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Klimapioniere – Teil 11 Revolution auf Chinesisch: Wie Peking die Elektromobilität groß macht

Ausgerechnet China, das für einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, wird bei Elektroantrieben zum klimapolitischen Hoffnungsträger.
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China wird bei Elektroantrieben zum klimapolitischen Hoffnungsträger Quelle: Bloomberg/Getty Images
E-Auto-Produktion in China

Wegen nationaler und regionaler Subventionen kostet das Modell Baojun E100 in Liuzhou nur 5600 Dollar.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Foshan, Peking Als Yan Yupeng unlängst die südwestchinesische Stadt Liuzhou bereiste, zeigte er sich verblüfft. Wo er auch hinschaute, überall tauchten diese leicht surrenden Kleinwagen auf. Ein Modell war besonders häufig zu sehen: der Baojun des chinesischen Autobauers Wuling.

Dabei sind die Fahrzeuge wahrlich keine Schönheiten. Sie sehen aus, als hätte man einen schlecht ausgestatteten Smart von allen vier Seiten noch weiter zusammengepresst. Dennoch kaufte auch der 41-jährige Autoblogger wenig später dieses Modell. Vor zwei Jahren kam der Baojun E100 in Liuzhou auf den Markt. Inzwischen flitzen mehr als 30.000 Baojuns der ersten und zweiten Generation in der Stadt herum.

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Der Grund: Er ist unschlagbar günstig. Nach Abzug der nationalen und regionalen Subventionen kostete der Baojun E100 in Liuzhou nur noch 5600 Dollar. Laut Liste sollten es 15.000 Dollar sein. Doch es ist nicht nur der Kaufpreis, der die Kunden lockt. Hinzu kommen die Privilegien, die E-Fahrzeuge in der Stadt Liuzhou genießen – etwa freie Parkplätze oder das Nutzungsrecht von Bus-Fahrstreifen.

Perfekte Bedingungen für Nutzer wie Yan, der das Auto für seine Ehefrau gekauft hat, die damit das Kind abholt. „Eine volle Batterieladung reicht für 230 Kilometer“, rechnet Yan vor. Und laden kann er die Batterie fast überall. Liuzhou verfügt bereits über 15.000 Ladestationen mit subventioniertem Strom in der ganzen Stadt.

Und Liuzhou ist kein Einzelfall. Liuzhou ist nur ein Beispiel der unzähligen Experimente chinesischer Behörden, die sich vorgenommen haben, aus der Volksrepublik eine Nation der E-Mobilität zu machen. Die Ironie der Geschichte: China leistet damit einen anfangs unbeabsichtigten Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. Denn die Zentralplaner in Peking dachten nicht an die Erderwärmung, als sie das Ziel vorgaben, Chinas Automobilbranche zu elektrifizieren. Sie sahen in der Elektromobilität eine Technologie der Zukunft. Basta.

Der klimaschonende Nebeneffekt: Weil die zweitgrößte Volkswirtschaft mit dem riesigen Wachstum auf E-Mobilität setzt und den regulativen Rahmen entsprechend bietet, können auch die großen westlichen Hersteller wie Daimler, BMW oder Volkswagen gar nicht anders, als diesem Trend zu folgen.

Klimasünder Nummer eins

China bleibt mit seinen unzähligen Kohlekraftwerken in absoluten Zahlen mit Abstand der größte Klimasünder weltweit – mehr als 70 Prozent des erzeugten Stroms entfallen auf fossile Energieträger. Doch es zeichnet sich eine Trendwende ab. Inzwischen gehen jedoch viele Experten davon aus, dass das Land seine Zusage zum Pariser Abkommen, dass die CO2-Emissionen nur noch bis 2030 steigen, sogar früher als geplant erfüllen kann.

Einen großen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels soll die E-Mobilität leisten. So ist dieses Jahr die E-Auto-Quote in Kraft getreten, die zusammen mit den Kraftstoffverbrauchsnormen dabei helfen sollen, den CO2-Ausstoß auf Chinas Straßen zu reduzieren.

Den CO2-sparenden Effekt der E-Wende beziffert das International Council for Clean Transportation (ICCT) bis zum Jahr 2035 auf insgesamt 125 Millionen Tonnen CO2; bis 2050 wären es sogar 1,5 Milliarden Tonnen. Damit wäre die Volksrepublik wieder auf dem Emissionsstand von 2010.

Eine beeindruckende Leistung – vor allem wenn man bedenkt, dass China immer noch Wachstumsraten von mehr als sechs Prozent erzielt und dass der umweltschonende Effekt zu Beginn gar nicht der entscheidende Faktor bei den anfänglichen Planungen war.

