Katar Das unermüdliche Geschäft mit dem Flüssiggas

Gigantische Gastanker aus Katar versorgen auch die europäischen Terminals mit dem Flüssiggas LNG. Die Isolation des Emirats auf der arabischen Halbinsel wird daran zunächst nichts ändern. Die Welt ist abhängig.
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Mit Flüssiggas erwirtschaftet das Emirat so viel wie kein anderes Land. Quelle: dpa
Katar

Mit Flüssiggas erwirtschaftet das Emirat so viel wie kein anderes Land.

(Foto: dpa)

HamburgKrise in Nahost, doch die Energiemärkte bleiben gelassen. Trotz der diplomatischen Eskalation zwischen dem Emirat Katar und seinem mächtigen Nachbarn Saudi-Arabien haben sich die Preise für Öl und Gas auf den Weltmärkten nicht dramatisch bewegt. Experten erwarten auch kurzfristig keine Turbulenzen auf den Märkten – obwohl das kleine Emirat über rund 13 Prozent der bekannten Gasreserven auf dem Planeten verfügt. Vor der Küste im persischen Golf erstreckt sich das South-Pars-Gasfeld, das größte der Welt, das Katar und der Iran für sich beanspruchen.

Katar hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG – Liquefied Natural Gas) eine herausragende Marktstellung erarbeitet. Katar lieferte dem Weltmarkt im vergangenen Jahr mehr als 77 Millionen Tonnen LNG, das sind rund 30 Prozent der Gesamtmenge. Das Gas wird auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt und mit Schiffen zu den Terminals in Europa oder Asien gebracht. Dort wird es wieder in Erdgas umgewandelt und in die Netze eingespeist oder direkt als Kraftstoff für Schiffe oder schwere Lkw oder zur Stromerzeugung verwendet.

In Deutschland gibt es noch kein LNG-Terminal; die Versorgung für einige wenige deutsche Verbraucher läuft über Rotterdam, das ebenfalls von Katar beliefert wird. „Wir erleben beim Öl wie beim Gas eine Schwemme“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID in Hamburg. „Der europäische Markt ist – auch über Pipelines – reichlich versorgt.“ Selbst wenn sich die Krise auf bislang unbekannte Weise verschärfen sollte, wären die Lieferungen aus Katar wohl ersetzbar. Insgesamt steuert das Emirat trotz seiner starken Position bei LNG kaum mehr als fünf Prozent zur Welt-Gasversorgung bei. Europa bekommt importiertes Erdgas überwiegend aus Russland.

An diesen Konzernen ist Katar beteiligt
Investment-Großmacht
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Das kleine Golf-Emirat Katar gilt wegen seines Öl- und Gasreichtums als eines der reichsten Länder der Welt. Es ist ein gefragter Investor mit Beteiligungen an renommierten deutschen, aber auch an etlichen anderen internationalen Großkonzernen. Die katarische Dachgesellschaft für diese Beteiligungen, die Qatar Investment Authority (QIA), zählt zu den 15 größten Staatsfonds. Die QIA sieht sich selbst als globalen Investor, der seine Gelder in einer breiten Palette von Vermögensklassen und Branchen in allen Teilen der Welt anlegt. Eine Auswahl der bekanntesten Firmenbeteiligungen.

Quelle: Reuters, Bloomberg

Accor
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Am größten europäischen Hotelkonzern, bekannt für Marken wie Ibis, Mercure oder Novotel, hält der Investmentfonds rund 10 Prozent der Aktien. Marktwert: 1,4 Milliarden Dollar.

Agricultural Bank of China
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Die Bank ist eines der größten Kreditinstitute Chinas. Der Fonds aus Katar ist an dem Unternehmen mit knapp 8 Prozent beteiligt. Marktwert: 1,15 Milliarden Dollar.

Barclays
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Knapp 6 Prozent der Aktien der britischen Großbank sind im Besitz des Fonds. Marktwert: 2,8 Milliarden Dollar.

BHP Billiton
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Die Kataris halten rund 1,8 Prozent an dem australisch-britischen Rohstoffkonzern. Dieser Anteil ist etwa eine halbe Milliarde Dollar wert.

Credit Suisse
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An der Schweizer Großbank sind die Investoren aus Katar mit 5 Prozent beteiligt. Das entspricht einem Marktwert von etwa 2,8 Milliarden Dollar.

Glencore
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2012 schlossen sich die Konzerne Glencore und Xstrata zu einem neuen Rohstoffriesen mit Sitz in der Schweiz zusammen. Die Kataris halten hier rund 8,5 Prozent der Anteile, was etwa 4,5 Milliarden Dollar entspricht.

Auch Steffen Bukold von der kritischen Plattform EnergyComment verweist auf die fundamentale Marktverfassung. „Generell ist die Lage auf dem Gasmarkt sehr entspannt.“ Würden jedoch die Fahrpläne der Tanker gestört und die Lieferungen eingeschränkt, dann wäre das Herz der Wirtschaft Katars getroffen. „Das wäre ein Wirtschaftskrieg, aber bislang läuft das eher auf diplomatischer Ebene.“

Verharmlosen oder Herunterreden wollen die Experten die Krise zwischen Katar und Saudi-Arabien jedoch auch nicht. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Katar wird eine Verbindung zum internationalen Terrorismus unterstellt. „Konflikte in der Region sind immer schlecht“, sagt Wiek. Dort liegen große Mengen fossiler Energieträger, die noch dringend benötigt würden – auch wenn sich viele Länder stärker den erneuerbaren Energieträgern zuwenden. Auf Öl und Gas kann die Welt noch lange nicht verzichten.

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  • dpa
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