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Ken Follett, Kate Mosse, Jojo Moyes und Lee Child Britische Bestsellerautoren: „Wir schämen uns für den Brexit“

Der Brexit spaltet die Insel. Die Bestsellerautoren Ken Follett, Kate Mosse, Jojo Moyes und Lee Child gehen nun auf eine Europatour, um sich für ihre Landsleute zu entschuldigen.
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Der britische Bestsellerautor Ken Follett geht gemeinsam mit seinen Kollegen Kate Mosse, Jojo Moyes und Lee Child auf Brexit-Entschuldigungstour. Quelle: dpa
Ken Follett schimpft auf den Brexit

Der britische Bestsellerautor Ken Follett geht gemeinsam mit seinen Kollegen Kate Mosse, Jojo Moyes und Lee Child auf Brexit-Entschuldigungstour.

(Foto: dpa)

Schon vor drei Jahren stimmten rund 17,4 Millionen Briten bei dem historischen Referendum für den EU-Austritt. Und noch immer hängt der Brexit wie eine dunkle Wolke über Europa. Auf dem Kontinent galt die Entscheidung von Anfang an als Fehler, aber auch auf der Insel wächst die Unzufriedenheit.

Vier weltbekannte britische Schriftsteller wollen nun etwas gegen die Entfremdung zwischen Briten und Europäern tun. Im November reisen Ken Follett („Die Säulen der Erde“), Kate Mosse („Das verlorene Labyrinth“), Jojo Moyes („Ein ganz neues Leben“) und Lee Child („Jack Reacher“-Serie) auf einer „Friendship Tour“ durch Europa. Gemeinsam treten sie auf Bühnen in Mailand, Madrid, Berlin und Paris auf. Bei den Lesungen wollen sie mit lokalen Schriftstellern und Zuhörern diskutieren – auch über den Brexit.

„Wir schämen uns für die vergangenen drei Jahre“, sagte der Initiator Ken Follett am Dienstag vor ausländischen Journalisten in London. „Und wir sind wütend. Wir fühlen, dass die Briten den Eindruck vermitteln, die anderen Europäer nicht zu mögen.“ Mit der Tour wollten sie ihren europäischen Lesern ihre Wertschätzung beweisen. Sie selbst stünden schließlich auf den Schultern „europäischer Giganten“ wie Johann Wolfgang von Goethe und Victor Hugo.

Das Brexit-Referendum sei der „größte Fehler der Geschichte“ gewesen, sagte Child per Videoschalte aus New York. Angesichts nationalistischer Bewegungen auf dem Kontinent wollten sie den Europäern zurufen: „Seid wachsam, tretet nicht in die Falle, in die wir getreten sind!“

Er wolle die Europäer daran erinnern, dass nur eine knappe Mehrheit der Briten für den Brexit gestimmt habe, sagte Child. „Es gibt noch eine andere Hälfte.“ Auf die Frage, was sein Romanheld Jack Reacher vom Brexit hielte, sagte Child: „Reacher ist rational. Er wäre der Erste, der sagen würde, das ist eine lächerliche Idee. Er weiß, wie eng die Welt vernetzt ist.“

Attacke gegen Boris Johnson

Child nannte es auch „eine grässliche Vorstellung“, dass der „lächerliche Lügner Boris Trump“ bald als neuer Premierminister in der Downing Street sitzen könnte. Gemeint war natürlich Boris Johnson, dessen Politikstil immer wieder zu Vergleichen mit US-Präsident Donald Trump führt.

Die vier Autoren beklagten sich auch über die Brexit-Berichterstattung in europäischen Zeitungen. Wie in den britischen Medien werde häufig nur ein Teil der Geschichte erzählt, sagte Kate Mosse. Dabei seien nicht alle Briten EU-Gegner. „Wir sind die 48 Prozent.“

Und auch wenn Großbritannien künftig politisch nicht mehr zur EU gehöre, wolle man doch Teil von Europa sein. In ihrer Erfahrung hätten Europäer und Briten sehr viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. „Ich bin sehr englisch und stolz darauf, Britin zu sein“, sagte Mosse. Aber sie sei erst im französischen Carcassonne, ihrem zweiten Wohnsitz, zur Schriftstellerin geworden.

Moyes sagte, der Brexit sei für sie „eine Erfahrung extremer Traurigkeit“. Es deprimiere sie, dass ihre drei Kinder nicht die gleichen Chancen haben sollten wie sie selbst. Sie wisse, dass sie nach dieser Pressekonferenz „tonnenweise Beschimpfungen in den sozialen Medien“ erwarteten. Sie erinnere sich jedoch immer an die Zeit, als sie noch keine erfolgreiche Schriftstellerin war. Erst in Deutschland sei eins ihrer Bücher zum Bestseller geworden.

Die vier mussten sich fragen lassen, warum sie ausgerechnet mit den Europäern reden wollten, die doch ohnehin ihrer Meinung seien. Wäre es nicht zielführender, ihre eigenen Landsleute zu überzeugen? „Ich glaube nicht, dass ich die geringste Chance hätte, die Leaver in diesem Land umzustimmen“, sagte Follett. „Es geht nicht darum, die Briten zum Bleiben zu bewegen. Dieser Zug ist abgefahren.“ Es gehe darum, den Europäern zu zeigen, dass nicht alle Briten so fühlten.

Mehr: Boris Johnson erscheint wie der sichere Sieger im Duell um den Posten des Premiers. Doch seinem Gegner Jeremy Hunt bleibt noch eine Hoffnung, den Favoriten zu schlagen.

Brexit 2019
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