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Christine Lagarde

Wer bekommt die Position, die derzeit Christine Lagarde inne hat? Drei Kandidaten haben die besten Chancen.

(Foto: Reuters)

Kandidaten-Check Lagardes Nachfolger an der IWF-Spitze: Weidmann, Carney oder Rajan?

Die bisherige IWF-Chefin Christine Lagarde wechselt das Metier. Das schafft Vakanz auf einem Topjob der Finanzwelt. Die möglichen Nachfolger.
Update: 05.07.2019 - 19:26 Uhr Kommentieren

Berlin, London, Bangkok Der Internationale Währungsfonds (IWF) braucht eine neue Spitzenkraft. Die langjährige Chefin Christine Lagarde wechselt wahrscheinlich zur EZB. Der vakante Posten wird, anders als die Leitung der Weltbank, traditionell von Europäern besetzt.

Doch inzwischen formulieren auch die aufstrebenden Schwellenländer der Welt Ansprüche auf die Position. Wer hat realistische Chancen?

Ein Überblick über die möglichen Nachfolgekandidaten

Quelle: Reuters
David Lipton: Der Mann mit der „Schocktherapie“

Bis ein Nachfolger für die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde gefunden ist, übernimmt ihr bisheriger Stellvertreter, der US-Ökonom David Lipton, die Leitung des IWF. Lipton war schon in den vergangenen Jahren äußerst einflussreich. Während Lagarde den IWF nach außen vertrat, richtete Lipton den IWF inhaltlich neu aus. Viel stärker als früher betont der IWF heute die Rolle des Staats zur Regulierung der Wirtschaft und Notwendigkeit, Sparprogramme sozial abzufedern.

Lipton hat sowohl in der Privatwirtschaft als auch in der Politik gearbeitet. Für die Citigroup schätzte er Länderrisiken ab, wechselte dann ins Weiße Haus, wo er Präsident Barack Obama als Berater diente. Seit 2011 ist er erster Stellvertreter von IWF-Chefin Christine Lagarde. Als junger Ökonom war er an einem der umstrittensten Programme der jüngeren Wirtschaftsgeschichte verbunden.

Er empfahl die „Schocktherapie“, mit der die Ostblockstaaten in den frühen 90er-Jahren im Hauruck-Verfahren liberalisiert wurden. Eine Chance darauf, den IWF dauerhaft zu leiten, hat Lipton nicht. Aus einem einfachen Grund: Er ist Amerikaner, und die Amerikaner stellen mit David Malpass schon Weltbank-Präsidenten.

Quelle: Reuters
Jens Weidmann: Der erfahrene Krisenmanager

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann punktet vor allem mit seiner Fachkompetenz und seiner enormen Erfahrung im Umfang mit Krisen, die er in der deutschen Notenbank und früher im Bundeskanzleramt sammelte. Gleichzeitig ist Weidmann mit seinen 51 Jahren noch immer recht jung.

Ein großes Manko könnte sein, dass der IWF inzwischen eher keynesianisch tickt, Weidmann für den Fonds in finanz- und geldpolitischen Fragen daher zu rigide Ansichten mitbringen könnte.

Sollten Euro-Staaten in die Krise geraten, säßen mit Ursula von der Leyen, Euro-Rettungschef Klaus Regling und dann eben Weidmann zudem gleich drei Deutsche am Verhandlungstisch. Das könnte für viele Europäer eine abschreckende Vorstellung sein.

Quelle: dpa
Klaus Regling: Der Leiter von Europas „kleinem IWF-Bruder“

Der 68-jährige Klaus Regling leitet den Euro-Rettungsschirm, quasi eine Art kleiner Bruder des IWF. Er würde deshalb schnell in die neue Rolle beim Fonds in Washington schlüpfen können. Wie Weidmann hat auch Regling in seiner Zeit beim Euro-Rettungsschirm viel Erfahrung im Umgang mit Krisen gesammelt und weiß, wie Finanzmärkte und Politiker ticken.

Weiterer Vorteil: In Regling würde nicht noch ein Deutscher in eine Top-Position aufrücken, da er nur wechseln würde und sein Job beim ESM frei würde. Allerdings wurde Reglings Mandat beim ESM gerade erst verlängert.

Auch wurde er schon oft für Topjobs gehandelt, am Ende bliebt er aber stets beim ESM. Und mancher im IWF meint, Regling sei inzwischen etwas zur alt für den Posten.

Quelle: Reuters
Raghuram Rajan: Der ewige Kandidat aus Indien

Die Schwellenländer erheben seit Jahren Anspruch auf den Posten des IWF-Chefs. Wann immer über mögliche Kandidaten geredet wird, fällt der Name Raghuram Rajan. Den IWF kennt der 56-jährige Ökonom von innen, zwischen 2003 bis 2006 war er dessen Chefvolkswirt. Als Notenbankchef seiner Heimat Indien bekam er 2013 bis 2016 direkte Einblicke in die finanziellen Nöte von Schwellenländern. Und auch ökonomisch ist der Professor der University of Chicago sattelfest.

Das gewichtigste Argument gegen Rajan ist sein Pass – und das „Gentlemen's Agreement“ zwischen den Europäern und Amerikanern, das Europa den IWF-Chefposten sichert, während Amerika die Weltbank-Spitze besetzen darf. Auch ist fraglich, ob Indien ihn überhaupt als Kandidaten vorschlagen würde. In Neu Delhi steht er aktuell nicht hoch im Kurs.

