„Keine Investitionen“ Deutsche Industrie gibt Griechenland verloren

Der DIHK-Geschäftsführer zeichnet ein düsteres Bild: Mit deutschen Investitionen kann Griechenlands trotz der Sparbemühungen nicht rechnen - zu unsicher ist der Verbleib in der Euro-Zone. In Athen wächst der Widerstand.
Update: 09.02.2012 - 14:01 Uhr 17 Kommentare
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben. Quelle: dapd

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben.

(Foto: dapd)

Berlin/AthenDas wirtschaftlich am Boden liegende Griechenland kann vorerst nicht auf deutsche Investitionen hoffen. „Im Moment investiert dort erst mal keiner weiter, weil niemand weiß, ob der Euro bleibt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag in Berlin. Dazu geselle sich ein „völliger Vertrauensverlust in die Strukturen des Staates“. Wansleben sprach sich dafür aus, Griechenland mit EU-Mitteln zu helfen und auf diese Weise für dringend benötigte Wachstumsimpulse zu sorgen.

Das Drama um die Rettung Griechenlands geht derweil in die nächste Runde. Ein wichtiges Treffen zwischen dem griechischen Ministerpräsidenten Lukas Papademos und den Inspektoren der Troika ging am Donnerstagmorgen ohne endgültigen Durchbruch zu Ende. Finanzminister Evangelos Venizelos sagte, der Hauptstreitpunkt – Kürzungen bei den Renten – sei nicht gelöst worden. Ein Regierungsvertreter sagte, die Troika habe Griechenland eine Frist von 15 Tagen gewährt, um auch in der Rentenfrage eine Einigung zu erzielen. Strittig sind Kürzungen im Umfang von 300 Millionen Euro.

Venizelos appellierte an die Koalitionsspitzen, ihre Differenzen rasch beizulegen. Griechenlands „Überleben in den kommenden Jahren“ hänge von dem internationalen Hilfspaket und einer Schuldenschnitt-Einigung mit den privaten Gläubigern ab. „Es wird darüber entscheiden, ob das Land in der Eurozone bleibt oder ob sein Platz in Europa gefährdet sein wird“, sagte der Minister. „Es ist kein Raum mehr für weiteren Opportunismus: Wir müssen den Griechen in die Augen sehen, uns das nationale Interesse anschauen und die Interessen unserer Kinder.“

Der konservative Abgeordnete und frühere Regierungssprecher Evangelos Antonaros erklärte, die Rentenfrage sei wichtig, da sie Menschen mit geringem Einkommen betreffe. „Uns wurden 15 Tage eingeräumt, um eine Alternative zu finden. Ich hoffe, wir werden zu einem Ergebnis kommen,“ sagte Antonaros dem staatlichen Radiosender NET.

Venizelos will noch am heutigen Donnerstag nach Brüssel reisen, wo um 18 Uhr die EU-Finanzminister zusammenkommen sollen. Vorher müsse eine Lösung gefunden werden, sagte Venizelos. Ob ein weiteres Treffen zwischen Papademos und den Vorsitzenden der drei regierungsstützenden Parteien geplant war, war zunächst nicht bekannt.

Bei dem Treffen der Finanzminister wird nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen keine Entscheidung zu Hilfen für Griechenland getroffen. Dafür fehle derzeit noch die Grundlage, hieß es am Vormittag in Berlin. „Es wird keine Entscheidung geben“, sagte ein mit der Vorbereitung des Treffens vertrauter Regierungsvertreter.

„Frau Merkel treibt die Griechen in die Verzweiflung.“
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17 Kommentare zu "„Keine Investitionen“: Deutsche Industrie gibt Griechenland verloren"

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  • Was sich im Moment in Griechenland abspielt, es wird sich in naher Zukunft in anderen EU-Ländern wiederholen. Die Lunter brennt bereits, da politisch Verantwortliche allerorten mit denen zusammen arbeiten, die das Desaster entfachten. Nicht mehr, nicht weniger. Überhaupt, wie war das noch mit den Heuschrecken?

