Kehrtwende in Rom Berlusconi kapituliert

Die Krise ist abgewendet: Berlusconi gibt dem Druck aus den eigenen Reihen nach und unterstützt bei der Vertrauensabstimmung Ministerpräsident Letta. Es ist eine krachende Niederlage für den Cavaliere. Ein Kommentar.
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Die parteiinterne Niederlage wiegt für Silvio Berlusconi schwer. Quelle: dpa

Die parteiinterne Niederlage wiegt für Silvio Berlusconi schwer.

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Ja, Nein, Doch, Doch nicht. Silvio Berlusconi spricht dem amtierenden Premierminister Enrico Letta das Vertrauen aus. Viel Lärm um nichts also? In diesen Tagen hat der verurteilte Anführer der PdL-Partei fast im Stundenrhythmus seine Strategie geändert. Erst am Montag ließ er seine Minister offiziell den Rücktritt einreichen.

Als er dann am Dienstag merkte, dass es einige Dutzend Parlamentarier ernst meinen mit der Abspaltung, lenkte er ein und ließ durchblicken, dass er vielleicht doch nicht die Regierung stürzt. Dann, am heutigen Mittwochmorgen wieder ein klares Nein zum Vertrauensvotum und Schelte für die Abtrünnigen und schließlich am Mittag, am Ende seiner Rede im Senat, die er eigentlich gar nicht halten wollte: ein Ja.

Katharina Kort

Katharina Kort ist Handelsblatt-Korrespondentin in New York.

Während sich mit dem nun sehr wahrscheinlichen positiven Vertrauensvotum formell nichts an der Regierungskoalition ändert, ist es für Silvio Berlusconi eine tiefe Niederlage. Er musste eingestehen, dass er in seiner Partei nicht mehr die Gefolgschaft hat, auf die er sich zu stützen glaubte. Die Namen der Verräter – oder unabhängigen Köpfe – sind nun offiziell. Und dazu gehört auch der einstige Ziehsohn und Vizepremier Angelino Alfano. Ein schwerer Schlag für den einst Allmächtigen.

Berlusconi ist angeschlagen. Ob nun auch das Parlament ihm in den kommenden Tagen den Sitz offiziell entzieht, weil er als Verurteilter nicht mehr im Senat sitzen darf,  spielt dabei keine Rolle mehr. Das hätte innerhalb von wenigen Wochen ohnehin das Gericht erledigt. 

Berlusconi hat nicht umsonst seinen Wohnsitz in den Palazzo Grazioli nach Rom verlagert. Er hat sich innerlich schon auf den Hausarrest eingestellt. Aber er wollte eine öffentliche Protestaktion. Doch die entpuppte sich als öffentlicher Flop.

Aber auch für Letta ist es ein schlechtes Ergebnis. Die PdL hat sich nicht gespalten und Letta muss jetzt weiter mit Berlusconis Flügel regieren und nicht nur mit jenen, die ihm den Rücken kehren. Das wäre leichter gewesen.

Und wer weiß, wann Berlusconi das nächste Mal den Stecker ziehen will? Das kann er auch aus dem Hausarrest im Regieraum des Palazzo Grazioli.

Eine Abstimmung nicht gegen jemanden, sondern für Italien!

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10 Kommentare zu "Kehrtwende in Rom: Berlusconi kapituliert"

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  • Die Frage ist, ob Berlusconi etwas dafür erhalten hat. Falls ja, dann ist er der Sieger. Falls nein, dann geht er geschwächt daraus hervor. Ich tippe aber eher auf Fall 1.

    Die Eurofanatiker sind halt sehr erpressbar, wollen sie doch ihre Fehlkonstruktion "Euro" um jeden Preis behalten. Jetzt muss sich auch das italienische Gericht "bewegen", damit der "Euro" überlebt.

    Der Euro: Das Goldene Kalb!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • halte nicht dagegen
    ich bin dafür

  • Eine Schlacht ist verloren, der Krieg noch nicht
    oder
    Nach der Krise ist vor der Krise

  • Nichts was in der Politik passiert ist Zufaellig!

  • Die Krise ist abgewendet? So ein Schmarrn. In zwei Wochen hat Italien die nächste Krise.
    Wer hält dagegen.

  • Wer eine Schlacht nicht gewinnen kann, zieht sich intelligenter Weise auf die ursprüngliche Linie zurück und akzeptiert eine kleine Niederlage. Die Unzuverlässigen in den eigenen Reihen sind nun bekannt und nach dem einen Jahr Hausarrest werden die geschärften Messer für diese bereit sein. Die Abrechnung wird vor allen Gefolgsleuten zelebriert, wenn schon längst Gras über die Sache gewachsen ist und die Rache wird ohne Mitleid eiskalt serviert werden. Nur die Biologie könnte da noch dazwischen funken. Letta hat jedenfalls nichts gewonnen, er hat lediglich den Status Quo halten können, wäre er aufs Ganze gegangen hätte er Berlusconi entscheidend für alle Zukunft schwächen können, so aber kann in einem oder anderthalb Jahren die nächste und dann tatsächliche Entscheidung notwendig werden.

  • Da ist bestimmt etwas ausgehandelt worden, was auch Berlusconi zu Gute kommt. Zustimmung für Haftverschonung etc. Sicher werden sich die Eurofanatiker schon einen Deal ausgedacht haben, damit Italien nicht ins Chaos stürzt. Das wäre für die Eurofanatiker brandgefährlich und so wird man Druck ausgeübt haben auf die italienische Justiz. Damit man Berlusconi verschont, wenn dafür sorgt, dass Italien regierungsfähig bleibt. Damit das nicht auffällt sollten eben erst die Minister seiner Partei der Regierung ihre Unterstützung zusichern. Und nun muss Berlusconi gezwungener Maßen auch zustimmen, weil er den Rückhalt in der eigenen Partei verliert. So fädelt man das geschickt ein ! Und so kann man den Kuhhandel, der bestimmt stattgefunden hat, schön verschleiern !!

  • Jetzt hat er sich eine Bunga Bunga-Einlage wohl verdient.

  • Von einer Kapitulation B's kann imao derzeit absolut nicht die Rede sein: die Vorläufigkeit seines Rückzuges kann und sollte nicht übersehen werden.

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