Kapitalismus Vatikan rechnet mit Finanzwelt ab - bezeichnet Derivate als „Zeitbombe“

Der Vatikan wirft den Finanzmärkten Egoismus und Gier vor. In einer scharfen Kritik warnt die katholische Kirche auch vor den Gefahren von Derivaten.
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Vatikan rechnet mit Finanzwelt ab Quelle: AFP
Papst Franziskus

„Das Geld muss dienen und nicht regieren!“

(Foto: AFP)

New YorkEs sind scharfe Worte, die der Vatikan für die weltweiten Finanzmärkte findet. In einer beispiellosen Abrechnung hat die katholische Kirche unmoralische Finanzpraktiken, Offshore-Steueroasen, Egoismus und gewagte Spekulationen angeprangert. „Das Geld muss dienen und nicht regieren!“, so der Vatikan.

Die Finanzwelt sei ein Ort geworden, „wo Egoismen und Missbräuche ein für die Allgemeinheit zerstörerisches Potenzial haben, das seinesgleichen sucht“, heißt es in einem Dokument, das die vatikanische Glaubenskongregation in Rom am Donnerstag veröffentlicht hat und welches von Papst Franziskus freigegeben wurde.

Vor allem Derivate seien eine Art „Zeitbombe, die früher oder später explodieren und die Gesundheit der Märkte vergiften“ könnten. Der An- und Verkauf solcher Finanzprodukte wurde zunehmend komplexer und undurchsichtiger, kritisiert der Vatikan. „All das hat das Entstehen von Spekulationsblasen gefördert, die zur jüngsten Finanzkrise (2007/2008) wesentlich beigetragen haben.“

Dabei wäre die Finanzkrise, die über die Wirtschaftswelt schwappte, eine Gelegenheit gewesen, existierende Praktiken zu überdenken. So hätte eine neue Finanzindustrie entwickelt werden können, „die größeren Wert auf ethische Prinzipien legt und die Finanzgeschäfte neuen Regelungen unterwirft, um ausbeuterischen und spekulativen Absichten einen Riegel vorzuschieben.“ Doch dazu sei es nicht gekommen.

Manchmal habe es sogar den Anschein, als wäre ein oberflächlicher, kurzsichtiger Egoismus zurückgekehrt, der das Gemeinwohl missachtet und nicht daran interessiert ist, Wohlstand zu schaffen und zu verbreiten oder stark ausgeprägte Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Die auf Profit ausgelegte Mentalität im globalen Kapitalismus, oft zum Nachteil anderer, habe verheerende Konsequenzen für das Gemeinwohl. Die Kongregation warnt, dass der Wohlstand für einen Großteil der Menschen auf dem Spiel steht. Sie könnten immer mehr an den Rand gedrängt, ja sogar von Fortschritt und wirklichem Wohlstand ausgeschlossen werden.

Das Dokument ist gleichzeitig ein Appell an die Finanzwelt, ihre Praktiken zu überdenken, und eine Warnung, falls dies nicht geschehen sollte. „Wie immer deutlicher wird, macht sich Egoismus auf lange Sicht nicht bezahlt, sondern bewirkt letzten Endes nur, dass alle einen viel zu hohen Preis zahlen müssen.“

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5 Kommentare zu "Kapitalismus: Vatikan rechnet mit Finanzwelt ab - bezeichnet Derivate als „Zeitbombe“"

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  • Die Kirche ist reich an Armen im Geiste

  • Der Papst hat recht. Aber er gibt nicht seine Privatmeinung wieder oder die irgendeiner Strömung der Kirche. Gott als Schirmherr der Armen im Kampf um soziale Gerechtigkeit ist DAS zentrale Thema in altem und neuen Testament. Das fängt beim 1. Gebot an: ("Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland aus der Knechtschaft geführt habe, Du sollst keine anderen Götter haben neben mir", 2.Mose 20,1) und hört mit dem Jesus Wort Mt 6,24 auf: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon". Die Stelle kommt wenige Zeilen nach dem Vaterunser. Wir haben die Wahl zwischen Money-Theismus und Monotheismus. Es gibt Vermutungen, dass sich der Glaube an den einen Gott überhaupt erst gebildet hat als Antwort auf die soziale Spaltung im 8 Jahrhundert vor Christus (Karl Jaspers' Achsenzeit) Die Ansagen der biblischen Propheten Micha, Amos, Jesaja und Hosea waren radikal. Aber was sind die Folgen für die Kirche? Die Kirche ist reich, reich wie eine "fette Kuh" (Amos 4,1) in vielen Regionen ist sie der größte Grundbesitzer. In Deutschland kassiert sie noch heute jedes Jahr 460 Millionen Euro Entschädigung für die Enteignung unter Napoleon!
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/enteignung-der-kirchen-entschaedigungen-bis-in-alle-ewigkeit-12555649.html, insgesamt 15 Mrd. seit bestehen der Bundesrepublik (zum Vergleich: Die gesamten Entschädigungen Deutschlands im Zusammenhang mit dem Holocaust belaufen sich auf 63 Mrd.) Herr Papst, was sie da erzählen, ist ja alles recht nett. Aber erstens sollten sie sagen, dass sie damit nur wiedergeben, was in der Bibel steht - und zwar allenfalls in hömöopathischer Dosierung - und zweitens sollten sie dann auch nach der Bibel handeln.Die Vatikan-Bank ist keine Ethik-Bank. Wenn sie da mit dem eisernen Besen durchgekehrt haben und die Kirche keine Entschädigung mehr kassiert, dürfen sie dem Rest der Welt gerne Ratschläge erteilen.

  • erratum

    statt: ..."die Galileo erneut zu prüfen"...
    richtig:
    ..."die Angelegenheit Galileo erneut zu prüfen"...

  • ad1: Herr Narrog sollte künftig alleine darüber entscheiden wer Papst wird...
    ad2: Der Vatikan gewinnt an Fahrt: nach knapp 10 Jahren Gefahr erkannt.

    Bedenkt man wie lange es gedauert haben soll die Galileo erneut zu prüfen: geradezu rasant.

  • Die Wahl des Papstes was eine krasse Fehlentscheidung der katholischen Kirche.

    Meines Erachtens sollte die Mission des eigenen Glaubens Kernaufgabe einer Kirche sein. Somit sollte man meinen, dass sich der Papst mit Gegenmassnahmen zur Ökoreligion, der Islamisierung Europas und einer christlichen Missionierung der Länder mit grossem Bevölkerungswachstum in Afrika und dem Nahen Osten widmet.

    Anstelle dessen widmet sich der Papst dem "Klimaschwindel", Finanzderivaten.....

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