  • ja klar, nur wie die Dinge dann tatsächlich sich entwickeln ist oft schwer vorrauszusagen, z.B. haben sich die osteuropäischen Statten als recht tüchtig erwiesen (außer Ungarn). Das hätte auch schief gehen können. Griechenland und Portugal hat die EU letztendlich nicht gut getan, aber Irland ist von ziemlich arm jetzt recht wohlhabend (trotz Bankdisaster). Welches Land in und von der Eu-Mitgliedschaft profitiert oder nicht, sieht man erst später... zu spät manchmal.

  • Einen großen Beitrag an dem ganzen Desaster haben auch die Bürokraten und Politiker in Brüssel zu verantworten! Dass außerdem nationale Regierungen den Weg unterstützt und befeuert haben, auch und unter anderem unser vormalige Kanzler Schroeder und Konsorten, steht auch außer Frage. Und das alles Jahrzehnte lang, gegen alle Warnungen und Kritik angesehenster Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschafts- und Finanzexperten etc.
    Also gehört zeitgleich auch in Brüssel mit eisernem Besen gekehrt.
    Und da wir Deutschen den Kurs in Brüssel mitgetragen haben: Selbst Schuld! Es wird Zeit, hier in den Medien mal Ross und Reiter zu nennen, wer seitens der deutschen Politik in den letzten 10 Jahren maßgeblich an der Brüsseler Politik beteiligt war...

  • Genau richtig, und daher ist die Überschrift „Frau Merkel treibt die Griechen in die Verzweiflung“ auch kompletter Propaganda-Unsinn.

    Was wirklich in Griechanland läuft kann man da lesen:
    http://www.welt.de/kultur/history/article13857775/Griechenlands-Beamte-machten-den-Staat-zur-Beute.html

  • Niko: alles richtig, bis dass der europ. Steuerzahler sehr wohl schon erheblich blutet: die Abschreibungen der Banken verringern deren Steuerleistung, falls die EZB auch was nachläßt kostet es wieder aliquot. Richig ist, dass viel zu lange nicht hin geschaut wurde (mangelde Verantwortung der EU-Politik). Ich glaube auch nicht, dass man hier die Griechen generell als faul ansieht, aber eben nicht als Unternehmergründer, halbwegs ehrliche Steuerzahler und wenn man jetzt über die Strukturen und wirtschafliche Potenz redet, dann fragt man sich wieso der Lebensstandart eigentlcih höher als in Ägypten, Albanien, Macedonien, Bulgarien liegen sollte..woher? was ist dort besser?

  • @profit: Was diese Punkte angeht widerspreche Ihnen nicht und kein normaler Mensch macht das. Und ja, wir schmipfen auch auf das was bei uns passiert, ganz klar - so lange es aber Menschen gibt, die mit diesem System gut fahren geht keiner auf die Barrikaden. Ist das in D so anders?

    Dass D in einer anderen Kathegorie spielt wissen wir in GR schon seit ich ein Kind bin, da gibt es keinen Neid sondern nur Bewunderung, wenn jetzt vereinzelte, zumeist Linke-Autonome in GR mit Reparationen und NAzivergleichen anfangen dann dient das dem Populismus ähnlich dem dt. Politiker um einfach mal dem Volksmund nachzuäffen.

    In GR sind die Leute nicht anders PROFIT. Wir passen uns an, weil wir es wollen und können und uns das Leben dadurch täglich erleichtert wird.

    Was Sie da über die Ausrichtung D sagen ist zwar Finanzpolitisch korrekt, bedenken Sie aber, dass die Gefahr besteht sich immer weiter zu isolieren.

  • @profit: Was diese Punkte angeht widerspreche Ihnen nicht und kein normaler Mensch macht das. Und ja, wir schmipfen auch auf das was bei uns passiert, ganz klar - so lange es aber Menschen gibt, die mit diesem System gut fahren geht keiner auf die Barrikaden. Ist das in D so anders?

