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Klima Eisbärenplage in Siedlungen – Wie Russland die Erderwärmung spürt und umdenkt

Lange hat Russland sich in der Klimadebatte zurückgehalten. Doch nun schlagen Forscher und Regierung Alarm. Eine Ratifizierung des Pariser Abkommens wird wahrscheinlicher.
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Eisbären auf Nahrungssuche auf der Wrangelinsel im arktischen Ozean. Die Insel ist unbewohnt, aber zuletzt wurden auch in russischen Ortschaften häufiger Eisbären gesehen.
Eisbären in Ostrussland

Eisbären auf Nahrungssuche auf der Wrangelinsel im arktischen Ozean. Die Insel ist unbewohnt, aber zuletzt wurden auch in russischen Ortschaften häufiger Eisbären gesehen.

MoskauDie rund 2500 Bewohner von Beluschja Guba, dem Hauptort der Polarinsel Nowaja Semlja, trauen sich kaum noch aus dem Haus. Denn seit Dezember treiben sich 52 Eisbären in der Gegend herum – knapp ein Dutzend davon ständig in der Ortschaft. Und das obwohl Eisbären als Einzelgänger gelten. Auf der Suche nach Nahrung dringen die Raubtiere sogar in die Hauseingänge der Siedlung vor, agieren zum Teil aggressiv. Ende vergangener Woche rief die Gebietsverwaltung wegen der Eisbärenplage den Notstand in Beluschja Guba aus.

Die Eisbärenwanderung habe zwei Ursachen, beide seien mit der Klimaerwärmung verbunden, sagte der Ökologe Alexander Samsonow dem Handelsblatt. Einerseits habe die Population durch den Fischreichtum im Sommer zugenommen, andererseits sei durch die Klimaerwärmung das Eis in der Arktis immer dünner geworden. Der natürliche Jagd- und Lebensraum der Eisbären werde immer kleiner. So sind die Tiere gezwungen, auf das Festland auszuweichen. Im Winter, wenn die Nahrung knapp wird, gehen sie dann in Ortschaften, weil sie dort auf Überreste hoffen.

Die Polarinsel Nowaja Semlja ist nicht der einzige Fleck in der russischen Arktis, an dem Mensch und Tier gefährlich eng zusammenrücken. Ähnliche Berichte gibt es auch von der Halbinsel Tschukotka im äußersten Nordosten Russlands – gegenüber von Alaska. Und selbst auf der Halbinsel Jamal, wo Moskau gerade gewaltige Gaslagerstätten erschließt, sind Eisbären keine Seltenheit mehr.

Die Eisbären sind nur eine Folge, die Russland durch die Klimaerwärmung spürt. Unter den Forschern, in der Wirtschaft und in der Regierung hat deshalb ein Umdenken eingesetzt. Forscher der staatlichen Russischen Akademie der Wissenschaften widersprachen jetzt der in Russland weitverbreiteten These, das Land werde von der Klimaerwärmung durch das Auftauen der Böden in Sibirien sogar profitieren. Sie warnten nun: Ein Auftauen der sibirischen Böden würde den Treibhauseffekt noch einmal massiv verstärken. Eine „Klimabombe“ drohe.

Die Regierung will Unternehmen, die ihren Schadstoffausstoß nicht kontrollieren, künftig zur Kasse bitten. Seit Jahresbeginn werden erstmals Müllgebühren für alle fällig. Und auch in die umstrittene Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens scheint Bewegung zu kommen.

2017 hatte Präsident Wladimir Putin noch Verständnis für Donald Trumps Ausstieg aus dem Vertrag gezeigt. Russland selbst hat das Abkommen von 2015 zwar unterschrieben, aber als eines von wenigen Ländern noch nicht ratifiziert, obwohl das Land für rund fünf Prozent der weltweiten Treibhausemissionen steht.

Doch inzwischen hat Moskau, unter anderem Umweltminister Dmitri Kobylkin, schon mehrfach betont, dass es das Abkommen ratifizieren wolle. Außenminister Sergej Lawrow wollte sich zwar noch nicht endgültig festlegen: Die Entscheidung zur Ratifizierung werde im ersten Quartal 2019 fallen, sagte er. Zugleich verdeutlichte er jedoch die positive Grundhaltung der russischen Führung zum Pariser Abkommen, dass er „als sichere Basis zur langfristigen Lösung des Problems Klimawandel“ lobte.

Selbst die russische Wirtschaft hat inzwischen ihren langanhaltenden Widerstand aufgegeben. In einem Brief an das Umweltministerium hat der Chef des Industriellen und Unternehmerverbandes (RSPP), Alexander Schochin, Mitte Januar konstatiert, die „russischen Produzenten sind an einer Ratifizierung interessiert“, da ansonsten russischen Firmen auf dem Weltmarkt Beschränkungen und der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit drohe. Damit ist die wohl letzte große Barriere genommen und Experten rechnen bis Jahresende mit der Ratifizierung.

Unternehmen müssen Messgeräte einbauen

Wie sehr ein Eindämmen des Klimawandels im eigenen Interesse des Landes ist, zeigen die jüngsten Ergebnisse des Forschungszentrums Krasnojarsk der Akademie der Wissenschaften. Die Wissenschaftler wiesen in einem Experiment nach, dass sich bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad der Ausstoß von Kohlendioxiden aus den Böden verdoppelt.

