur soll Kunst geschmuggelt haben. Jennrich hingegen ist von seiner völligen Unschuld überzeugt. Doch das hilft ihm wenig. Da die chinesische Rechtspraxis undurchschaubar ist, kann jeder deutsche Manager jederzeit in eine solch aussichtslose Lage kommen. Darüber sollten sich Mittelständler, die in China investieren im Klaren sein.

Das Handelsblatt hatte exklusiv über seine schlimmen Haftbedingungen berichtet und damit ein großes Medienecho ausgelöst. Aufgrund dieses öffentlichen Drucks hatte Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sich Ende Juni bei dem chinesischen Justizminister Song Dahan während eines Treffens in München für Jennrichs Freilassung eingesetzt. Daraufhin bekam der Zoll einen Anruf, Jennrich auf Kaution freizulassen. Doch auch seitdem haben der chinesische Zoll und die Justiz vor allem durch haarsträubende Willkür geglänzt.

Jennrich wird noch immer vorgeworfen, als General Manager der Pekinger Filiale der deutschen Kunstspedition Integrated Fine Arts Solutions IFAS) mit Niederlassungen in Peking, Shanghai und Hong Kong Kunstwerke für den Im- und Export unterdeklariert und so Steuern hinterzogen zu haben. Es geht um eine Summe von umgerechnet 2,23 Millionen Euro in 27 Fällen, die Jennrich und drei seiner chinesischen Mitarbeiter unterschlagen haben sollen.

Allerdings wirft ihm bisher niemand vor, einen finanziellen Vorteil daraus gehabt zu haben. Er habe nur die Formulare weitergegeben, die seine Kunden ausgefüllt und unterschrieben hätten, kontert Jennrich: „Ich kann den Wert eines Kunstwerks nicht einschätzen und das ist als Spediteur auch weder meine Aufgabe noch meine Verantwortung.“ Die meisten vom Zoll inzwischen beanstandeten Sendungen wurden zudem bereits beim Import einer Zollinspektion unterzogen.

Sämtliche Unterlagen wurden geprüft, berichtet Jennrich, und die Kisten mit den Kunstwerken im Beisein des Zolls geöffnet. „Niemand hat die Sendungen beanstandet“, so Jennrich. „Ich bin weiterhin von meiner Unschuld überzeugt und habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen.“

Der chinesische Zoll sieht das anders. Der Deutsche darf die Stadt nicht verlassen. Wirkliche Beweise dafür, dass Jennrich Kunst geschmuggelt haben soll, liegen bisher keine vor. Anklage wurde noch immer nicht erhoben.

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10 Kommentare zu "Justizdrama in China: „Wann hört der Wahnsinn auf?“"

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  • hier geht es meiner meinung nach nicht um das gesicht verlieren, jedenfalls nicht bei den eigentlichen verursachern. nur diejenigen offiziellen, welche wenigstens neutral diese sache betrachten denken dabei eher an das "gesicht verlieren" und werden nicht in eigener initiative tätig. diejenigen offiziellen, welche in diese angelegenheit verstrickt sind, denen geht es um handfeste wirtschaftliche interressen, das "gesicht verlieren" steht für diesen personenkreis nur im vordergrund. man sollte mal hier die "richtlinien der vr china über die absorption von fremdinvestiertem kapital" veröffentlichen, und genau zwischen den zeilen lesen, dann erhält man viele antworten auf nochmehr fragen...wie gesagt, ich war mal selbst betroffen, habe jedoch die richtige entscheidung getroffen... und eine chinesin geheiratet.:)

  • Das ist der beste Rat, den man ihm geben kann. Auf eine andere Lösung kann er nicht hoffen, weil "man" sonst das Gesicht verlieren würde. Zumindest wenn man den Fall liest und die Mentalität kennt. Aufklären im westlichen Sinne wird sich da garnichts.

  • als selbst betroffener weiss ich nur zu gut: seine konkurrenten haben die besseren connections, er hat zu wenig schmiergeld bezahlt, er hat keine chance, da heil raus zu kommen, und alle hoffen, daß er das land verläßt, damit dann alles unter den teppich gekehrt werden kann. am allermeisten die zuständigen behörden. also mein rat: mach dich dünne, sonst hat deine qual kein ende.

  • Die Sache ist doch, dass die Praxis in China so aussah: Gemälde wurden temporär eingeführt und anschließend in Hong Kong versteigert. Wollte nun ein Chinese das Bild nach Peking transportieren musste er es verzollen (6 Prozent Luxussteuer + 17 Prozen Mehrwertsteuer). Nun war es wohl Praxis, dass die Auktionshäuser falsche Rechnungen mit niedrigeren Preisen ausstellten und die Transporteure die akzeptiert haben. Die Sache ist doch, dass die Transporteure genau wussten was auf den zumeist öffentlichen Auktionen tatsächlich gezahlt wurde!!! In Deutschland würde ich dann genauso wegen Beihilfe haften!!! Was meinen sie denn warum die schweizer Banken sich nicht damit rausreden können, ich wusste nich warum die Leute Stiftungen gegründet haben???

  • so ein bisschen bemitleide ich den Mann. Ich denke, dass wenn Herr Jennrich oder wenn er nicht etwas falsch gemacht, dies niemals ans Tageslicht kommen wird. Dafür ist einfach zu viel Zeit vergangen, die chinesische Staatsanwalt und Zoll zu lahm un zu korrupt. Die einzige Hoffnung für Herr Jennrich ist die deutsche Botschaft.

    Eventuell sollte die deutsche Bundesregierung erwägen die steuerliche Absetzbarkeit von Bestechungsgelder extra nur für Geschäfte mit PR China wieder einzuführen - Und dies auch ganz klar der "Partei" zu kommunizieren.

  • Ein sehr tendenziöser Artikel. Da geht es dem Verfasser ganz offensichtlich nicht um unabhängige Berichterstattung, sondern um Parteinahme.

    Wenn der Herr ein Chinese (oder sonst irgend jemand) wäre, gegen den die Justiz in Deutschland wegen vergleichbarer Vorwürfe ermitteln würde, würde er sehr ähnlich behandelt werden, wahrscheinlich wäre er sogar immer noch in U-Haft.

  • Tja, wohl eines der vielen Ablenkungsmaneuver, dem die politisch korrekten Medianer oft sogar in vorauseilendem Gehorsam, den Auftraegen der Politdarsteller gerne zuvorkommen! das hier ist ein typisches Beispiel! Nicht mal China auf dem Globus finden, aber darueber berichten! Nein, ihr habt nicht alle die Gabe von Karl May!

  • Mich würde eigentlich eher inteessieren, wie es mit dem Justiz-Wahnsinn zu Hause aussieht. Gibt es z.B.neue Entwicklungen im Fall Mollath. Nein? Tja, wenn die Staats-Führung erst mal involviert ist....

    Die "Mollathisierung" (Entmündigung) von Leuten wurde durch eine Gesetz-Änderung kürzlich leichter gemacht - ohne große Berichte in den Systemmedien (die waren wohl alle in Peking recherchieren).

    Warum in die Ferne schweifen? Das Un-Gute liegt so nah.
    Und ist wesentlich brisanter für die Leute hier.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Herr Siren, der Wahnsinn hoert auf, wenn ihr nicht die Tatsachen verdreht!

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