    Dass D in einer anderen Kathegorie spielt wissen wir in GR schon seit ich ein Kind bin, da gibt es keinen Neid sondern nur Bewunderung, wenn jetzt vereinzelte, zumeist Linke-Autonome in GR mit Reparationen und NAzivergleichen anfangen dann dient das dem Populismus ähnlich dem dt. Politiker um einfach mal dem Volksmund nachzuäffen.

    In GR sind die Leute nicht anders PROFIT. Wir passen uns an, weil wir es wollen und können und uns das Leben dadurch täglich erleichtert wird.

    Was Sie da über die Ausrichtung D sagen ist zwar Finanzpolitisch korrekt, bedenken Sie aber, dass die Gefahr besteht sich immer weiter zu isolieren.

  • @ Nikos35: Ich akzeptiere Ihren Beitrag. Ich habe von Griechenland und der dortigen Bevölkerung gesprochen. In Deutschland lebende und arbeitende Griechen sind hiervon zumeist auszunehmen, weil sie sich hier natürlich anpassen und das System des Gastlandes (viele sind "Deutsche" geworden) respektieren, ja sogar zumeist begrüßen. Wie oft höre ich von in Griechenland geborenen Menschen, daß sie selbst eine Wut auf ihr (ehemaliges) Land haben und meine Position sehr oft teilen. Man denke nur an die ganze Korruption, an die Oligarchen, die verdammten, schändlichen Parteibonzen, die einen an Aristokraten (Papandreou der Dritte) des 18. Jh. denken lassen. Was her muß in Griechenland ist: Selbstreinigung und Selbstbesinnung, bevor man die Schuld bei Anderen sucht. Griechenland hat Milliarden-Subventionen wie kein zweites Land bekommen. Wo sind die Gelder geblieben? Wenn man so etwas naives wie "Marshall-Plan" schon hört... Den gibt es seit dreissig Jahren! Noch etwas: Deutschland spielt in einer anderen Liga: Unsere Herausforderung oder Orientierungspunkt ist nicht (!!!) Europa, sondern USA, China, Rußland, Korea, Japan, etc. Selbst U.K. und Frankreich sind zurückgefallen. Welche Europäer, wenn nicht Deutschland, können denn im Weltmaßstab noch mithalten? Irgendwann müssen die anderen Europäer das mal kapieren. Deutsches Geld in Griechenland und sonstwo zu verschwenden, können wir uns nicht mehr lange leisten, wollen wir nicht auch noch am Fliegenfänger hängen. Griechenland kehre radikal um oder gehe unter!

  • wir sind ja uns ja wohl einig, dass der fabrizierte Mist in GR zu 80-90% Eigenverschuldet ist. Da gibt es nichts schönzureden, dass ist die Tatsache. Der Witz ist doch, dass laut Schäuble bisher kein einziger Cent nach GR geflossen ist, der Steuerzahler noch gar nicht belastet wurde jedoch an Zinsen für D letztes Jahr ein mächtiger Brocken eingefahren werden konnte. Ich verstehe jeden der sich darüber aufregt, ich tue es ja auch - aber mich als arrogant, faul und korrupt darstellen zu lassen halte ich für sehr extrem zumal sich bis vor 2009 keiner mit uns auseinandergesetzt hat. Das stört mich und meinesgleichen am Meisten. Ihr seht die Bilder derjenigen, die vom System profitiert haben und denkt, dass das alle waren, das stimmt doch vorn und hinten nicht. Seht Euch doch mal die Statistiken meiner Landsleute in D an. Nach den Polen die Ausländergruppe mit den meisten Bildungsabschlüssen und mit gehobenen Job-Niveaus, gleichzeitig mit die wenigsten Arbeitslosen oder gar H-IV Empfänger......Das stört mich.

  • Klar sind wir die Hauptkritiker der Geldverschwendung in Griechenland. Wir sind die Hauptfinanzierer! Was soll sich ein anderer PIGSI-Staat aufregen? Die bezahlen ja nichts! Diese Länder können Griechenland auch nicht ernsthaft kritisieren, da sie keinen Deut besser sind.

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