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Klimabewegung Global Climate Strike: So streikt die Welt für den Klimaschutz

Weltweit haben heute Hunderttausende Menschen für den Klimaschutz protestiert. In Deutschland allein sollen es 1,4 Millionen Demonstranten gewesen sein.
Update: 20.09.2019 - 17:41 Uhr 1 Kommentar

Hunderttausende Menschen demonstrieren weltweit für den Klimaschutz

Düsseldorf Tanz, Trommeln und Blockaden: Für einen entschiedeneren Kampf gegen die Erderwärmung sind in Deutschland und rund um den Globus am Freitag Hunderttausende auf die Straße gegangen. Die Jugendbewegung Fridays for Future hatte erstmals ausdrücklich auch Erwachsene aufgerufen, sich an den Freitagsprotesten zu beteiligen.

Der Zulauf in Deutschland war groß: In Berlin gingen nach Angaben der Aktivisten etwa 270.000 Menschen auf die Straße, die Polizei ging von „mehreren Zehntausend“ aus. In Köln waren es laut Veranstalter 70.000, in Hamburg laut Polizei ebenfalls 70.000. In München und Hannover beteiligten sich gut 25.000 Menschen, und selbst in kleineren Städten wie Münster und Freiburg waren es rund 20.000. Fridays for Future erklärte, 1,4 Millionen Menschen hätten in der Bundesrepublik demonstriert.

Die von der Schwedin Greta Thunberg angestoßene Klimabewegung wird von Schülern und Studenten getragen. Sie fordern von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung und die drohende Klimakatastrophe. Vor allem müsse gemäß dem Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eingedämmt werden.

In ganz Deutschland waren in Dutzenden Städten mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen angemeldet. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie „Ihr habt verschlafen, wir sind aufgewacht“, „Hört auf, uns zu verKOHLEn“, „Kurzstreckenflüge nur für Bienen“ oder „Dieser Planet wird heißer als mein Freund“. In Berlin standen drei Menschen auf abtauenden Eisklumpen unter einem Galgen – mit einer Schlinge um den Hals.

Vereinzelt wurden von Gruppen wie Extinction Rebellion Straßen blockiert, unter anderem in Frankfurt und Berlin. In Frankfurt drangen Protestierer in die Paulskirche ein. Für die internationale Streikwoche, die nun begonnen hat, haben Aktivisten Proteste in mehr als 2900 Städten in über 160 Staaten angekündigt.

Adressat der Protestaktionen in Deutschland war auch das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag Eckpunkte für mehr Klimaschutz vorlegte. Unter anderem enthält es einen Preis auf den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids, jedoch auf niedrigem Niveau. Zugleich sollen aber auch Fernpendler entlastet werden. „Fridays for Future hat uns alle aufgerüttelt und in Erinnerung gerufen, dass wir Schritte jetzt gehen müssen, die wir in den vergangenen Jahren nicht gegangen sind“, erklärte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bei der Vorstellung der Pläne.

Auf die Beschlüsse reagierte Fridays for Future auf Twitter mit Kritik. Die Aktivistin Luisa Neubauer schrieb: „Während Hunderttausende klimastreiken, einigt sich die GroKo anscheinend auf einen Deal, der in Ambitionen und Wirksamkeit jenseits des politisch und technisch Machbaren liegt.“ Und weiter: „Das ist heute kein Durchbruch, das ist ein Skandal.“

Begonnen hatte der globale Streik in der Nacht mit Demonstrationen in Australien. 300.000 Menschen demonstrierten dort – doppelt so viele wie beim vorherigen Protestmarsch. In der Stadt Alice Springs legten sich Hunderte Menschen auf den Boden und stellten sich tot. Für die internationale Streikwoche, die Freitag beginnt, haben Aktivisten schon Proteste in mehr als 2600 Städten in fast 160 Staaten angekündigt.

