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Kai-Fu Lee im Interview „Europa könnte leer ausgehen“ – chinesischer Investor warnt vor KI-Rückstand

Der frühere Präsident von Google China, Kai-Fu Lee, warnt die Europäer davor, Chancen bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz zu verpassen.
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Der chinesische Investor Kai-Fu Lee, ehemals Präsident von Google China, ist Autor des Buchs „AI Superpower“.
Kai-Fu Lee

Der chinesische Investor Kai-Fu Lee, ehemals Präsident von Google China, ist Autor des Buchs „AI Superpower“.

Half Moon BayDas edle Ritz Carlton in Half Moon Bay Anfang November. Kai-Fu Lee ist aus China angereist, um auf der „Techonomy-Konferenz“ zu sprechen. Er ist Autor des Buchs „AI Superpowers“.

Die Supermächte China und USA kämpfen um die Dominanz bei künstlicher Intelligenz. Wo steht Europa?
Europa sollte klar sein, dass es sich aus dem KI-Wettbewerb verabschiedet, indem es so eine hohe Priorität auf Privatsphäre legt. Wäre der Wettlauf um künstliche Intelligenz die Olympischen Spiele, dann hätte Europa einen Anspruch auf den dritten Platz gehabt, hinter den USA auf Platz Eins und China. Aber der aktuelle Trend sieht so aus, dass es nur zwei Medaillen im KI-Wettkampf geben könnte. Europa könnte leer ausgehen.

Alibaba, Baidu oder Tencent greifen stärker auf Daten zu als westliche Firmen. Peking fördert die Industrie. Ist es richtig, technologischen Vorsprung mit laxem Datenschutz und staatlicher Kontrolle zu erkaufen?
Europa sollte sich bewusst sein, dass es den KI-Firmen große Lasten auferlegt, wenn es das Daten-Sammeln gesetzlich erschwert. China hat eine größere Bevölkerung, aber die Nutzung geht auch sehr viel weiter. In China gibt es einfach mehr Daten. Und mit mehr Daten funktioniert KI besser.

Welche Rolle spielt Chinas Kultur?
Wir haben keine Kreditkarten. Alle mobilen Bezahldaten werden von Tencent und Alibaba gesammelt. Nur wenn ich in die USA komme, brauche ich Bargeld und Kreditkarten. In China gehen die Menschen auch nicht mehr in Restaurants, das Essen kommt über Lieferdienste zu ihnen. Das Prinzip kann man für alle anderen Lebensbereiche replizieren. Die Chinesen sind extrem begierig auf digitale Services, vor allem auf ihren Mobilgeräten.

Inzwischen kopieren US-Firmen chinesische Dienste. Facebook oder WhatsApp ähneln immer mehr WeChat, der beliebten chinesischen Plattform.
WeChat ist in China das Portal zu allem, auch für mich. 50 Prozent meiner Zeit auf dem Handy verbringe ich bei WeChat. Es ist meine Geldbörse, mein Bezahldienst, mein Strom- und Energieversorger. Ich zahle dort meine Telefonrechnung, kaufe meine Flugtickets, miete ein Auto, bestelle Essen. Es ist ein Portal, dass alles sammelt.

Ganz schön viel Macht für eine Plattform. Sorgt Sie das nicht?
Ich gebe meine Daten heute an WeChat, ich tausche es gegen die Bequemlichkeit des Dienstes ein. Doch die meisten Amerikaner tun das Gleiche mit Google und Facebook.

Verliert der Westen den Vorsprung bei der Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz?
Noch liegen die USA vorn. China führt noch nicht, aber es holt schnell auf, bei der Zahl der Nutzer, der Zahl der Anwendungen, dem Geld, das mit KI-Services verdient wird. Wenn es so weiter geht, wird China führen.

Blicken wir in die Zukunft. Wie stark verändert die Automatisierung die chinesische Wirtschaft?
Nicht mehr als die USA. Man könnte denken, dass China stärker betroffen ist, wegen des verarbeitenden Gewerbes. Aber Produktion und Herstellung zu automatisieren, ist unglaublich schwer. Die Roboter-Horden in den Industriehallen sind nur eine Fantasie. Die Roboter, die wir haben, sind immer noch sehr teuer und können nur für einen bestimmten Zweck verwendet werden. Sich vorzustellen, dass sie überall sein werden, ist vorschnell. Man kann einen Roboter nicht dazu bringen, ein iPhone zu bauen. Vielleicht in 20 Jahren.

Welche Jobs fallen in China als erstes weg?
Die Büro-Jobs. Alles, was man braucht, ist Cloud-Software. Kundenservice, Callcenter und Buchhaltung werden zuerst wegautomatisiert. Danach folgt das Finanz- und Bankenwesen und alle Bereiche, die bereits stark digitalisiert sind, wo viel Daten digital vorliegen. Natürlich ist China davon ebenfalls betroffen, aber nicht mehr als die USA oder Europa. Die Löhne in den USA und Europa sind höher. Das schafft für die Firmen einen höheren Anreiz, die Belegschaft zu reduzieren.

Die Fragen stellte Britta Weddeling.

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