Kampf gegen Islamisten Straßenkämpfe in Mali – Geiselnahme in Algerien

In Mali beginnen französische Bodentruppen eine Offensive gegen Islamisten. In Algerien überfallen Terroristen ein Gasfeld und nehmen zahlreiche Ausländer als Geiseln. Sie sprechen von Vergeltung.
Update: 17.01.2013 - 12:04 Uhr 11 Kommentare
In Mali weitet sich der Konflikt aus. Quelle: AFP

In Mali weitet sich der Konflikt aus.

(Foto: AFP)

Bamako/BerlinMit dem Eingreifen französischer Bodentruppen hat sich der Konflikt in Mali dramatisch zugespitzt. Erstmals wurden französische Spezialkräfte im Zentrum des westafrikanischen Landes in direkte Kämpfe mit islamistischen Rebellen verwickelt. Im Nachbarland Algerien wurde ein Gasfeld überfallen, Unbekannte brachten mehr als 40 Ausländer in ihre Gewalt. Die Geiselnehmer sprechen von Vergeltung – und fordern nach Angaben der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI ein Ende der französischen Mission in Mali. Mittlerweile gibt es Medienberichte, dass 15 Ausländer, darunter ein französisches Paar, ihren islamistischen Geiselnehmern entkommen seien. Behördenangaben zufolge war zuvor bereits 30 algerischen Arbeitern die Flucht von der Anlage im Osten Algeriens gelungen.

Zuvor hatten drei der mutmaßlichen Geiseln einen Rückzug der algerischen Armee gefordert. Ein Brite, ein Ire und ein Japaner sagten dem Fernsehsender Al-Dschasira am Donnerstag am Telefon, die rund um das Gasfeld stationierten algerischen Soldaten müssten abziehen und die Schüsse gegen die Anlage einstellen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden und eine Verhandlungslösung zu ermöglichen.

Die mutmaßlichen Geiseln wiederholten damit eine Forderung von einem der Entführer, der sich mit dem Pseudonym Abu al-Baraa präsentierte und sich zuvor auf Al-Dschasira zu Wort gemeldet hatte. "Wir fordern den Rückzug der algerischen Armee, um Verhandlungen ermöglichen zu können", sagte al-Baraa dem Sender.

Zu der Geiselnahme auf dem Gasfeld des britischen Konzerns BP und der norwegischen Statoil im Osten Algeriens bekannte sich eine Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe. Diese forderte ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen Islamisten in Mali. Die algerischen Einsatzkräfte umstellten das Gelände der Geiselnahme am Donnerstag.

Deutschland wird sich am Militäreinsatz in Mali beteiligen
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11 Kommentare zu "Kampf gegen Islamisten: Straßenkämpfe in Mali – Geiselnahme in Algerien"

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  • Wenn alle "unbestritten notwendigen Aufgaben" mit Einmarsch gelöst werden sollen, dann wird es ein sehr blutiges Jahrhundert.
    Aber Menschen gibt es ja genug; inzwischen kommt es auf die eine oder andere Milliarde nicht mehr an.

  • Das ist sowohl inhaltlicher als auch sprachlicher Unsinn.

  • Die Verhinderung des Entstehens einer terroristischen Basis in Mali ist unbestritten eine notwendige Aufgabe. Der französische Einmarsch ist deshalb legitim. Wünschenswert wäre allerdings eine innerafrikanische Lösung gewesen. Sie konnte es nicht geben, weil zuvor hinreichendes Engagement zugunsten der moderaten afrikanischen Staaten unterlassen worden ist. Dieser Kritik müssen sich insbesondere ehemalige Kolonialstaaten stellen: ihnen obliegen die moralische Verantwortung und die humanen Versorgungspflichten, solange die Folgen der Kolonialzeit nicht überwunden sind. In diesem Verständnis hätte Frankreichs auf eigene Kosten die notwendige Selbstverteidigungskraft zwecks Wahrung der staatlichen Integrität der moderaten Staaten müssen. Diese Pflichtleitung wurde offenkundig nicht oder halbherzig erbracht. So ist es durchaus gerecht, dass sich Frankreich nun selbst engagieren muss. An den damit verbundenen aktuellen Kosten wird Frankreich wohl die EU beteiligen wollen, obwohl die Kosten für konfliktvermeidende Prävention allein zu tragen gewesen wären. Noch vor der Beendigung des Kriegs in Mali müssen wir die richtigen Lehren ziehen: das Heranreifen von Konflikten muss durch frühzeitiges Engagement der in der Verantwortung stehenden Staaten (hier der ehemaligen und dadurch gegenwärtigen Schutz-mächte) verhindert werden. Auf der Grundlage von Vertrauen in andere Ethnien müssen wir Sicherheitspartnerschaften herstellen, anstatt durch Versäumnisse außereuropäische Konflikte nach Europa herein zu holen.

