Karin Kneissl Warum Putin auf der Hochzeit von Österreichs Außenministerin tanzt

Österreichs Außenministerin sucht die Nähe zu Russland. Präsident Wladimir Putin nutzt die Chance für einen besonderen Besuch.
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Kneissl hatte Putin bereits im Juni bei seinem Besuch in Wien persönlich zu ihrer Hochzeit eingeladen. Quelle: AFP
Hoher Besuch

Kneissl hatte Putin bereits im Juni bei seinem Besuch in Wien persönlich zu ihrer Hochzeit eingeladen.

(Foto: AFP)

Karin Kneissl, 53, strahlte, als Russlands Präsident Wladimir Putin zu einer Rede auf Deutsch ansetzte. Er gratulierte, überreichte der frisch Vermählten einen Blumenstrauß und hatte zudem noch zehn Donkosaken dabei, die die 100 Hochzeitsgäste mit russischer Folklore unterhielten. Kremlchef Putin wusste sich zu inszenieren. Dabei war es gar nicht seine eigene Feier, sondern die von Kneissl.

In der Steiermark, im romantischen Gasthaus Tscheppe an der österreichisch-slowenischen Grenze, heiratete Österreichs rechtskonservative Außenministerin am Samstag den Unternehmer Wolfgang Meilinger, 54. Zur Feier hatte die Nahostexpertin Kneissl Putin bereits im Juni bei seinem Besuch in Wien persönlich eingeladen.

Bei der Opposition stieß Putins scheinbarer Privatbesuch auf scharfe Kritik. Der Europasprecher der SPÖ, Jörg Leichtfried, warnte beispielsweise vor einem „nachhaltigen Schaden für Österreichs außenpolitische Position“.
Die private Einladung gilt als hochpolitischer Akt. Denn die parteilose Kneissl wurde von der rechtspopulistischen FPÖ auf den Chefsessel im Wiener Außenministerium gehievt.

Die Partei pflegt enge Beziehungen zu Russland. Zwischen der FPÖ und Putins Partei „Einiges Russland“ gibt es seit 2016 einen Freundschaftspakt. Auch Kneissl sucht die Nähe zum Kreml – mit Erfolg, wie ihre Hochzeit beweist. Dem Handelsblatt sagte die seit Ende 2017 amtierende Außenministerin: „Wir können Russland auf der Landkarte nicht ausblenden.“

Doch die Politikerin, die bereits zwischen 1990 und 1998 im diplomatischen Dienst stand, machte nicht nur gute Erfahrungen mit Russland. Im April erhielt sie vom Kreml mit ihrer Idee von Österreich als Vermittler im Syrienkrieg eine herbe Abfuhr.

Putin kann die guten Beziehungen zu Kneissl derzeit trotzdem gut gebrauchen. Schließlich hat Österreich bis Jahresende die EU-Ratspräsidentschaft inne. Dafür nahm er auf seinem Weg zu Bundeskanzlerin Angela Merkel den Umweg gerne in Kauf.

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