Kampf um Aleppo Hoffnung auf politische Lösung löst sich in Rauch auf

Trotz der verkündeten Feuerpause steht Aleppo weiter unter Beschuss. Der Ausgang der Schlacht wird den weiteren Verlauf des Krieges in ganz Syrien beeinflussen. Eine diplomatische Lösung wird immer unwahrscheinlicher.
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Tel AvivSiegt doch noch die Diplomatie? Lange tat sich gar nichts auf dem politischen Parkett. Die Lage in Aleppo wurde immer verheerender. Nun kommt zumindest etwas Bewegung in die Gespräche: Am Donnerstag kündigte Russlands Außenminister Lawrow eine Waffenruhe für den Ost-Teil der Stadt an, am Samstag nun sollen Experten in Genf Einzelheiten aushandeln. Bei den Gesprächen soll unter anderem festgelegt werden, wie die Rebellen die umkämpften Stadtteile von Aleppo verlassen können.

Laut eines Berichts des Nachrichtensenders „Al Jazeera“ erwartet Russland, dass Washington die mit den USA verbündeten Rebellen unter Druck setzt, sich zu ergeben und die von ihnen kontrollierten Gebiete zu verlassen. Die Rebellen hatten diese Woche zwar eine Waffenruhe gefordert. Doch es gebe keine Anzeichen, dass sie zur Kapitulation bereit seien, meldet Al Jazeera. Bisherige Versuche, einen Waffenstillstand zu erwirken, waren regelmäßig gescheitert.

Auch dieses Mal sei Skepsis angebracht, warnen Experten. Obwohl Moskau am späten Donnerstagabend überraschend eine Waffenruhe für den Ost-Teil von Aleppo verkündet hat, fallen laut Bewohnern und Rebellen weiterhin Bomben. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Laut der syrischen Zivilschutzorganisation „Weißhelme“ kam es in den Gebieten, die von den Rebellen kontrolliert werden, allein am Donnerstag zu 140 Luftangriffen und zu einem mehr als 1200-fachen Artilleriebeschuss. Zudem seien drei Chlorbomben abgeworfen worden.

Wenn Russlands Außenminister Sergej Lawrow jetzt eine Waffenruhe für Aleppo verkündet, ist er offenbar der Meinung, dass Russland zusammen mit den Iranern genügend Tatsachen geschaffen hat, bevor der neue US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus einziehen wird. Das ist gleichzeitig auch ein Rückschlag für Assad. Der hatte kurz zuvor Forderungen nach einer Waffenruhe kategorisch zurückgewiesen, die von westlichen Regierungen gefordert worden war.

Diese Möglichkeit „existiert praktisch nicht“, sagte er in einem Interview mit der syrischen Tageszeitung „Al-Watan“ vom Donnerstag. Er warf den USA vor, nur deshalb einen Waffenstillstand zu fordern, weil die von Washington unterstützten Rebellen „in einer schwierigen Lage“ seien.

Dass wenige Stunden später Lawrow seine Bereitschaft für Waffenstillstandsverhandlungen verkündete, zeigt laut westlichen Beobachtern, wer in Syrien über Krieg und Frieden entscheide.

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13 Kommentare zu "Kampf um Aleppo: Hoffnung auf politische Lösung löst sich in Rauch auf"

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  • Ja diese Rebellen... Beschießen ja Krankenhäuser und töten russische Ärzte, die helfen wollen. Und das alles für die Demokratie, finds echt übel von Russland solche hochgeschätzten Demokraten nicht freie Hand zu lassen und das Land endgütig ins Chaos zu stürzen...
    Aber: Leider hat der Westen und seine moderaten Rebellen hier endgültig verloren.
    PS: Die Waffenruhe ist nur um die Zivilisten zu evakuieren, angeblich 100.000 aus der Stadt raus. Die westlichen Demokratierebellen werden aber in Schutt und Asche gelegt. Der Westen hat endgültig in Syrien verloren, mal schauen welche Dominosteine die nächsten beim Untergang des Imperiums USA(EU-Vasallen sein wird... Evtl Sturz des Saudi-Regimes?

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  • @ Herr Ciller Gurcae..............."Gut, daß Donald Trump diesen Wahn jetzt stoppen wird."

    Da sollten die Hoffnungen nicht so hoch geschraubt werden. Ein US-Präsident Trump wird auch Realpolitik betreiben.
    Im übrigen hat ihm der US-Kongress schon Zügel im Zusammenhang mit Russland angelegt.
    Der US-Kongress stimmte am 2. Dezember 2016 für ein Gesetz, das jegliche militärische Zusammenarbeit zwischen Washington und Moskau verbietet.

  • Der syrische Staat wird als politische Einheit nicht bestehen bleiben; denn dazu sind die Interessenlagen der am Konflikt Beteiligten zu unterschiedlich.
    Israel will die Golanhöhen mit seinen Bodenschätzen annektieren und will keinen Sieg der Assad-Regierung. Russland unterhält zwar neuerdings gute Beziehungen zu Israel, widersetzt sich aber - bisher - dem israelischen Annektionsvorhaben. Die Türkei möchte vom syrischen Kuchen auch ein Stück mitbekommen, die Kurden wollen einen eigenen Staat, Russland, der Iran, Saudi-Arabien, Katar etc., die USA,GB,F verfolgen eigene Interessen etc.etc. Um diese ganzen Interessen in einem Deal abzugleichen bedarf es kompromiss bereiter "Partner", die bisher noch nicht Kompromissbereitschaft zeigen. Der Krieg wird somit bis zur vollständigen Erschöpfung der Konfliktparteien weitergehen, was auch so beabsichtigt ist.
    Natürlich will dabei jeder Interessent Vorteile im Kampf seiner Hilfstruppen herausholen, um bei einem Deal seine Interessen mehr berücksichtigt zu sehen.
    Der ständige Ruf nach humanitären Aktionen kann unter diesem Aspekt gesehen werden. Es geht nicht um die geschundenen Mnschen, sondern es geht hierbei ganz schlicht und brutal um Politik. Schändlich ist, dass die wahren Ursachen der syrischen Katastrophe bisher nicht beim Namen genannt werden !!

  • Die Kriegsverlängerer, also westliche Regierungen und deren Vorfeldorganisationen sowie die Profiteure des Flüchtlingsindustrie, möchten, daß der Krieg ewig andauert. Auch Israel proftiert davon.

    Gut, daß Donald Trump diesen Wahn jetzt stoppen wird. Und notfalls schaffen es die Russen mit Hilfe der Hizbulla'h auch alleine.

  • Es ist einfach nur traurig, dass dieses für die Region recht wohlständige Land so zum Spielball internationaler Mächte und Organisationen geworden ist.

    Ich finde es wirklich beeindruckend, dass nach Libyen und der Entwicklung in Syrien tatsächlich immer noch diese "angebliche" diplomatische Lösung vorgeschoben wird.
    Anhand der beteiligten Anzahl und Interessen der verschiedenen Kriegsparteien, ist diese doch gar nicht möglich.
    Da werden Menschen unter anderem von einem Nato-Mitglied bombardiert, denen wir Waffen zur Verteidigung und Bekämpfung von Fahrzeugen/Panzern gestellt haben...

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