Zur Untersuchung wurden Bodenproben aus der sibirischen Region Jakutien verwendet. Im Labor modellierten die Forscher den etwa 80 Tage langen arktischen Sommer nach und maßen dabei den Ausstoß von im Boden gespeicherten Kohlenstoffen.

Dabei stellten sie fest, dass unter Normaltemperaturen die kalten Böden zu Beginn des arktischen Sommers viel Kohlendioxid abgeben, zum Ende jedoch sinkt der Kohlendioxidausstoß. Bei einer Temperaturerhöhung von zwei Grad jedoch blieb der Ausstoß während der gesamten 80 Tage fast gleichbleibend hoch. Ein Auftauen der sibirischen Böden würde damit den Treibhauseffekt noch einmal massiv verstärken, so die Warnung der Forscher.

Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, greift die Regierung auch schärfer gegen Umweltsünder unter Unternehmen durch. So will das Kabinett von Premier Dmitri Medwedew Strafen für Unternehmen einführen, die ihren Schadstoffausstoß nicht kontrollieren. Seit dem 1. Januar sollen Industriebetriebe beginnen, entsprechende Messgeräte einzubauen. Wer nach bis zu vier Jahren Übergangszeit keine Messgeräte eingebaut hat oder gar falsche Angaben zu den Ausstößen macht, wird mit 1500 bis 3000 Euro bestraft.

Besonders effektiv ist diese Maßnahme allerdings nicht, meinen Kritiker. Der Unternehmer- und Industriellenverband, ein Lobbyverband der Großindustrie, klagt, dass die Behörden derzeit noch nicht einmal konkrete Forderungen für die Zähler formuliert habe, aber schon mit Strafen drohen.

Die Industrie- und Handelskammer wiederum fürchtet eine Ungleichstellung von großen und kleinen Unternehmen: „100.000 bis 200.000 Rubel (1.500 bis 3.000 Euro) sind für Großkonzerne praktisch nichts. Das wird alles wieder in einer Kampagne und Augenwischerei enden“, befürchtet Sergej Alexejew, der Chef des Umweltkomitees bei der Industrie- und Handelskammer.

Ähnliche Anlaufschwierigkeiten zeigen sich beim Thema Müllentsorgung. Seit Jahresbeginn kassieren die Kommunen Abfallgebühren. Doch die Müllberge sind seither nicht kleiner geworden. Die Unzufriedenheit wächst. Die Politik vertröstet: Bis 2024 sollen in Russland Putin zufolge mehr als 200 Müllwiederaufbereitungsanlagen entstehen. Dazu sind Milliarden an Investitionen einkalkuliert.

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Auf der Polarinsel Nowaja Semlja werden derweil Soldaten des nahe gelegenen Stützpunkts, Arbeiter, aber auch Kinder mit speziell ausgerüsteten Fahrzeugen zur Arbeit oder zur Schule gebracht. In der Siedlung kursieren Patrouillen. Da die Eisbären als vom Aussterben bedrohte Art in Russland nicht abgeschossen werden dürfen, soll nun ein Spezialkommando die Tiere fortschaffen. Das vierköpfige Team sei bereits zusammengestellt.

„Wenn die Spezialisten ankommen, werden wir die Tiere betäuben und mithilfe unserer Technik die Bären von den Ortschaften wegbringen“, versprach der Administrationschef von Nowaja Semlja, Schuganscha Musin. Ob das ausreicht, wird sich zeigen. Eisbären können auf Nahrungssuche gewaltige Strecken zurücklegen.

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1 Kommentar zu "Klima: Eisbärenplage in Siedlungen – Wie Russland die Erderwärmung spürt und umdenkt"

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  • "Die Eisbärenwanderung habe zwei Ursachen, beide seien mit der Klimaerwärmung verbunden"... Und es ist darum wichtig JETZT zu Handeln. Es geht um unsere Zukunft und die grösste Gefahr für die Menschheit ist derzeit der Klimawandel und die daraus resultierenden Wetterextreme. Der CEO der Berliner Neutrino Energy Group Holger Thorsten Schubart sagt dazu: "Es ist höchste Zeit, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verwenden, um den Klimawandel aufzuhalten." Mit diesen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Energiegewinnung mithilfe von Neutrinos und anderer nichtsichtbarer Strahlung gemeint. Sie stehen 24 Stunden und 7 Tage die Woche, bei Tag und eben auch bei Nacht, im Freien oder in einem Gebäude, also gleich wo zur Verfügung und sorgen dafür, dass die Menschheit in Zukunft unabhängig von der Verbrennung fossiler Brennstoffe sein wird. Klar sind die Lobbies der Öl, Kohle und Atomenergy nicht begeistert, dass ihre goldene Ära ablaufen wird und Neutrino-Energy, die unendliche Ressource der Zukunft sein wird. Darum aufgepasst: alsbald werden Neutrino-Technologie nutzende Hersteller in jeglichen Bereichen von Mobiltelefonie, Haushaltsgeräten, Elektroautos und vielen weiteren wie Pilze aus dem Boden wachsen. Jetzt ist die Zeit das in den Markt zu integrieren. Und wir müssen den Eisbären helfen ihren Lebensraum zu erhalten. Dazu kann Neutrino-Energy mit Stiftungsarbeit Menschen und Tieren auch in Russland helfen.