Donald Trump in Ohio

Der Präsident will die in Syrien stationierten US-Truppen „sehr bald“ abziehen.

(Foto: AFP)

Kampf gegen den IS Trump will US-Soldaten aus Syrien abziehen

Der US-Präsident überrascht mit der Ankündigung, die US-Truppen in Syrien abzuziehen. Andere sollen sich nun um den Konflikt kümmern.
Update: 31.03.2018 - 10:49 Uhr Kommentieren

Washington/West Palm BeachUS-Jets fliegen in Syrien Luftangriffe gegen die IS-Terrormiliz, am Boden unterstützen US-Soldaten die Kurdenmiliz YPG – doch jetzt nährt US-Präsident Donald Trump Spekulationen über ein Ende des Syrien-Einsatzes: Trump friert einem Medienbericht zufolge mehr als 200 Millionen Dollar eines Hilfsfonds für den Wiederaufbau in Syrien ein. Er habe sich dazu entschlossen, nachdem er einen Bericht gelesen habe, wonach unlängst zusätzlich 200 Millionen Dollar an Hilfe genehmigt worden seien, schrieb das „Wall Street Journal“ am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise. Diese Summe war im Februar in Kuwait vom damaligen US-Außenminister Rex Tillerson bei einem Treffen der internationalen Anti-IS-Allianz zugesichert worden.

Die Entscheidung Trumps, die Mittel einzufrieren, stehe in Einklang mit seiner Erklärung, dass die USA aus Syrien abziehen würden, berichtete das WSJ. Trump hatte am Donnerstag in einer Rede zum Thema Infrastruktur in Richfield im US-Bundesstaat Ohio überraschend erklärt, die Truppen würden „sehr bald“ abgezogen. „Übrigens, wir machen den IS echt fertig“, sagte der US-Präsident. „Wir kommen (....) sehr bald aus Syrien raus.“ Andere sollten sich nun um den Konflikt kümmern, fügte Trump hinzu.

Regierungskreisen zufolge hat der Präsident auch in vertraulichen Gesprächen den Wunsch nach einem raschen Abzug aus dem Bürgerkriegsland geäußert. Dies habe Trump seinen Beratern gesagt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von zwei hochrangigen Mitarbeitern. Damit stellt sich Trump gegen viele Mitglieder des Regierungsapparates.

Die Regierungsmitarbeiter sagten dazu, diese Äußerungen spiegelten interne Beratungen wieder. Trump habe dabei die Truppenpräsenz infrage gestellt. Einer der beiden Mitarbeiter erklärte, Trump wolle die Verantwortung an andere Staaten abgeben, wenn der Islamische Staat (IS) zerstört sei. Dies sei aber noch nicht mal annährend der Fall.

Pentagon-Sprecherin Dana White hatte nur wenige Stunden vor Trumps Rede in Ohio gesagt, in Syrien gebe es noch viel zu tun, um einen dauerhaften Sieg über die Extremisten sicherzustellen. Verteidigungsminister James Mattis und Ex-Außenminister Rex Tillerson hatten sich für einen Verbleib ausgesprochen. Auch Tillersons designierter Nachfolger Mike Pompeo und der Nationale Sicherheitsberater John Bolton sehen „Politico“ zufolge eine weitere Rolle für die USA in Syrien.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat Trump aufgerufen, die amerikanischen Einheiten nicht aus Syrien abzuziehen. „Wir glauben, dass amerikanische Truppen zumindest mittelfristig, wenn nicht sogar langfristig bleiben sollten“, sagte Mohammed bin Salman in einem Interview des US-Magazins „Time“, das am Freitag (Ortszeit) veröffentlicht wurde.

Der saudische Kronprinz erklärte, die US-Präsenz in Syrien sei der letzte Versuch, den Iran davon abzuhalten, seinen Einfluss in der Region auszudehnen. Der Iran arbeite daran, mit Milizen und regionalen Verbündeten eine Landroute vom Libanon über Syrien und den Irak bis in seine Hauptstadt Teheran zu errichten. Ein solcher „schiitischer Halbmond“ gäbe dem Iran einen größeren Einfluss in der Region. Das sunnitische Saudi-Arabien ist ein Erzfeind des schiitischen Iran.

Mohammed bin Salman reist seit rund zwei Wochen durch die USA. Der Sohn von König Salman gilt als eigentlicher starker Mann in dem sunnitischen Königreich. Er pflegt enge Beziehungen zu Trump. Am Donnerstag hatte er in einem „Wall Street Journal“-Interview gewarnt, in 10 bis 15 Jahren drohe ein Krieg mit dem Iran, wenn nicht mehr Druck auf das „Regime“ in Teheran ausgeübt werde.

Das Pentagon hat die Präsenz von etwa 2.000 US-Soldaten – die meisten von ihnen Mitglieder von Spezialkommandos – in Syrien bestätigt, wie „Politico“ berichtete. Die meisten von ihnen arbeiten mit Rebellenmilizen, die gegen den IS kämpfen.

Zuletzt waren in Syrien ein amerikanischer und ein britischer Soldat bei der Explosion eines Sprengsatzes an einer Straße getötet worden. Der Vorfall ereignete sich Regierungskreisen zufolge am Donnerstag in der Nähe von Manbidsch im Norden des Landes. In dem Ort gilt der IS als weitgehend besiegt. Trotz ihrer Niederlagen begehen die Extremisten in Syrien und im Irak immer wieder Bombenanschläge oder Attentate.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour warnte, eine Streichung der US-Gelder für Syrien wäre „verheerend für die sowieso dramatische humanitäre Lage“. Weiter erklärte er: „Die Finanzierung der tröpfchenweise eintreffenden Lebensmittelhilfe für Abertausende Belagerte darf nicht zusammenbrechen.“

  • dpa
  • rtr
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