Katar-Krise Sieben Forderungen, die Krieg bedeuten können

Kaum Chancen auf einen Kompromiss: Katar wird die Forderungen seiner Nachbarstaaten nicht erfüllen. Nun dürften Sanktionen folgen und eine lang anhaltende Konfrontation am Golf – mit Folgen für die deutsche Wirtschaft.
Update: 04.07.2017 - 08:02 Uhr 7 Kommentare

Katar-Krise: „Die Terrorfinanzierung muss beendet werden“

Katar-Krise: „Die Terrorfinanzierung muss beendet werden“

BerlinWenn saudi-arabische Top-Offizielle an diesem Dienstag über Katar reden, dann schwingt derselbe Hass mit wie bei ihren Reden über den Erzfeind Iran. Das ist aber erst seit dem 5. Juni so – dem Tag, an dem Katars arabische Nachbarn das kleine Emirat blockierten, alle Luft-, See- und Landwege abschnitten sowie die diplomatischen Beziehungen abbrachen.

Nun hat Katar bis Mittwochmorgen Zeit, den Forderungskatalog Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrains und Ägyptens zu erfüllen. Am Mittwoch wollen die Außenminister der vier Blockade-Länder in Kairo über ihr weiteres Vorgehen gegen Katar beraten. Und die Antwort der katarischen Regierung in Doha auf ihren 13 Punkte umfassenden Forderungskatalog prüfen, die der katarische Außenminister am Montag dem Herrscher von Kuwait, Scheich Sabah, übergab. Er vermittelt zwischen den verfeindeten Staaten.

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist gerade auf großer Tour durch den Nahen Osten, seit Wochen spricht er bereits mit den Kontrahenten, ob bei persönlichen Treffen in Berlin und Wolfenbüttel oder per Telefon. Nun also vor Ort: Am Montag traf der deutsche Vizekanzler in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda ein, wo König Salman, die Regierung und die ganze Entourage dem heißen Sommer in der Hauptstadt Riad entfliehen. Ein Treffen mit Außenminister Adel al-Jubeir, dann ging es weiter zur Führung der VAE in Abu Dhabi, anschließend nach Kuwait und Katar.

„Mein Eindruck ist, dass jetzt doch alle Seiten bemüht sind, einen Raum zu finden, in dem man sich verständigen kann“, sagte Gabriel am Dienstagmorgen in Abu Dhabi. „Aber soweit sind wir noch nicht.“ Offiziell will der Außenminister gar nicht als Vermittler auftreten. Aber die Pendeldiplomatie ist eine deutsche Stärke. Er unterstütze „mit Nachdruck“ Kuwait bei den Vermittlungsversuchen. Das Schicksal der Region und der Konflikt „betrifft auch uns und unsere Interessen“, betonte der SPD-Politiker. In Dschidda unterstrich er nach seinem Treffen mit al-Jubeir die Notwendigkeit zur gemeinsamen Bekämpfung von Terrorfinanzierung. Das ist der offizielle Vorwurf, den die vier Blockade-Staaten gegen Katar erheben.

Inoffiziell geht es noch viel weiter: Katar mische sich massiv in die Politik Saudi-Arabiens, der VAE, Ägyptens und Bahrains ein, heißt es von Top-Offiziellen. Ob Finanzierung eines Anschlags auf die heilige islamische Stadt Mekka, Unterstützung schiitischer Oppositioneller gegen den sunnitischen König von Bahrain oder die Hilfe für die Moslembruderschaften in Ägypten oder den VAE.

Die Moslembruderschaften würden dort politischen Islam und Wahlen gegen Monarchie oder Militärherrschaft propagieren. In Saudi-Arabien sollen die Kataris angeblich die mutigen Umbaupläne des Kronprinzen Mohammed bin Salman durch Propaganda bezahlter Kritiker torpedieren. Hinter all dem soll das aufgrund seiner gigantischen Gasreserven megareich gewordene Land stehen, das nicht wisse wohin mit seinem überbordenden Ego. Katar wolle beweisen, dass es alle und alles kaufen könne, verlauten Offizielle der Contra-Seite – ob Fußball-WM in glutheißer Wüste oder scharfe Kritik in den Bruderländern.

