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Kim Jong Un Tausende wollen ein Foto mit Nordkoreas Machthaber – das Geschäft mit dem „Kimitator“

Ein Mann aus Hongkong ahmt Kim Jong Un nach – und ist mittlerweile eine Massenattraktion. Wie ein Deutscher versucht, daraus Profit zu schlagen.
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Hinter dem Auftritt der beiden Imitatoren steckt ein ausgeklügeltes Geschäftskonzept. Quelle: dpa
Doppelgänger

Hinter dem Auftritt der beiden Imitatoren steckt ein ausgeklügeltes Geschäftskonzept.

(Foto: dpa)

SingapurFür ein Selfie mit Kim Jong Un stehen in Singapur Hunderte Menschen stundenlang in der Schlange. Am Ende erwartet sie zwar nicht der echte Diktator aus Nordkorea, aber dafür ein Mann, der fast genauso aussieht. Er nennt sich Howard X und ist der wohl bekannteste Doppelgänger Kims.

Während das Original am Sonntagnachmittag mit einer Limousine umringt von Bodyguards vor dem Gipfeltreffen mit Donald Trump zu seinem Hotel gebracht wird, posiert Howard mit schwarzem Anzug und Kim-Jong-Un-Haarschnitt in einem Einkaufszentrum zusammen mit einem Trump-Imitator für Fotos. Mal streckt er den Daumen vor die Linse, mal tut der Mann im Diktatorenkostüm so, als würde er die Person neben sich erwürgen.

Der deutsche Unternehmer Hannes Maximo Santana hält sich während des Spektakels im Hintergrund. Als der Andrang zu den Doubles nach drei Stunden noch immer nicht nachlässt, bringt er rund um den Veranstaltungsort handgeschriebene Zettel an: „Closed“. „Es sind viel mehr Menschen gekommen, als wir erwartet haben“, sagt er. Weil die Doppelgänger in der Hitze langsam müde würden, müsse er jetzt aber schließen. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so gut läuft.“

Der 32 Jahre alte Santana, der in Köln Medienwirtschaft studiert hat, lebt seit vergangenem Jahr in Singapur. Er stieg hier als Gründungspartner beim Start-up Vybes ein, das Fans den direkten Kontakt mit Prominenten und Künstlern verkaufen will. Im April startete die App, das Event mit den Imitatoren von Kim Jong Un und Donald Trump ist der erste große Test. Die Gründer wollen wissen: Sind wirklich genug Menschen bereit, für so etwas zu bezahlen?

15 Singapur-Dollar, umgerechnet rund 9,50 Euro, verlangt das Start-up pro Person, um sich ein paar Augenblicke lang zusammen mit den Doppelgängern fotografieren zu lassen. An zwei Tagen hält das Unternehmen die für jeweils zwei Stunden angesetzte Veranstaltung unter dem Namen „The Real Trump Kim Summit“ ab. Am Ende verkaufte er über seine App rund 1000 Selfie-Tickets. 80 Prozent der Einnahmen gehen an die Darsteller. Den Rest behält Vybes.

Das gleiche Geschäftsmodell wählt das Unternehmen für Fankontakte mit anderen Prominenten und Influencern, die in sozialen Medien mindestens 10.000 Follower haben und über die App beispielsweise exklusive Fotos aus ihrem Leben anbieten.

Kim-Jong-Un-Imitator Howard gefällt die Idee. „Ich habe viele Follower auf Facebook, aber ich wusste nicht, wie man daraus Geld machen kann“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Mit der App geht das.“ Bislang waren Unternehmen Howards wichtigste Kunden.

Vor sechs Jahren, kurz nach dem Amtsantritt von Nordkoreas aktuellem Machthaber, begann der Mann aus Hongkong damit, seine äußerliche Ähnlichkeit zu Kim zu Geld zu machen. Er macht Werbespots und lässt sich für TV-Auftritte bezahlen – unter anderem für eine Promoaktion für die ProSieben-Sendung „Schlag den Star“.

Für große Produktionen bekomme er schon mal 10.000 Dollar und mehr, sagt Howard, der seinen vollständigen Namen nicht nennen will. Er trete aber auch für weniger Geld auf, wenn ihn jemand für einen Geburtstag oder ein Firmenevent buchen wolle.

Seine Arbeit als Diktatorendouble ist nicht ganz unproblematisch. Bei einem Besuch der olympischen Winterspiele in Südkorea tanzte er vor den nordkoreanischen Cheerleadern und wurde anschließend aus dem Stadion geworfen. Vor seiner Einreise nach Singapur wurde er von den Einwanderungsbehörden kurzzeitig festgehalten und befragt – unter anderem darüber, ob er an Straßenprotesten in Hongkong teilgenommen hatte. Politische Demonstrationen sind in Singapur nur unter sehr engen Auflagen möglich. Aus Sicht der Behörden kann bereits ein Ein-Personen-Auftritt als illegale Kundgebung gewertet wurden.

Die Behörde hätten ihn aufgefordert, einen Besuch auf der Vergnügungsinsel Sentosa, wo der Gipfel von Donald Trump und Kim Jong Un stattfindet, zu unterlassen. „Ich werde trotzdem hingehen. Es ist nichts Illegales daran. Was sollen sie machen? Mich deportieren? Dann möchte ich die Schlagzeilen sehen: 'Singapur wirft Kim Jong Un raus.'“ Nach seiner Selfie-Aktion in dem Einkaufszentrum fragt ihn eine koreanische Reporterin, ob er glaubt, dass sein Leben in Gefahr sei, weil er sich über Kim Jong Un lustig mache. Howard antwortet gelassen: „Ich bin für das Regime vielleicht nervig“, sagt er. „Aber für einen Anschlag bin ich wohl doch nicht wichtig genug.“

Für die Zukunft kann sich der Diktatorendoppelgänger aber auch Geschäftsmodelle vorstellen, die weniger persönlichen Einsatz erfordern. Zum einen baut er gerade eine Doppelgängeragentur auf – neben Donald Trump habe er auch Wladimir Putin und Barack Obama im Angebot. Zum anderen will er nun digitale Erlösquellen wie die Zusammenarbeit mit Santanas App weiter ausbauen. „Ich könnte zum Beispiel eine persönliche Videobotschaft für eine Hochzeit aufnehmen“, sagt er. „Dafür kann ich dann auch am anderen Ende der Welt sein.“

Für Santanas Start-up, das er zusammen mit einer ehemaligen Managerin von Singapurs Staatsfonds Temasek betreibt, scheint sich die Aktion rund um den Nordkorea-Gipfel gelohnt zu haben. Das Unternehmen will bis Ende des Jahres Investoren für die erste Finanzierungsrunde gewinnen und braucht Aufmerksamkeit. „Wir wollten etwas machen, das provoziert und auffällt“, sagt Santana, der für die Vorbereitung eine Woche Zeit hatte. „Ich glaube, das ist uns mit Kim Jong Uns Hilfe gelungen.“

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