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Kampf um Nord Stream 2 Russland dominiert zunehmend den Flüssiggas-Markt – vor den USA

Die USA versuchen Nord Stream 2 zu stoppen, um ihr LNG in Europa zu verkaufen. Doch die Russen geben nicht auf und steigern ihre Marktanteile.
2 Kommentare
Die Ostseepipeline ist das derzeit umstrittenste Energieprojekt der EU. Quelle: dpa
Gas-Pipeline Nord Stream 2

Die Ostseepipeline ist das derzeit umstrittenste Energieprojekt der EU.

(Foto: dpa)

Moskau Eigentlich sollte Nord Stream 2 bis Jahresende fertig werden, doch daraus wird nichts. Das von Altkanzler Gerhard Schröder angeführte Betreiberkonsortium stellt sich inzwischen auf eine monatelange Verzögerung und Zusatzkosten von mehreren Hundert Millionen Euro ein.

„Aber wir können dies nicht genau beziffern, weil die endgültigen Auswirkungen davon abhängen, wann die Genehmigung durch die verantwortlichen Behörden erteilt wird“, teilte das Unternehmen in der vergangenen Woche mit.

Nord Stream 2 ist derzeit das mit Abstand umstrittenste Energieprojekt innerhalb der EU: Die ursprünglich acht Milliarden Euro teure Leitung soll 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr durch die Ostsee nach Deutschland und von dort aus weiter in die EU bringen.

Der Kampf um die Pipeline ist längst ein politischer und wird mit harten Bandagen geführt. Die osteuropäischen Länder sind gegen das Projekt, doch ihr Einfluss ist gering. Gewaltig ist dagegen der Einfluss eines verhältnismäßig neuen Akteurs in der europäischen Gasversorgung: Die USA, erst vor einigen Jahren dank der umstrittenen Fracking-Technik vom Nettoimporteur zum Exporteur aufgestiegen, stemmen sich mit Macht gegen das Projekt, um ihre Flüssiggasreserven in Europa loszuschlagen.

Die seit Langem über Nord Stream 2 schwebenden Sanktionsdrohungen werden so gerade wieder akut. Der Auswärtige Ausschuss im US-Senat stimmte vor Tagen einem überparteilichen Gesetzentwurf zu Sanktionen gegen das Projekt zu.

Damit rückt seine Verabschiedung im Senat bedrohlich nah. Die Deutschen dürften sich nicht von Russland abhängig machen und sollten stattdessen für amerikanischen Schutz zahlen, indem sie US-LNG kauften, so der Tenor.

Die Politik zahlt sich aus: Im Juli 2018 vereinbarten EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump, „die strategische Kooperation“ zwischen der EU und den USA im Energiesektor zu „stärken“. Anders gesagt: Die EU verpflichtete sich, mehr US-Flüssiggas abzunehmen.

Die USA konnten ihre LNG-Lieferungen 2019 gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich ausbauen und fast fünfmal so viel LNG an die EU verkaufen wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr 2019 rückten sie damit auf Rang drei der LNG-Importeure in Europa auf. Der Marktanteil stieg von fünf auf 12,4 Prozent.

Russland macht großen Satz im LNG-Export

Russland, das lange Jahre die Entwicklung auf dem LNG-Markt verschlafen hat, hat seine Aktivitäten auf dem Gebiet ebenfalls deutlich ausgebaut. Am Montag befeuerte der Kanzleichef der russischen Regierung, Sergej Prichodko, mit seinen Aussagen aus dem fernen Aschchabad die Diskussion um den europäischen Energiemarkt.

Prichodko, Urgestein der russischen Außenpolitik und Diplomatie, erklärte bei einer Konferenz der Anrainer des Kaspischen Meers, Russland habe in Europa dieses Jahr gewaltig Gas gegeben: „Bei den LNG-Lieferungen in die EU gehört Russland ebenfalls zu den Leadern und nimmt nach Katar den zweiten Platz ein“, sagte er.

Demnach hat Russland einen ebenso gewaltigen Satz beim LNG-Export gemacht wie die USA, denn Algerien als vormals Zweitplatzierter hatte 2018 9,3 Millionen Tonnen und damit mehr als das Doppelte Russlands (4,4 Millionen Tonnen) nach Europa geliefert.

Prichodkos Aussage ist durchaus glaubwürdig, denn erst im vergangenen Dezember hatte Novatek auf der Halbinsel Jamal im Beisein von Premier Dmitrij Medwedjew feierlich sein LNG-Projekt „Jamal SPG“ in Vollbetrieb genommen. Dessen Kapazität liegt bei 16,5 Millionen Tonnen pro Jahr.

Novatek-Chef Leonid Michelson ist bereit für den Konkurrenzkampf: Russisches LNG sei für die Europäer eine billigere Alternative zum US-LNG. Bis 2030 will der kremlnahe Konzern mit weiteren milliardenschweren Projekten die LNG-Produktion auf 65 bis 70 Millionen Tonnen steigern.

Auch Gazprom muss nicht um seine Marktanteile fürchten. Pipeline-Gas macht weiterhin mehr als die Hälfte des Gasimports in der EU aus. Das Ergebnis aus dem Rekordjahr 2018 mit 201 Milliarden Kubikmetern werde wohl 2019 wieder erreicht, sagte Prichodko.

Und Russland bastelt bereits an der nächsten Leitung. Das 2014 gescheiterte Projekt South Stream wird mit dem Umweg über die Türkei wiederbelebt. Turkstream soll erweitert und dann nach Südeuropa Richtung Italien und Mitteleuropa Richtung Österreich verlängert werden. Damit dürfte Russland seinen Marktanteil in den nächsten Jahren weiter ausbauen.

Mehr: Gazprom erobert den Markt. Dabei helfen dem Gaslieferanten vor allem niedrige Preise.

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2 Kommentare zu "Kampf um Nord Stream 2: Russland dominiert zunehmend den Flüssiggas-Markt – vor den USA"

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  • Die Amerikaner (Regierung und Botschafter) betonen immer wieder die Abhängigkeit von Russland - da ist etwas dran. - Man sollte nicht zu blauäugig sein. Aber zumindest zur Zeit haben wir sicherlich größere Probleme mit der Abhängigkeit von den USA - siehe den Dollar und der amerikanischen Politik. So können z.B. keine eigenständige Politik in Richtung Iran betreiben.

  • Russland ist schlicht kostenguenstiger beim LNG als die USA.
    - Die Foerderung ist sehr viel billiger als das Fracking und dazu noch umweltschonender.
    - Die Verfluessigung ist billiger, weil die Umgebungstemperatur niedriger ist.
    - Der Transport ist billiger weil naeher.
    Da kann der Trump noch so wettern.

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