Offiziell umfasst die Forderungsliste an Katar 13 Punkte. Sie sei so gestrickt, dass Katar sie ablehnen müsse, kritisierte Katars Außenminister Mohammed Abdulrahman Al-Thani schon bald nach der Veröffentlichung vor nun elf Tagen. Inzwischen wurde er konkreter und ließ in seiner an Kuwaits Herrscher übergebenen offiziellen Antwort seines Landes wissen, dass Katar viele Forderungen gar nicht erfüllen könne: Die geforderte Auslieferung iranischer Revolutionsgarden-Vertreter scheitere schon daran, dass sie sich gar nicht in Doha aufhielten. Das sind die Hauptforderungen an Katar:

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7 Kommentare zu "Katar-Krise: Sieben Forderungen, die Krieg bedeuten können"

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  • Derweil stirbt die Zivilbevölkerung (nicht nur) im Jemen aufgrund des kriegsbedingten Zusammenbruchs der Gesundheits- und sonstigen Infrastruktur und der dort seit Monaten grassierenden Choleraepidemie wie die Fliegen.

  • Was Gabriel da sollte, weiß wohl keiner. Dass aber durch krisengestützt ansteigende Ölpreise auch die Frackingindustrie der USA profitieren würde, das weiß jeder.

  • Zwischen diesen arabischen Staaten wird es sicher keinen Krieg geben: "Aber die Pendeldiplomatie ist eine deutsche Stärke." Selten so gelacht! Steinmeier flog von Teheran nach Riad...auch Gabriel sitzt viel im Flugzeug und bereits die Welt. Die Welt der Diplomatie gehört aber gerade nicht zu seinen Kernkompetenzen...worin die liegen, ist allerdings noch unklar!

  • Letztlich finanziert doch jeder der arabischen Staaten offiziell oder inofiziell irgendwelche Gruppierungen und versucht Einfluß auf andere Länder zu nehmen. Vor allem das Ungleichgewicht zwischen den Großen und ganz Kleinen lässt vermuten, dass es nicht zu einem ernstahft großen Krieg kommt. Immerhin hat Katar nur 227.000 Einwohner. Sie wären voll und ganz vom Iran abhängig. Und der Ist ja am wirtschaftlich Erneuern nach dem Atomdeal und bereits im Jemen, Syrien und wer weiss wo noch gebunden. Ob da Kapazitäten für größere militärische Scharmützel vorhanden sind?

  • Ich erachte einen Krieg auf der arabischen Halbinsel als unrealistisch. Saudi Arabien ist auf dem Papier eine militärische Grossmacht. Die bisherigen militärischen Erfolge Saudi Arabien sind jedoch sehr bescheiden. In Khatar befindet sich eine bedeutende Militärbasis. Der Iran als militärisch erfolgreichere Nation stünde möglicherweise auf der Seite Khatars.

    Insofern wird das ganze mit einem arabischen Theater mit irgendwelchen Sanktionen die dann irgendwann nicht mehr umgesetzt werden, enden. Hoffentlich werden sich die arabischen Brüder irgendwann wieder vertragen.

  • Sollte es zum Krieg kommen im Arabischen Raum , dann stehen der Iran,Türkei,Katar auf der einen Seite und die anderen Golfstaaten mit den Saudis auf der anderen Seite, Die Amerikaner können sich in so einem Konflikt nicht lange raushalten wenn Saudi Arabien bedroht ist zu verlieren. Zum Glück ist ein Krieg
    überhaupt nicht möglich , eine paar Raketen und Flugzeugangriffe sind möglich,aber das Armeen gegeneinander marschieren , geht schon von der Geographie nicht. Die Türken müssen aber aus Katar verschwinden, wo sie sind bekommt man sie freiwillig nie wieder weg und sind eine Bedrohung wie man um die Türkei sieht.

  • Die für Katar unannehmbaren saudischen Forderungen ähneln, von der Art und Weise des Vorgehens, dem Ultimatum der Österreich Ungarischen Monarchie an Serbien im Juli 1914 nach der Ermordung des österreichischen Erzherzogs Franz Ferdinand. Auch die damaligen Forderungen Österreich-Ungarns, waren bewusst unannehmbar für das Königreich Serbien, um einen Krieg gegen Serbien zu rechtfertigen. Wir alle wissen, was sich hieraus im Juli 1914 letztendlich entwickelte.
    Für die heute bestehenden akuten geopolitischen Spannungen in der Welt kann sich dieser Konflikt nicht minder gefährlich entwickeln. Die diplomatischen Bemühungen des deutschen Außenminister Gabriel zur Deeskalation des Konfliktes, sind für mich ein Kennzeichnen von Geschichtskenntnis und verantwortungsbewusstes Handel der deutschen Regierung.

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