Kasachischer Präsident in Deutschland Mit Rohstoffen geht für Autokraten fast alles

Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew ist auf Werbetour in Berlin - und er wird herzlich empfangen. Die Bundesregierung erhofft sich Zugang zu seltenen Rohstoffen. Menschenrechtler schlagen Alarm.
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Schäkern unter Demokraten? Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) im Gespräch mit Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew (r). Quelle: dpa

Schäkern unter Demokraten? Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) im Gespräch mit Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew (r).

(Foto: dpa)

BerlinVielleicht sollte es eine Geste des guten Willens sein, im Zusammenhang mit dem wichtigen Besuch in Berlin: Eine Woche vor der Deutschland-Reise des kasachischen Staatschefs Nursultan Nasarbajew durfte die Ehefrau des bekannten Bürgerrechtlers Jewgenij Schwotis verkünden, dass ihr Mann nach zweieinhalb Jahren im Straflager freikomme – der Oppositionelle erhalte Amnestie. Schwotis war wegen eines Verkehrsunfalls mit Todesfolge eigentlich zu vier Jahren verurteilt worden. Menschenrechtsorganisationen hatten die Haft des 56-Jährigen als überzogen und als Beispiel für die Justizwillkür in dem zentralasiatischen Land angeprangert.

Die Freilassung des Oppositionellen ist eine gute Nachricht, wie es sie nur selten gibt aus Kasachstan. Dort regiert der 71-jährige Nasarbajew seit 20 Jahren mit eiserner Hand. Opposition und Medien werden unterdrückt, Wahlen bezeichnen ausländische Beobachter regelmäßig als Farce. Bei der Abstimmung im vergangenen Jahr kam der Langzeitherrscher auf 95 Prozent der Stimmen.

Trotz Vetternwirtschaft, Korruption, sowie Defiziten bei Demokratie und Menschenrechten wird der Autokrat Nasarbajew vom Westen umworben. Kasachstan ist auch für die Bundesrepublik interessant - denn der neuntgrößte Flächenstaat der Erde ist reich an Rohstoffen. Es gibt viel Öl und Gas, in der Erde lagern darüber hinaus jede Menge weitere Ressourcen wie Gold und Silber, Uran, Kohle, Chrom, Titan, Eisenerz, Wolfram, Nickel, Zink, Blei und Mangan.

Nasarbajew ist deshalb gerade zu Gast in Berlin. Mit ihm auf Staatsbesuch ist der kasachische Wirtschaftsminister Asset Issekeschew in der Hauptstadt. Bei einem Treffen mit seinem Kollegen Philipp Rösler sollen etwa 40 Wirtschaftsverträge mit einem Gesamtvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro unterzeichnen werden. Nasarbajew wird Bundespräsidenten Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel treffen und ebenfalls eine Unterschrift leisten – unter dem wichtigsten Dokument des Tages: Deutschland und Kasachstan wollen ein neues Partnerschaftsabkommen verabschieden.

In dieser Vereinbarung geht es vor allem darum, die Zusammenarbeit von Unternehmen beider Länder bei der Erschließung, Gewinnung und Nutzung mineralischer Rohstoffe zu unterstützen. Ziel ist eine sichere und nachhaltige Rohstoffversorgung und Rohstoffnutzung. Gleichzeitig sollen deutsche Unternehmen die Industrialisierung Kasachstans vorantreiben. Das Land will seine Rohstofflastigkeit überwinden und dazu die Wirtschaft diversifizieren.

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12 Kommentare zu "Kasachischer Präsident in Deutschland: Mit Rohstoffen geht für Autokraten fast alles"

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  • Wenn schon so viel Gewese um das Abkommen und die Menschenrechte gemacht wird, dann hoffen wir, dass der Vertrag wenigstens das Papier wert ist, auf dem er steht.
    Offenbar hat die Wirtschaft nichts aus den Erfahrungen von vor 10 - 15 Jahren gelernt.

  • mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/329478_weltspiegel/9267568_kasachstan-aufstand-der-oelarbeiter

  • http:://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/329478_weltspiegel/9267568_kasachstan-aufstand-der-oelarbeiter

  • Ich bin entsetzt über einige Beiträge hier. So voller Zynismus und Menschenverachtung, einfach schrecklich
    Warum brauchen wir denn so viele Rohstoffe wie nie zuvor?
    Brauchen wir alle 2 Jahre ein neues Handy, brauchen wir ständig einen neuen Flachbildschirm usw?
    Ich bin kein Menschenrechts-Fanatiker oder sonst was, aber ich glaube, ein wenig Bescheidenheit täte und mal wieder gut
    Aber Menschenausbeutung wie in der Dritten Welt, damit wir T-Shirts für 2,95 € kaufen können oder Verächter von Menschenrechten hofieren, das glaube ich, brauchen wir nicht

  • @ Alfred

    Hast Du wenigstens das Video angeschaut, bevor Du deinen geistigen Müll hier abgeladen hast ?

    In Kasachstan wird nicht gequält. Da wird geschossen, wenn die Belegschaft in Lohnverhandlungen treten will.

  • Genauso sehe ich das auch!

    Und in Syrien wird nicht die Welt verbessert, sondern die Rohstoffversorgung sichergestellt. Wenn Assad gestürzt ist, steht der Iran so gut wie alleine da und wird sein Erdöl für Dollars liefern müssen.


    Ansonsten kann ich jedem Ami auf dem Weg mitgeben:

    Ihr könnt uns mal am .....

  • Das Westerwelle ist aber auch eine Riesenpleite für das Amt.

  • Immer dies Geschwafel von Menschenrechten, man kann dies nicht mehr hören. Hat Kasachstan etwa Einen Gulag oder Werden Menschen zu Tode gefoltert. Solange deutschland seinen Präsidenten quält und für ihn die Menschenrechte nicht gelten sollen, müssen diese Gutmenschen den Mund halten.

  • Was interessiert uns Deutsche denn? Wir brauchen Arbeit und Wohlstand. Dazu brauchen wir Rohstoffe. Wir allein können die Welt nicht ändern.

    Sollen uns die Menschenrechtler dieser Welt Arbeitsplätze verschaffen? Halten Menschenrechtler unsere Energieversorgung aufrecht? Stellen uns Menschenrechtler die notwendigen "seltenen Erden" zur Verfügung.

    Die Regierung oder NGO können gern auch die Welt verbessern. Da das aber nicht ausschließlich durch Dtl. herbeigeführt werden kann (da sollten sich die "Menschenrechtler" auch nicht überschätzen), müssen wir wenigstens die Rohstoffversorgung Deutschlands sicher stellen.

  • Gott oh Kinder, geht es noch?

    Egal was passiert, immer wieder gibt es hier Mitleser, die ihr Leben so an die Wand gefahren haben, dass sie bei anderen nur noch das Miese sehen können.

    Ich freue mich über diese Besuch, denn er wird gerade den Autobauern helfen, neue Theologien preislich so justieren, dass sie auch kaufbar bleiben.

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