Quelle: dpa
Protest in Sydney

Im asiatischen Raum ist die Klimabewegung ebenfalls angekommen. Im thailändischen Bangkok nutzten die Demonstranten dasselbe Mittel, um auf die Folgen des Klimawandels hinzuweisen: Sie legten sich zu Boden und stellten sich tot. Ihren Protest hielten sie in unmittelbarer Nähe des Ministeriums für natürliche Ressourcen ab.

Quelle: Reuters
Proteste in Bangkok

Die Bürger in Hongkong zieht es schon seit Wochen gegen ihre Regierung auf die Straßen. An diesem Freitag folgten auch dort viele Menschen dem Aufruf, fürs Klima zu protestieren. Anders als in Hongkong, einer Sonderverwaltungszone Chinas, fanden in der Volksrepublik zuvor keine Kundgebungen von Fridays for Future statt. Schulstreiks sind dort nämlich nicht erlaubt.

In Athen hatten sich mehrere Hundert Schüler und Jugendliche am Platz vor dem Parlament versammelt. Sie trugen Transparente auf denen zu lesen war: „Das Klima ändert sich. Warum ändern wir uns nicht?“ und „Wir verpassen unseren Unterricht, um Euch eine Lektion zu erteilen“, wie der griechische Staatsrundfunk (ERT) und mehrere Nachrichtenportale berichteten. Die Schüler wollten anschließend durch das Athener Stadtzentrum für den Klimaschutz demonstrieren.

Quelle: AFP
Klimastreik in Athen
(Foto: AFP)

Auch in der indischen Hauptstadt Delhi beteiligten sich am Freitag mehrere Hundert Kinder und Jugendliche an den weltweiten Demonstrationen für mehr Klimaschutz – vergleichsweise wenig im Vergleich zur Bevölkerungszahl des Landes von 1,3 Milliarden. „Die Eliten hier denken, dass sie sich alles kaufen können – auch saubere Luft – und die Armen haben schon genügend Probleme, um sich auch noch um die Klimakrise zu kümmern“, erklärte Bhavreen Kandhar, die Mutter zweier Schülerinnen. „Noch wollen es die meisten nicht wahrhaben.“

Indien leidet stark unter den Auswirkungen des Klimawandels. Es gibt extreme Hitzewellen, extremen Regen, Dürre und Wassermangel. In der Hauptstadt Delhi herrscht eine der schlimmsten Luftverschmutzungen der Welt. Die, die es sich leisten können, haben Luftfilter Zuhause.

Quelle: AFP
Demonstrationen in Neu Delhi
(Foto: AFP)

Tausende Demonstranten, darunter viele Kinder und Jugendliche, haben auch in Frankreich mehr Anstrengungen für den Klimaschutz gefordert. Allein in der Hauptstadt Paris versammelten sich am Freitag rund 9400 junge Demonstranten in den Straßen, wie der Nachrichtensender Franceinfo unter Berufung auf das Forschungs- und Beratungsunternehmen Occurrence, das die Teilnehmer zählte, berichtete.

Sie marschierten unter anderem im 12. Arrondissement im Osten der Stadt vom Place de la Nation, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Metropole, in Richtung Seine. Offizielle Angaben zur Teilnehmerzahl gab es zunächst nicht. Auch in anderen französischen Städten gab es Aktionen und Demonstrationen für Fridays for Future.

Protestanten halten ein Schild mit dem Gesicht von Greta Thunberg bei der Demonstration für mehr Klimaschutz in Paris hoch. Quelle: Reuters
Fridays for Future Demonstration in Paris

Protestanten halten ein Schild mit dem Gesicht von Greta Thunberg bei der Demonstration für mehr Klimaschutz in Paris hoch.

(Foto: Reuters)

Mehr: An diesem Freitag soll das Klimakabinett zusammen kommen und den Grundstein für Deutschlands Klimabemühungen der nächsten Jahre legen. Verfolgen Sie in unserem Newsblog die aktuellen Entwicklungen.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Klimabewegung: Global Climate Strike: So streikt die Welt für den Klimaschutz"

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  • Wurde in Russland oder China, in Indonesien oder Ägypten demonstriert? Sicherlich nicht. Insofern ist "Global Climate Strike" lediglich ein Hype, wenn nicht sogar Fake News.