Rajan selbst forderte 2015 eine IWF-Reform, um besser auf die spezifischen Herausforderungen in Schwellenländern einzugehen. Als Referenz hat Rajan immerhin Worte der bisherigen IWF-Chefin vorzuweisen: Christine Lagarde sagte 2015, Rajan habe in seiner Zeit als IWF-Chefvolkswirt die Finanzkrise von 2008 korrekt prognostiziert. „Einer der größten Nachteile des IWF war es, damals nicht genug auf ihn gehört zu haben.“

Quelle: AP
George Osborne: Der Sparmeister aus London
(Foto: AP)

Der frühere britische Finanzminister George Osborne ist der erste Kandidat, der seine Kandidatur zumindest indirekt erklärt hat. Diese Woche waren anonyme Zitate aus seinem Umfeld in britischen Medien zu lesen. Denen zufolge sieht sich der Konservative als am besten geeignet, die Interessen Europas, der USA und Chinas auszugleichen. Angesichts der turbulenten Weltpolitik brauche der IWF einen „politischen Kommunikator und Operator, keinen Technokraten“, hieß es aus Osbornes Umfeld.

Osborne war von 2010 bis 2016 Finanzminister in der liberalkonservativen Koalition unter David Cameron. Bekannt wurde er vor allem als Architekt des harten Sparkurses, mit dem er das ausufernde britische Staatsdefizit wieder unter Kontrolle brachte.
Als Theresa May Premierministerin wurde, entließ sie als Erstes Osborne, was dieser ihr nie verziehen hat. Seitdem übt er neben seinem Hauptberuf als Chefredakteur des Londoner „Evening Standard“ eine Reihe Nebentätigkeiten aus, unter anderem als Berater des Fondsgiganten Blackrock. Es ist kein Geheimnis, dass der 48-Jährige zurück an die Macht will.
Angesichts des Brexits dürfte es jedoch schwierig werden, die anderen Europäer davon zu überzeugen, einen Briten nach Washington zu entsenden. Auch ist nicht vergessen, dass Osborne sich während der Euro-Krise weigerte, sich an Rettungsaktionen für europäische Partner zu beteiligen. Nur dem Nachbarn Irland wollte London damals unter die Arme greifen.

Quelle: Reuters
Mark Carney: Der Lieblingskanadier der Europäer

Der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, gilt als einer der Favoriten auf den IWF-Posten. Der erfahrene Geldpolitiker war zunächst Chef der kanadischen Notenbank, seit 2013 führt er die britische Notenbank. Von 2011 bis 2018 war er zudem Vorsitzender des Financial Stability Board, welches das globale Finanzsystem überwacht. Unter Finanzministern und Notenbankgouverneuren ist Carney hoch angesehen. Mit der bisherigen IWF-Chefin Christine Lagarde verbindet ihn eine herzliche Freundschaft. Wegen einer gewissen äußeren Ähnlichkeit mit dem Hollywood-Schauspieler wird er scherzhaft auch als „George Clooney der Finanzen“ bezeichnet.

Weil die geldpolitischen Entscheidungen der Bank of England in der Vergangenheit mehrfach von seiner Guidance abwichen, galt er eine Zeit lang als „unzuverlässiger Freund“. Nach dem Brexit-Referendum hatte die Notenbank jedoch entschlossen reagiert und die Zinsen gesenkt. Das dürfte geholfen haben, die Wirtschaft relativ stabil zu halten. Zuletzt hatte er vor allem vor den Gefahren des Brexits gewarnt und für den Freihandel geworben.

Gegen Carney spricht, dass er Kanadier ist. Doch hat er auch die britische und die irische Staatsbürgerschaft, weshalb die Europäer ihn mit etwas gutem Willen als einen der Ihren akzeptieren könnten. Es würde auch zeitlich gut passen: Seine Amtszeit in London endet im Januar 2020.

Quelle: dpa
Olli Rehn: Pragmatischer Finne

Seit seiner Zeit als EU-Währungskommissar von 2010 bis 2014 ist der 57-jährige Finne Olli Rehn auch einem breiteren Publikum bekannt. Regelmäßig musste er in jener Zeit Rettungspakete für überschuldete Euro-Länder schnüren und den Kurs in den Medien erklären. Damals arbeitete er eng mit IWF-Chefin Lagarde zusammen. Später war er kurz finnischer Wirtschaftsminister, bevor er vor einem Jahr finnischer Notenbankchef und damit auch EZB-Ratsmitglied wurde.

Der eifrige Twitter-Nutzer ist bekannt für seinen trockenen Humor. Er hält nichts von der Unterscheidung zwischen Falken und Tauben, sondern sieht sich als Pragmatiker. Um ein Problem zu lösen, muss aus seiner Sicht das Nötige getan werden: Das können je nach Lage liberale Reformen, ein harter Sparkurs oder auch eine milliardenteure Konjunkturhilfe sein.

Mehr: Die bisherige IWF-Chefin ist keine erfahrene Geldpolitikerin. Dennoch könnte die EZB von ihren wertvollen Managementfähigkeiten profitieren. Das Lagarde-Experiment.

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