Grafik

„Das erkennt man auch daran, dass das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) und nicht das Umweltministerium die Federführung in Sachen Elektromobilität besitzt“, sagt ICCTs Chinaspezialistin Hui He. Dem MIIT gehe es vor allem darum, den heimischen Autobauern mit einer Zukunftstechnologie an die Weltspitze zu verhelfen.

Was nicht mit Verbrennungsmotoren geklappt hat, soll nun mit Batterien funktionieren. Nachdem 2013 auch in China die Debatte um Luftqualität und Umweltschutz aufkam und von der politischen Führung zur Priorität erklärt wurde, kam der Klimaschutz dazu.

Ein weiterer Aspekt, meint Stephan Wöllenstein, VWs Geschäftsführer in China, sei geostrategisch. China wolle seine Abhängigkeit von Ölimporten reduzieren. Seit 2013 ist China der weltweit größte Nettoimporteur von Erdöl und anderen flüssigen Brennstoffen, 2017 überholte es die Vereinigten Staaten im Gesamtvolumen von Rohölimporten.

Staatliche Starthilfe

Die ersten Grundlagen für die Elektrifizierung des Straßenverkehrs legte China bereits 2009 mit der „Zehn Städte, 10.000 Fahrzeuge“-Initiative. Doch erst nach 2015, als China die USA als größten Absatzmarkt für E-Autos ablöste, trat die Technologie ihren Siegeszug an. 2018 stellten die dort verkauften 1,1 Millionen E-Autos 55 Prozent des weltweiten Absatzes. Im so umweltbewegten Europa waren es gerade mal 345.000.

Bereits jetzt befinden sich rund 3,5 Millionen E-Pkws auf Chinas Straßen, nach Berechnungen des chinesischen Verbands der Automobilhersteller. Hinzu kommen außerdem fast 400.000 E-Busse und rund vier Millionen sogenannte LSEV, also batteriebetriebene Fahrzeuge mit einer Spitzengeschwindigkeit von unter 70 Stundenkilometern, die vor allem auf dem Land beliebt sind.

Natürlich gibt es auch Kritiker des Chinabooms – besonders wegen der Subventionen. Vor allem heimische Hersteller hatten lange davon profitiert und mit oft technologisch anspruchslosen Fahrzeugen große Profite erwirtschaften können. Das ICCT dagegen ist überzeugt, dass die leitende Hand des Staates notwendig war: für die E-Wende. „Die Subventionen haben dabei geholfen, dass Konsumenten eine neue Technologie schneller annehmen“, so He.

Außerdem hätten die zusätzlichen, städtespezifischen Maßnahmen, die oft innovativer und aggressiver sind, bei der Ankurbelung des Absatzes weitaus mehr geholfen als die monetären Anreize, sagt He. Dazu gehören neben Parkplatz- und Fahrstreifen-Privilegien auch Strompreis- und Gruppenkauf-Rabatte.

Steckenpferd öffentlicher Verkehr
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3 Kommentare zu "Klimapioniere – Teil 11: Revolution auf Chinesisch: Wie Peking die Elektromobilität groß macht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • der Absatz, daß China eingesehen hat, daß sie bei KFZ mit Verbrennungsmotoren nicht an die Weltspitze vorstoßen können, aber bei E-KFZ die Chance groß ist, die europäischen und amerikanischen Hersteller zu überholen, dürfte m.E. der stärkste Grund für die Förderung dieser Industrie bzw Antriebsart sein.
    Denn der wirtschaftliche Hintergrund ist China am wichtigsten.
    Daß die Ökologie Nebensache ist, kann man ja auch an der größtenteils fossilen Energieerzeugung erkennen, die den Umweltschutz als Feigenblatt aufzeigt.

  • Ich möchte weder das Engagement der Chinesischen Regierung herabsetzen noch die Notwendigkeit für alternative Antriebe für Autos, doch wenn ich in dem Artikel lese, dass 70 % des erzeugten Stromes aus fossilen Ernergieträgern gewonnen werden, sollte man den Enthusiasmus doch etwas relativieren. Dies ist eine Frage, die man berechtigterweise beim Umstieg auf E-Autos im Hinterkopf haben sollte; wie wird der Strom für die "sauberen" E-Autos erzeugt? Auch die Umweltverträglichkeit hinsichtlich der Produktion der Akkumualatoren (Wasserverbrauch, Entsorgung defekter und verbrauchter Batteriespeicher) sollte einmal kritisch beleuchtet werden. In meinen Augen kann das E-Auto in seiner heutigen Form nur eine Brückentechnologie sein.

  • "Ausgerechnet China" - der CO2 - Ausstoss kann nicht por Land bewertet werden - da waere
    wohl der Vatikan Spitzenreiter, sonder pro Einwohner, und da liegt China weit besser als die
    USA. Und die Chinesen tun mehr als die Amerikaner zur Verbesserung.