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Kampf gegen Virusmutation Portugal verschärft wegen Delta-Variante Beschränkungen in Lissabon

Die Regierung verordnet der Hauptstadt harte Restriktionen. An den Wochenenden wird der Einlass kontrolliert, und Restaurants müssen am frühen Nachmittag schließen.
24.06.2021 - 19:33 Uhr Kommentieren
Weil sich die Delta-Variante in mehreren portugiesischen Orten ausbreitet, greift die Regierung zu harten Maßnahmen. Quelle: Reuters
Kontrollen auf den Zufahrtsstraßen von Lissabon

Weil sich die Delta-Variante in mehreren portugiesischen Orten ausbreitet, greift die Regierung zu harten Maßnahmen.

(Foto: Reuters)

Madrid Es ist der Albtraum vieler Europäer: Gerade wähnt man sich mit steigenden Impfzahlen dem Ende der Pandemie nahe, da macht eine neue Variante die eben gewährten Freiheiten wieder zunichte. Den Einwohnern des Großraums Lissabon passiert genau das.

In der portugiesischen Hauptstadt macht sich die deutlich ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus breit und ist inzwischen für 60 Prozent aller Infektionen verantwortlich. Sie sorgt dafür, dass Portugal mit 77 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen die höchste Inzidenz der EU hat.

„Wir befinden uns in einem Kampf gegen die Zeit zwischen dem Fortschreiten der Krankheit und dem Prozess der Impfung“, sagte Kabinettsmitglied Mariana Vieira da Silva am Donnerstag.

Die portugiesische Regierung hatte am vergangenen Wochenende als Ad-hoc-Maßnahme die Hauptstadt Lissabon abgeriegelt. Nun legt sie mit grundlegenden Restriktionen nach, die wohl so lange in Kraft bleiben, bis die Infektionszahlen sinken.

Dazu gehört, dass in Lissabon sowie zwei weiteren Gemeinden Bars und Restaurants an Wochentagen um 22.30 Uhr und an Wochenenden um 15.30 Uhr schließen müssen. Am Wochenende darf in die Orte nur noch einreisen, wer einen negativen Corona-Test nachweisen kann, geimpft oder von der Infektion bereits genesen ist. Apotheken in Lissabon bieten die Tests gratis an.

Portugal hat seine Restriktionen früher gelockert als andere

Portugals Kurs könnte für den Rest Europas ein Warnsignal sein: Schon die britische Virusvariante war außerhalb Großbritanniens in Europa zunächst massiv in Portugal aufgetreten. Experten gehen davon aus, dass auch die Delta-Variante sich bald in den übrigen europäischen Ländern ausbreiten könnte. In Deutschland machte sie in der Woche bis zum 13. Juni rund 15 Prozent der Infektionen aus.

Pedro Simas, Virologe am Institut für Molekulare Medizin der Universität Lissabon, erklärt die Ausbreitung der Delta-Variante in Portugal mit der vergleichsweise frühen Öffnung des Landes nach einem sehr harten Lockdown. Im Januar gehörte Portugal zu den Ländern mit den höchsten Infektions- und Todesraten weltweit.

Nach einem strikten Lockdown waren die Zahlen auf ein so niedriges Niveau gesunken, dass Portugal vor rund einem Monat zu einem der wenigen Urlaubsländer gehörte, in die Briten reisen durften, ohne bei der Rückkehr in Quarantäne zu müssen. Das hat sich inzwischen wieder geändert. „Sobald man Restriktionen lockert, steigen die Infektionszahlen“, erklärt Simas.

Er sieht darin jedoch kein Problem und hält die nun erlassenen Einschränkungen in Lissabon für eine Überreaktion. „Es steigen zwar die Infektionszahlen, aber die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle sind in keiner Weise mit der Lage vergleichbar, die wir hier noch im Januar hatten“, sagt er. Gerade die Älteren und die Risikogruppen seien inzwischen geimpft und damit gut vor schweren Verläufen geschützt.

Herber Schlag für den Tourismus

Doch die portugiesische Regierung steht mit ihrer neuen Vorsicht nicht allein da. Deutschland stuft Großbritannien wegen der Delta-Variante als Virusvariantengebiet ein, was eine Quarantänepflicht für Reisende nach sich zieht, die von dort nach Deutschland kommen.

Portugal hatte sich bereits vor einigen Wochen für den ausländischen Tourismus geöffnet, aber auf eine Quarantäne für die wichtigen britischen Urlauber verzichtet. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat jüngst erklärt, dass eine Situation wie in Lissabon vielleicht hätte verhindert werden können, und einheitliche Reisebestimmungen in ganz Europa gefordert.

Portugal war eines der Länder, die sich am ehesten wieder für ausländische Touristen öffneten. Quelle: AP
Touristen in Lissabon

Portugal war eines der Länder, die sich am ehesten wieder für ausländische Touristen öffneten.

(Foto: AP)

Für Portugal, dessen Wirtschaft zu immerhin acht Prozent vom Tourismus abhängt, ist die Entwicklung zu Beginn der Reisesaison ein herber Schlag. Auch im Touristenort Albufeira an der Algarve nehmen die Infektionen zu – dort gelten deshalb dieselben Restriktionen wie in Lissabon.

Nach den Briten könnten künftig auch die deutschen Urlauber ausbleiben: Experten rechnen damit, dass das Robert Koch-Institut Portugal bald als Virusvariantengebiet einstuft und dann auch deutschen Touristen bei der Rückreise aus dem Urlaub an der Algarve eine Quarantäne bevorsteht.

Mehr: Hoffnung im Kampf gegen die Delta-Variante: Impfkampagne beschleunigt sich weiter

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