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Boris Johnson

Der frühere Londoner Bürgermeister ist Favorit für den Parteivorsitz der Konservativen und die Nachfolge von Theresa May.

(Foto: Reuters)

Kampf um Parteivorsitz Johnson verspricht: „Es gibt keinen begeisterteren Verkäufer für das Königreich als mich“

Erst drohte Johnson mit dem ungeordneten Brexit, jetzt spielt er die Drohung herunter. Der Favorit auf das Amt des Premierministers glaubt, dass er in Brüssel nachverhandeln kann.
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LondonBoris Johnson hat sich lange versteckt. Während die anderen Kandidaten im Rennen um den Tory-Parteivorsitz seit Wochen durch die Fernsehstudios tingeln, war der Ex-Außenminister bisher auf Tauchstation. Als haushoher Favorit unter den insgesamt zehn Kandidaten hielt er es offenbar nicht für nötig, groß zu trommeln.

An diesem Mittwoch tauchte Johnson nun zum ersten Mal auf. Bei seinem offiziellen Wahlkampfauftakt in London präsentierte er sich als der Mann, der den Brexit zum 31. Oktober liefern und die zerstrittenen Konservativen wieder einen kann. Und er versprach seinen verunsicherten Parteifreunden, dass er Wahlen gewinnen könne – sowohl gegen die Brexit-Partei von Nigel Farage als auch gegen die Labour-Partei von Jeremy Corbyn.

Vor einem Publikum aus Unterstützern und Journalisten redete Johnson viel über seine acht Jahre als Londoner Bürgermeister. Er wollte seine Zuhörer daran erinnern, dass er zweimal eine Mehrheit in einer Labour-Hochburg gewonnen und langjährige Regierungserfahrung hat. Er habe die Stadt durch Unruhen, Streiks und die Olympischen Spiele geführt, sagte Johnson. Genauso werde er auch Großbritannien durch alle Wirren führen.

Seine Zeit als Außenminister von 2016 bis 2018, in der er vor allem durch Fehltritte aufgefallen ist, erwähnte Johnson hingegen mit keinem Wort. Auch der Frage nach etwaigen Drogenvergehen wich er aus. In Interviews hatte er in der Vergangenheit über Kokain-Erfahrungen geredet. Darauf angesprochen, sagte er nur, das interessiere die Wähler nicht, und begann stattdessen ein allgemeines Loblied auf die freie Marktwirtschaft.

Offenbar wollte Johnson nicht das gleiche Schicksal erleiden wie sein Konkurrent Michael Gove. Der hatte vor einigen Tagen eingeräumt, als junger Journalist Kokain geschnupft zu haben – und gilt im Rennen um den Parteivorsitz nun als chancenlos.

Brexit-Wortführer Johnson wiederholte sein Versprechen, am 31. Oktober aus der EU auszutreten – ob mit Deal oder ohne Deal. Eine weitere Verlängerung wäre eine existenzielle Bedrohung für die Konservativen, sagte er. Zugleich betonte Johnson, dass er keinen ungeordneten Brexit anstrebe.

Als Premierminister würde er nach Brüssel reisen und den Ausstiegsvertrag nachverhandeln, erklärte er. Die britischen Wähler erwarteten „Mut“ und „Klarheit“. Johnson zeigte sich zuversichtlich, dass der „neue Optimismus“ und das „neue Selbstvertrauen“ der britischen Regierung auf die europäischen Verhandler abfärben würden. „Es wird eine symmetrische Begeisterung auf der anderen Seite des Ärmelkanals geben“, prognostizierte er.

Das ist jedoch stark zu bezweifeln. Die Europäer halten bisher an ihrer Position fest, dass sie den Vertrag nicht nachverhandeln werden. Johnsons Gerede kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich an der Ausgangslage nichts geändert hat: Der Ausstiegsvertrag muss vom britischen Parlament ratifiziert werden, wenn es einen geordneten Brexit geben soll.

„Vernünftigen, moderaten und modernen Konservatismus“

Auf die Frage, ob er zurücktreten werde, wenn Großbritannien im November immer noch in der EU sei, antwortete Johnson nicht. Aus gutem Grund: Ein weiterer Brexit-Aufschub im Oktober gilt als das wahrscheinlichste Szenario. Selbst wenn die Europäer bereit sein sollten, mit dem neuen Premierminister Gespräche zu führen, würden sie wohl nicht rechtzeitig vor Ablauf der Frist enden. Die meisten Beobachter in London erwarten, dass Johnson am Ende sein Wort brechen und einer Verlängerung zustimmen wird.

Bei seinem Auftritt versprach Johnson, nicht nur die Partei, sondern auch das gespaltene Land wieder zu einen. Das dürfte ihm nicht ganz leicht fallen: Seit er sich 2016 an die Spitze der Brexit-Kampagne setzte, ist er für viele Briten unwählbar geworden. Offenbar will er das Image des Brexit-Hardliners nun wieder abstreifen und an seine frühere Zeit im Londoner Rathaus anknüpfen, als er einer der beliebtesten Politiker des Landes war.

Er stehe für einen „vernünftigen, moderaten und modernen Konservatismus“, erklärte Johnson. Angesprochen auf sein umstrittenes Zitat „Fuck Business“ verwies er erneut auf seine Bilanz als Bürgermeister. Mit dem flapsigen Spruch hatte er die Brexit-Kritik aus britischen Unternehmen abgetan – und scharfe Kritik in Unternehmenszirkeln geerntet.

Zu seiner Verteidigung sagte Johnson nun, er sei nach der Finanzkrise der einzige Politiker gewesen, der zu den Bankern der Londoner City gehalten habe. Als Bürgermeister habe er acht Jahre lang in aller Welt für die Stadt und das Land geworben. „Es wird keinen begeisterteren Verkäufer für das Königreich geben als mich.“

Mehr: Das sind die zehn Kandidaten für die Nachfolge von Theresa May.

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