  • Nach Mali gehören weder Kampftruppen, noch Transall-Maschinen, noch Ausbildungskräfte der Reichswehr (Bundeswehr).
    Deutschland hat keinen Friedensvertrag und sollte sich nicht zur Legion der Besatzungsmächte degradieren lassen.

  • Was Rohstoffe betrifft, ist Mali nicht das eigentliche Problem. Im benachbarten Mauretanien gibt es z. B. große Eisenerzvorkommen, in Marokko Phosphat, in Algerien Öl und Gas. Ein übergreifen des Islamismus auf diese Staaten von Mali aus wäre katastrophal.

  • @flappflappflapp


    Endlich einmal jemand, der die Lage nüchtern und sachlich beurteilt

  • Frankreich will ihre Kolonie zurück!

  • Es wurde eine demokratisch gewählte Regierung gestürzt. Mit Blick auf das, was die Rebellengruppe errichten möchte und den Lehren aus Afghanistan, Jemen etc. finde ich es durchaus berechtigt der Regierung nach deren Anfrage militärisch unter die Arme zu greifen. Deutschlands Position, bis September diesen Jahres eine Truppe zusammenzustellen ist doch so naiv, dass man glauben muss, sie hätten überhaupt kein Interesse an einem Eingreifen. Bis September ist das Land komplett in der Hand der Rebellen und es wird weitaus schwerer, den status quo wieder herzustellen. In 5 Jahren würde man sich dann fragen, warum man eigentlich nicht viel eher eingegriffen hat.
    Die wirtschaftlichen Interessen sind in der Tat vorhanden. Meiner Meinung nach rechtfertigen die sicherheitspolitischen Gründe und die Anfrage der (demokratischen!) Regierung jedoch schon einen Einsatz.
    Wenn man nur auf den Wert der lagernden ROhstoffe schaut, würden sich weltweit so einige Interventionsmöglichkeiten ergeben.

  • Hi Novaris...ich weiss nicht inwieweit Sie Frankreich und Algerien kennen.

    Frankreich und Algerien verbindet eine Art Hassliebe. In Algier und Oran wird fast soviel Französisch wie Arabisch gesprochen. Vieles in Algerien sieht aus wie in Frankreich. Andererseits sind viele Algerier sehr empört wenn man dies anspricht.

    Algerien ist für Frankreich 10 x bedeutender als Mali.

    Der Einsatz der Französischen Streitkräfte (Fremdenlegion?) ist Teil der Algerienstrategie Frankreichs.

    Vandale

  • Wenn in der Politik von Demokratie und Menschenrechten gesprochen wird geht es in der Regel um wirtschaftliche Interessen, um Geld, und in Mali sind insbesondere wirtschaftliche Interessen von
    französischen , britischen , kanadischen und US-amerikanischen Unternehmen tangiert.
    Diese Interessenlage bestimmt auch die Intensität der Beteiligung an Militärinterventionen, um besagte Interessen zu schützen.
    Deutsche Interessen sind nur unbedeutend tangiert. Versorgungsflüge mit Transall-Maschinen und das ein oder andere Zeltkrankenhaus, um lädierte Militärs zu versorgen, sollten da ausreichen.
    Zu den Interessen bzw. Rohstoffvorkommen :
    Gold (drittgrößte afrikanische Goldindustrie), Kupfer, Bauxitvorkommen (die größten der Welt),
    Uran (benötigt für französische-/britische AKW), Mangan (geschätzt 10 Millionen Tonnen),
    riesige Phosphatvorkommen.
    Der Wert dieser Interessen dürfte sicherlich viele Milliarden Dollar/EURO umfassen.

    Große Teile dieser Rohstoffvorkommen liegen in Rebellengebieten und das bestimmte auch die schnelle Entscheidung des Präsidenten Hollande zur Militärintervention, ließ ihn zugleich bei den Franzosen als „stark“ erscheinen.
    Demokratie ? Menschenrechte ? Terrorismusbekämpfung durch Bekämpfung von Islamisten in einem überwiegend muslimischen Land (ca. 90% Muslime) ???

    Da religiöse Gefühle und belohnende Jenseitsversprechen vom Kapital seit Jahrhunderten dazu missbraucht werden, um Menschen zur Gewalt aufzustacheln, in den Tod zu schicken, und so wirtschaftliche Interessen gewaltsam durchzusetzen stellt sich die Frage :
    Wer finanziert die „Gotteskrieger“ und worin bestehen die Interessen der Finanziers ??

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