Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Klimapioniere – Teil 6 Grüne Technik der Superlative: Wie sich die Golfstaaten auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten

Die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen, dass mit Forschung bei erneuerbaren Energien vieles erreicht werden kann. So wollen sie ihre führende Rolle auf den Energiemärkten sichern.
03.09.2019 - 07:22 Uhr 2 Kommentare

Masdar City, Berlin Hier in der Wüste geht nichts ohne Superlative – so scheint es. Dubai hat mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt, den Burj-Khalifa-Wolkenkratzer. Mit Emirates verfügt der Wüstenstaat über die weltgrößte transkontinentale Fluggesellschaft. Und seit dem Skandal um den Fußballer Franck Ribery weiß jeder, dass es in Dubai die teuersten vergoldeten Steaks gibt.

Neuerdings macht die größte Tankstelle der Welt auf überraschendem Terrain mit Superlativen auf sich aufmerksam: im Bereich der regenerativen Energien: Noor Abu Dhabi ist mit 1177 MW die größte Photovoltaik-Anlage der Welt. Außerdem entsteht in Dubai ein Solarpark, der bis 2030 fertiggestellt werden soll und 5000 MW Strom produzieren soll.

Der Park ist nach dem Herrscher von Dubai benannt: Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum. Zu der Anlage gehört ein Solarthermie-Turm – auch dieser ist mit 260 Metern der höchste seiner Art auf dem Globus. Zum Vergleich: Der bisher weltgrößte Solarpark in China hat eine Kapazität von 850 MW. Schon jetzt ist Dubai der weltweit führende Sonnenstromproduzent.

Das Projekt

Bei der Solarthermie strahlen Zehntausende Spiegel Sonnenlicht konzentriert auf ölgefüllte Speicher. Die entstehende Hitze erzeugt mithilfe einer Wärmekraftmaschine und eines Stromgenerators Elektrizität. Die Anlage ist mit einem thermischen Energiespeicher (TES) gekoppelt. Der entscheidende Vorteil dieser Anlage: Die Solartechnik kann für die Grundlast eingesetzt werden – auch wenn nachts die glühende Sonne längst untergegangen ist.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Treibende Kraft hinter all diesen Innovationen ist der Staatskonzern Masdar aus Abu Dhabi. Das Unternehmen ist auch international aktiv. Es ist am weltgrößten Offshore-Windpark in Großbritannien beteiligt und am ersten großen schwimmenden Windpark vor Schottland.

    „Die großen Investitionen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in erneuerbare Energien machen für den siebtgrößten Ölproduzenten der Welt absolut Sinn“, sagt Sultan Al Jaber im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Staatsminister der VAE ist CEO des Ölkonzerns Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) und hat 2006 Masdar gegründet, die Abu Dhabi Future Energy Company, deren Chairman er heute ist. „Welch besseres Investment kann man mit seinen Öleinnahmen machen, als sie in den Fortschritt bei erneuerbaren Energien zu investieren?“, fragt Al Jaber. Sein Land wolle damit sicherstellen, weiter eine führende Rolle auf den globalen Energiemärkten zu spielen.

    Grafik

    163 Milliarden Dollar wollen die VAE bis 2050 investieren, um bis dahin auf einen Anteil erneuerbarer Energien von 50 Prozent an der Energieerzeugung zu kommen, im Glitzer-und-Entertainment-Emirat Dubai sogar auf 75 Prozent. Allein 13,6 Milliarden Dollar kostet Dubais entstehender Mega-Solarpark. 5000 Dächer von Privathäusern wurden zudem in Dubai gerade mit Solarpanels ausgerüstet, künftig muss jeder Neubau eine Solaranlage haben.

    „Niemand auf der Welt hat so intensiv versucht, mit so viel Geld und in einem solchen Umfang die Kosten für erneuerbare Energie so massiv zu senken wie wir – und das sehr nachhaltig“, sagt Al Jaber. In den VAE werde inzwischen Solarstrom für zwei US-Cent pro Kilowattstunde produziert – was deutlich unter den Preisen andernorts liegt. „Niemand kann doch mehr bestreiten, dass erneuerbare Energien wirtschaftlich voll konkurrenzfähig sind. Und das, weil wir ein solch ambitioniertes Projekt wie Masdar finanziert und umgesetzt haben“, unterstreicht der Chairman von Masdar.

    Der Name, der auf Arabisch „Quelle“ bedeutet, steht für deutlich mehr als für die Abu Dhabi Future Energy Company. Neben der Firma, die eine Tochter von Abu Dhabis Staatsfonds Mubadala ist, gibt es Masdar City: Es ist der Versuch, die erste CO2-neutrale Stadt zu schaffen und ein „Global Leader“ bei erneuerbaren Energien und nachhaltiger urbaner Entwicklung zu werden.

    Wer durch die Stadt mit ihren im arabischen Stil gehaltenen modernen Häusern, Uni-Gebäuden und Büros läuft, kann es gut beobachten: Die Wege zwischen den Gebäuden werden durch eine spezielle Architektur „verschattet“. Auch das spart Energie: Moderne Technik und architektonische Anpassungen bringen 40 Prozent Strom- und Wassereinsparungen.

    Der deutsche Technologiekonzern Siemens, dessen Firmenzentrale für die gesamte Region sich dort befindet, hat für Masdar zusammen mit dem Busbauer Hafilat Industry aus Abu Dhabi einen speziellen Elektrobus entwickelt. Ein Fahrzeug, das nicht nur elektrisch angetrieben wird, sondern auch mit seinen Solarpanels auf dem Dach speziell gegen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit ausgerüstet ist.

    Die Erkenntnis

    Die VAE bauen nicht nur bei sich die erneuerbaren Energien massiv aus, sondern sie forschen, entwickeln Technologien, bringen diese auf andere Märkte und investieren bisher in mehr als 25 Ländern in Solar- und Windparks. So ist es kein Zufall, dass Masdar City auch Sitz der International Renewable Energy Agency (IRENA) und des Masdar Institute of Science and Technology ist.

    Letztlich ist es Verdienst der intensiven Forschung, dass der Solarstrom in den VAE sehr billig ist. Die Dubais Electricity and Water Authority konnte die Verluste im Stromnetz auf 3,3 Prozent beschränken – in Europa sind es sechs bis sieben Prozent, sagt Saeed Mohammed Al Tayer, CEO von DEWA. Bei Wasserleitungen betrage der Verlust 6,5 Prozent (Nordamerika: 15 Prozent). Dubai habe mit einem Stromausfall von 2,9 Minuten jährlich pro Konsument im Durchschnitt eine deutlich bessere Versorgung als Europa, wo der Ausfall bis zu 15 Minuten betrage.

    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Klimapioniere – Teil 6 - Grüne Technik der Superlative: Wie sich die Golfstaaten auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten
    2 Kommentare zu "Klimapioniere – Teil 6: Grüne Technik der Superlative: Wie sich die Golfstaaten auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • In Kombination mit den Meerwasserentsalzungsanlagen würde ich dann glatt darin investieren.

    • Dass der Solarstrom in Dubai billiger ist hat natuerlich damit zu tun, dass es dort eben sehr
      viel mehr Sonneneinstrahlung gibt als an den meisten anderen Orten und die schiere groesse der Anlagen bringt natuerlich auch eine Verbilligung. Der Strom wird fuer den grossen Verbrauch vor Ort genutzt - speziell Klima-Anlagen. Den Strom als Elektrizitaet
      zu exportieren ist wirtschaflich kaum moeglich, da die Entfernungen zu gross sind. Aber
      man koennte die Energie in Wasserstoff umwandeln und dann gehts.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%