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Kabinett von Theresa May Reichlich verwegen – und äußerst solide

Mit der Ernennung von Boris Johnson als Außenminister wertet die neue Premierministerin Theresa May dieses Amt ab. Mit dem neuen Finanzminister geht sie dagegen keine Risiken ein. Eine Analyse.
33 Kommentare

Queen ernennt Theresa May zur Premierministerin

Es ist vielleicht eine besondere Art Humor, ausgerechnet Boris Johnson zum neuen britischen Außenminister zu machen. Das gibt dem ehemaligen Londoner Bürgermeister und Wortführer der Brexit-Befürworter die Gelegenheit, dem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier seinen Vergleich zwischen Adolf Hitler und der EU mal genauer zu erklären. Im Wahlkampf vor dem britischen Referendum erklärte Johnson, die Einflussnahme der Staatengemeinschaft sei so ähnlich wie Hitlers kontinentale Machtansprüche.

Doch das ist nicht das einzige, was an der Wahl der neuen Premierministerin Theresa May verwegen und eher merkwürdig daherkommt. Es passt auf den ersten Blick einfach nicht zusammen, dass Johnson, einer der wohl talentiertesten Populisten des Landes, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, jetzt Top-Diplomat wird. Das wertet das Amt des Außenministers zu einem gewissen Grad ab.

Ja, Johnson ist auch studierter Alt-Philologe und ein Produkt britischer Elite-Institutionen wie Eton und Oxford. Er zitiert gern Ovid, kann gleichzeitig auch in der Provinz jeden Briten mit einfachen und humorvollen Worten um den Finger wickeln. Aber kann dieser Mann, den Großbritanniens Ex-Premier John Major mal einen Hofnarren nannte, wirklich außenpolitische Konflikte richtig einschätzen und dabei eine schwierige Vermittlerrolle einnehmen? Zweifel sind mehr als angebracht.

Am Mittwochabend, nur kurze Zeit nach ihrer offiziellen Ernennung zur neuen britischen Premierministerin durch die Queen, hat Theresa May wichtige Positionen in ihrem Kabinett besetzt. Sie hat für eine austarierte Mischung zwischen Europabefürwortern und Skeptikern gesorgt. Ein geschickter Schachzug, denn damit holt sie die Kämpfer für einen Brexit, die teilweise mit unrealistischen Vorstellungen und Versprechen im Wahlkampf auftraten, in die Verantwortung.

May selbst war für den Status quo. Mit Vertretern des anderen Lagers in ihrem Regierungsteam stellt sie auch Kritiker ruhig, die befürchteten, sie könnte zu viele Gleichgesinnte ins Kabinett holen und ihr Versprechen, den Brexit in Gang zu setzen und so den Willen von 52 Prozent der Briten umzusetzen, am Ende doch durch die Hintertür auszuhebeln versuchen.

Boris Johnson hatte ursprünglich selbst Ambitionen auf das Amt des Premierministers. Kritiker werfen ihm vor, dass er sich nur aus politischem Opportunismus auf die Seite der Brexit-Befürworter geschlagen hat – in der Hoffnung, nach dem Referendum ins höchste Regierungsamt zu kommen und David Cameron abzulösen. Bei EU-freundlichen Briten gilt Johnson, der Blondschopf mit den schlecht sitzenden Anzügen, daher als unglaubwürdig. Nach dem Brexit-Votum kandidierte er allerdings doch nicht als Premier, nachdem ihn sein Mitstreiter Michael Gove ausgebootet hatte.

Johnsons politische Karriere hielten Beobachter daher für beendet. Doch jetzt kommt sein Comeback. Von Johnson abgesehen ging May bei anderen Posten keine Risiken ein.

„Spreadsheet Phil“ ist neuer Finanzminister
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33 Kommentare zu "Kabinett von Theresa May: Reichlich verwegen – und äußerst solide"

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  • Nochmal zu Theresa May:

    Scheint 'ne kluge Frau zu sein.

    Weil ihr anscheindend tatsächlich nicht an "Parteienklüngel", sondern an der Einbindung des gesamten Spektrums der Bevölkerung ihres Landes gelegen ist.

    Noch besser wär's natürlich, gleich die ganze Bevölkerung selbst einzubinden.

    Aber: Immer schön langsam mit den jungen Pferden.

    Gut Ding will eben Weile haben.

    Gerade wenn es um solche ebenso hochkomplexen wie - falls sie sich durchsetzen sollten, was dringend zu hoffen ist, durchaus revolutionären "Jahrhundertprojekte" der Menschheit geht (jaja, ich weiß, viele halten mich wahrscheinlich für komplett bescheuert; egal, das ist nun mal meine Überzeugung, also, sei's drum, kann ich mit leben).

  • Innerhalb der EU fehlt doch nur noch daß wenn man sich an der Mangelhafte EU-Arbeit Kritik äußert, man dann Zuhause abgeholt wird und man dafür eingesperrt wird !

  • Demokratie innerhalb der EU ?

    Demokratie innerhalb der EU heißt doch nur daß man wählen gehen soll...

    damit die wenig für Europa einbringende Politiker ihren Einkommen gesichert haben !

  • Bordelle klingt gut . In Deutschland sind sie aber sauber . Bio Bordelle eben .

  • Das Abstimmungsergebniss in Großbritannien für einen Austritt aus der EU hat ja die Demokratiefeinde in Deutschland aufgeschreckt, dass heißt, beinahe die gesamte Politische Klasse hierzulande, plus der unterwürfigen Presse und Medien.
    Immerhin zeigte und zeigt sie so für einen Moment ihr wahres Gesicht und sagen was sie wirklich denken.
    Unter Strich heißt das: Ein politisches System oder Verfahren ist nur dann gut, wenn es unsere Macht und unsere Ideologie stützt.
    Der eigentliche Sinn von Demokratie, auch neue Inhalte wählen zu können und andere zu verwerfen ist zugunsten der Meinungsdiktatur gewichen.
    Sollte unsere Freiheit erhalten bleiben und die deutsche Nation nicht komplett verblöden, wird die politische Philosophie dereinst das demokratische Bewußtsein unserer heutigen Politiker auf dem Niveau dreckiger Bordelle ansiedeln dürfen.

  • BREXIT MUSS EIN ERFOLG WERDEN !

    Damit weitere NOCH EU MITGLIEDSSTAATEN AUCH AUSSTEIGEN und sich an England anschließen !


  • Zinssenkung in England ist fatal falsch !

    England muß das Kapital in Europa zu sich ziehen und in Industrie investieren !

    DANN WIRD ENGLAND IN DER ZUKUNFT ERFOLGREICHER ALS DIE EU SEIN bei der bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa !

    Die EU versteht es nicht INVESTITIONEN IN NEUE EUROPÄISCHE ARBEITSPLÄTZEN ZU BETÄTIGEN !

  • In der EU ist genug KAPITAL unterwegs !

    WENN BREXIT...dann dieses KAPITAL EINSAMMELN UND IN NEUE INDUSTRIEN NACH ENGLAND ABHOLEN !


  • DEUTSCHLAN hat es zu spät aber immer hin verstanden die Bundeswehr Aufnahme für andere EU-Mitglieder zu erweitern !

    GROßES LOB DAFÜR !

    NUR...warum versteht es Deutschland und die Europäische Union versteht es nicht ?

  • Für die EU gibt es nur entweder erzielen wollen daß der Ttip ein Erfolg wird...

    ODER DANN...

    eine zusammenarbeit zwischen EU und Eurasische Union !

    Für BEIDES GEHT ES NICHT !

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