Kampf der Sanktionen EU verlängert Strafmaßnahmen gegen Krim

Die andauernde Wirtschaftskrise in Russland könnte einer Studie zufolge europaweit eine siebenstellige Zahl an Arbeitsplätzen kosten. Die EU-Sanktionen werden dennoch verlängert. Auch Russland erneuert Importverbote.
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Die EU hat Sanktionen gegen die von Russland annektierte Krim verlängert. Russland kündigte daraufhin an, die Importverbote für europäische Lebensmittel zu erneuern. Quelle: dpa
Weiter Ärger um die Krim

Die EU hat Sanktionen gegen die von Russland annektierte Krim verlängert. Russland kündigte daraufhin an, die Importverbote für europäische Lebensmittel zu erneuern.

(Foto: dpa)

BrüsselTrotz möglicher Milliardenverluste setzen der Westen und Russland im Ukraine-Konflikt weiter auf gegenseitige Sanktionen. Die EU verlängerte am Freitag die Strafmaßnahmen gegen die von Russland einverleibte Schwarzmeerhalbinsel Krim um ein Jahr. Moskau kündigte an, in Reaktion auf die westliche Sanktionspolitik das seit Anfang August 2014 geltende Importverbot für Lebensmittel aus der EU und den USA zeitlich ausdehnen zu wollen.

Nahezu zeitgleich wurde bekannt, dass die andauernde Wirtschaftskrise in Russland in Deutschland fast eine halbe Million Jobs und europaweit weit mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze bedrohen könnte. Dies geht aus einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervor, die der „Welt“ und weiteren europäischen Zeitungen vorliegt.

„Die Exportausfälle, die wir im Herbst vergangenen Jahres schlimmstenfalls angenommen hatten, sind inzwischen Realität“, sagte Autor Oliver Fritz vom Wifo. Laut der Studie könnte die Krise Deutschland in den nächsten Jahren etwas mehr als ein Prozent an Wirtschaftsleistung kosten.

Prognosen zufolge sind europaweit durch die Russland-Krise mittelfristig rund 100 Milliarden Euro an Wertschöpfung in Gefahr, davon entfielen rund 27 Milliarden Euro auf Deutschland. Die Bundesrepublik wäre damit die am stärksten betroffene europäische Volkswirtschaft.

Die am Freitag von der EU beschlossenen Sanktionsverlängerungen sehen vor, dass bis zum 23. Juni 2016 keine Kreuzfahrtschiffe aus der Europäischen Union in Krim-Häfen einlaufen dürfen. Neben Tourismusbeschränkungen gelten für das von der Ukraine abgetrennte Territorium zudem Export- und Investitionsverbote. Sie sollen vor allem Unternehmen in Bereichen wie Energie, Transport oder Telekommunikation treffen.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Die deutlich wichtigere Verlängerung der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland bis zum 31. Januar 2016 soll am kommenden Montag bei einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg beschlossen werden. Die Staats- und Regierungschefs hatten sich bereits im März darauf geeinigt, die Handels- und Investitionsbeschränkungen erst dann aufzuheben, wenn die Vereinbarungen des Minsker Friedensplanes zum Ukraine-Konflikt erfüllt sind.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Kampf der Sanktionen: EU verlängert Strafmaßnahmen gegen Krim"

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  • >> Völlig irre, die EU! >>

    In der EU gibt es solche und solche....!

    Bekloppt ist vor allem Murksel, die ganz klar im Auftrag der Amis agiert und das eigene Volk bestraft.

    Die Deutsche Wirtschaft ist auch heuchlerisch, spricht vom Schaden der Sanktionen und folgt gehorsam dem Primat der Politik.

    Den Berliner Polit-Oligarchen-Haufen sollte man in die Luft jagen.

    http://www.welt.de/142742046

  • Den Menschen auf der Krim ist es noch nie so gut gegangen, deshalb strafen wir unsere Wirtschaft. Völlig irre, die EU!

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