Kampf gegen den IS Druck auf Rakka steigt

Die US-geführte Koalition und kurdische Einheiten nehmen die IS-Hochburg Rakka weiter in die Zange. Um die Extremisten von Nachschubrouten abzuschneiden, werden Brücken zerstört und eine nahegelegene Stadt angegriffen.
Das syrisches Milizen-Bündnis erhält Unterstützung von der USA. Quelle: dpa
US-Spezialkräfte in Syrien

Das syrisches Milizen-Bündnis erhält Unterstützung von der USA.

(Foto: dpa)

BeirutDie US-geführte Koalition und kurdische Kämpfer versuchen, die IS-Hochburg Rakka in Syrien zu isolieren. Die sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens, eine von Kurden geführte Miliz, rückte auf die vom IS gehaltene Stadt Manbidsch vor, die an einer wichtigen Nachschubroute von der türkischen Grenze nach Rakka liegt, wie ein Sprecher mitteilte. Eine dem IS nahestehende Agentur berichtete, die US-Koalition habe dort auch Brücken bombardiert.

Die kurdische Gruppe startete darüber hinaus eine Offensive auf den Luftwaffenstützpunkt Tabka, rund 40 Kilometer südwestlich von Rakka, wie es hieß. Die Gruppe teilte mit, dieser Stützpunkt diene der Terrormiliz Islamischer Staat als großes Waffendepot. Die Extremisten hatten Tabka 2014 eingenommen und mindestens 160 gefangene syrische Soldaten getötet.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die kurdischen Kämpfer hätten vom IS mindestens 16 Dörfer zurückerobert. Bei den unterstützenden Luftangriffen der Koalition seien in den vergangenen 24 Stunden 15 Zivilisten getötet worden.

Wer gegen die Terrormiliz IS kämpft
DAS ANTI-IS-BÜNDNIS
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Im September 2014 gab US-Präsident Barack Obama die Gründung eines Bündnisses bekannt mit dem Ziel, den IS „endgültig zu zerstören“. Mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen beteiligen sich am Kampf gegen die Terrormiliz sowohl in Syrien als auch im benachbarten Irak. Neben Ländern der Europäischen Union (EU) wie Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gehören der Koalition auch Australien sowie mehrere arabische Länder an.

LUFTANGRIFFE
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Nur wenige Staaten fliegen neben den USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz. Im Irak sind daran zum Beispiel Frankreich, Australien und Großbritannien beteiligt. In Syrien sind es neben Frankreich auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und Jordanien. Die Türkei, Syriens Nachbar im Norden, hatte 2015 nach langem Zögern die Nutzung seiner Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge – auch der USA – gegen den IS erlaubt.

TRAINING UND WAFFEN
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Im Norden Syriens unterstützen US-Spezialkräfte zudem kurdische Kämpfer. Das US-Militär und seine Verbündeten bilden im Irak außerdem das irakische Militär sowie kurdische Peschmerga-Kämpfer aus. Auch rund 130 Bundeswehrsoldaten schulen im Nordirak Peschmerga-Einheiten. Darüberhinaus beliefert Deutschland die irakischen Kurden mit Waffen.

BUNDESWEHR
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Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS unter anderem mit „Tornado“-Aufklärungsjets. Die Maschinen bombardieren die IS-Stellungen aber nicht selbst. Teil des deutschen Beitrags sind auch ein Tankflugzeug und zeitweise eine Fregatte. Diese sicherte zusammen mit Kriegsschiffen aus Frankreich, Belgien und Großbritannien den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ im Persischen Golf. Die „Augsburg“ war seit Dezember 2015 dafür rund vier Monate unterwegs. Vom einzigen Flugzeugträger der französischen Marine starteten Jagdbomber zu ihren Einsätzen.

RUSSLAND
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Moskau ist nicht Teil des von den USA gegründeten Bündnisses. Russische Truppen greifen seit September 2015 unabhängig davon Ziele in Syrien an. Allerdings nicht nur Stellungen des IS. Russische Attacken richten sich auch gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. So starten die Jets vom russischen Luftwaffenstützpunkt Hamaimim nahe Latakia im Nordwesten Syriens. Zudem wurden Marschflugkörper von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

Auch weiter westlich nahe der Stadt Aleppo kam es zu neuen Kämpfen. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf Militärvertreter, bei Luftangriffen der US-geführten Koalition und türkischem Artilleriefeuer gegen den IS in Syrien seien 14 Extremisten getötet worden. Die Angriffe des Bündnisses hätten IS-Stellungen zwwischen Aleppo und der türkischen Grenze ins Visier genommen. Laut Anadolu hatte das türkische Militär zuvor festgestellt, dass IS-Extremisten von der Region aus einen Angriff auf türkisches Territorium planten. Der Bericht konnte zunächst nicht bestätigt werden.

Erstmals seit vier Jahren gelangte am Mittwoch aber auch wieder ein Hilfskonvoi in den von syrischen Regierungstruppen belagerten Damaszener Vorort Daraja. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mitteilte, waren an der Lieferung auch der Syrisch-Arabische Rote Halbmond und die Vereinten Nationen beteiligt. Nach UN-Schätzungen leben in Daraja noch 4000 bis 8000 Menschen. Der Ort wird von Regierungstruppen belagert, seit die Bewohner in der ersten Phase des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad 2011 Polizei und Militär vertrieben hatten. 2012 hatten sie zuletzt einen Hilfskonvoi durchgelassen.

Eine weitere Hilfslieferung mit 36 Lastwagen ging nach Angaben des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds auch in das benachbarte Muadamija. Die dortigen Bewohner hatten zuletzt vor einem Monat Essen, Wasser und Medikamente erhalten.

Die Vereinten Nationen erklärten, man prüfe alle möglichen Mittel, um den belagerten Syrern lebensrettende Hilfe zu bringen. Höchste Priorität sei es, Zugang zu knapp 600 000 Menschen in belagerten Gebieten und Millionen mehr in schwer zu erreichenden Gegenden zu bekommen. Der UN-Gesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte Versorgung aus der Luft als letzten Ausweg bezeichnet, da eine Luftbrücke weit mehr kosten würde als Versorgung auf dem Landweg.

  • ap
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