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Karabach-Streit Russland bittet Türkei im Konflikt auf Aserbaidschan um Hilfe – UN-Sicherheitsrat fordert Ende der Kämpfe

Um den Karabach-Konflikt nicht ausarten zu lassen, setzt Moskau auf Deeskalation. Jerewan beschuldigt Ankara, einen Kampfjet abgeschossen zu haben.
29.09.2020 Update: 30.09.2020 - 01:52 Uhr Kommentieren
Moskau zeigt sich laut Peskow nicht begeistert von den Aussagen aus Ankara. Quelle: dpa
Kremlsprecher Dmitri Peskow

Moskau zeigt sich laut Peskow nicht begeistert von den Aussagen aus Ankara.

(Foto: dpa)

Moskau Russland hat im blutigen Konflikt um die Unruheregion Berg-Karabach die Türkei aufgefordert, ihren Verbündeten Aserbaidschan zu Verhandlungen zu bewegen. Ankara müsse alles tun, um die Konfliktparteien zu einem Waffenstillzustand zu bringen und eine friedliche Lösung zu finden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. Bisherige Unterstützungserklärungen von türkischer Seite für Aserbaidschan hätten nur Öl ins Feuer gegossen. „Wir unterstützen solche Erklärungen definitiv nicht“, sagte Peskow der Agentur Tass zufolge.

Auch der UN-Sicherheitsrat zeigte sich besorgt über die Eskalation des Konflikts und forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe. Die 15 Mitglieder unterstützen UN-Generalsekretär António Guterres bei seiner Forderung nach einer Waffenruhe, Deeskalation der Spannungen und sofortiger Wiederaufnahme von Verhandlungen, sagte der UN-Botschafter des Nigers, Abdou Abarry. Zuvor hatten die 15 Mitglieder des Gremiums das Thema hinter verschlossenen Türen besprochen. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Guterres bereits mehrfach ein sofortiges Ende der Kämpfe in Berg-Karabach gefordert – auch per Video-Telefonschalte mit jeweils dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev und dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan.

Der Konflikt in Berg-Karabach war nach ungewöhnlich heftigen Kämpfen zwischen den verfeindeten Nachbarn Armenien und Aserbaidschan eskaliert. Die von Armenien kontrollierte Region mit geschätzten 145.000 Einwohnern gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahrzehnten.

Dienstagnachmittag ist nach armenischen Angaben ein Kampfjet des Typs Suchoi-25 abgeschossen worden. Der Pilot sei dabei getötet worden, teilte die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan am Dienstag mit. Sie behauptete, dass ein türkisches F-16-Kampfflugzeug am Dienstagvormittag die Maschine mit Hilfe aus Aserbaidschan abgeschossen hätte.

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    Dafür gab es aber keine Bestätigung. Aserbaidschan gab bislang an, keine militärische Unterstützung aus dem Nachbarland Türkei zu bekommen und selbst kein F-16-Kampfflugzeug zu besitzen.

    Das Militär in Aserbaidschan dementierte die Angaben umgehend und bezeichnete die Vorwürfe als Lüge. Auch der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, sagte, dass es sich dabei um „billige Propagandatricks“ handle. Die Behauptungen stimmten definitiv nicht.

    Türkei enger Verbündeter Aserbaidschans

    Die Türkei ist der engste Verbündete der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer. Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Armenien die Schuld an der Eskalation gegeben.

    Die Türkei stehe „mit allen Mitteln und ganzem Herzen“ an Aserbaidschans Seite, sagte er. Russland ist hingegen die Schutzmacht von Armenien und will auch zwischen beiden Ländern vermitteln. Prinzipiell haben aber auch Aserbaidschan und Russland gute Beziehungen zueinander.

    Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat nach eigenen Angaben mit Bundesaußenminister Heiko Maas zum Berg-Karabach-Konflikt telefoniert. Man habe über die neuesten Entwicklungen und Lösungsansätze gesprochen, sagte Cavusoglu am Mittwoch in Ankara vor der aserbaidschanischen Botschaft. Aus Berlin gab es zunächst keine Bestätigung des Gesprächs.
    „In Wahrheit ist die Lösung dieses Problems einfach“, sagte Cavusoglu. „Es gibt nur eine Lösung. Armenien zieht sich aus dem von ihm besetzten aserbaidschanischen Gebiet zurück. Solange dieser Rückzug nicht geschieht, wird dieses Problem nicht gelöst.“ Er betonte, die Türkei stehe solidarisch an Aserbaidschans Seite.

    Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Berg-Karabach war am Sonntag wieder aufgeflammt. Mehr als 100 Menschen wurden seitdem getötet.
    Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert und gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet.

    Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten sowie viele Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche sowie militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten.

    Mehr: Kreml beklagt Probleme bei Nawalny-Untersuchungen

    • dpa
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