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Klimapioniere –Teil 9 New York steigt dem US-Klimaschutz aufs Dach

Bundesstaat und Metropole geben beim Thema Klima den Ton in den USA an. Mit Maßnahmen wie städtischen Farmen trotzt New York dem Weißen Haus.
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Alle neuen Häuser in new York sollen ihre Dächer entweder mit Solarzellen oder mit Pflanzen bestücken. Quelle: imago/UIG
Dachterrasse mit Begrünung in New York

Alle neuen Häuser in new York sollen ihre Dächer entweder mit Solarzellen oder mit Pflanzen bestücken.

(Foto: imago/UIG)

New York Gwen Schantz schreitet im Nieselregen über das Dach des alten Lagerhauses an den ehemaligen Anlegestellen von Sunset Park im Westen Brooklyns. Der Blick der jungen Dame in Jeans und Windjacke schweift über Wasserspeicher, die Bucht und die Hochhäuser von Manhattan.

Es ist der 28. August, und ganz weit hinten segelt an diesem frühen Nachmittag gerade das Schiff „Malizia“ mit seinen schwarzen Segeln und Greta Thunberg an Bord an der Freiheitsstatue vorbei Richtung Manhattan.

Doch Schantz ist nicht auf das Dach gestiegen, um der Klimaaktivistin bei ihrem Einzug in New York zuzuschauen.

Sie arbeitet hier. Unter ihren Füßen ist Erde, rechts und links von ihr wachsen Tomaten, Paprika und Rucola.

„Das hier ist die größte Dachfarm in ganz New York“ erklärt Schantz, die das Unternehmen „Brooklyn Grange“ mitgegründet hat und seit zehn Jahren New Yorker Dächer begrünt – mit Gras oder mit Nutzpflanzen wie hier im Brooklyner Viertel Sunset Park.

Das Projekt

Es ist bereits die dritte Farm auf einem New Yorker Dach, die Grange mit Erde und Gemüse zu neuem Leben erweckt. Fast anderthalb Hektar misst der neue Acker über der Stadt.

Das bepflanzte Dach kühlt nicht nur die oberste Etage des achtstöckigen Gebäudes, in dem einst Lagerarbeiter die Waren aus den nahe gelegenen Anlegestegen verstauten und in dessen unteren Etagen heute „Saks Off 5th“ und „Bed, Bath & Beyond“ ihre Kleider und Badehandtücher verkaufen.

Es kühlt auch die Stadt und schützt sie vor den umweltschädlichen Folgen der oft heftigen Regengüsse in New York. Wenn es gießt, entstehen in den Straßen New Yorks regelmäßig wahre Sturzbäche, und die Kläranlagen laufen über. Die Folge: Ungereinigtes Dreckwasser fließt direkt in die Flüsse und das Meer.

Jahr für Jahr lassen die städtischen Kläranlagen 100 Milliarden Liter ungereinigtes Wasser ungefiltert auslaufen. „Allein unser Dach hier nimmt 174.000 Gallonen auf. Das sind 174.000 Gallonen, die nicht ungereinigt ins Meer gehen“, erklärt die Unternehmerin Schantz. Das sind umgerechnet knapp 659.000 Liter.

Das Barcleys Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Die Umsetzung der begrünten Fläche auf dem Dach dient als Vorbild für zukünftige Projekte. Quelle: Max Brugger für Handelsblatt
Das Barcleys Center in Brooklyn.

Das Barcleys Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Die Umsetzung der begrünten Fläche auf dem Dach dient als Vorbild für zukünftige Projekte.

(Foto: Max Brugger für Handelsblatt)

Dass New Yorks Dächer ein riesiges Potenzial für den Umweltschutz und den Kampf gegen den Klimawandel darstellen, hat auch die Stadt New York erkannt. Was Brooklyn Grange bereits seit Jahren betreibt, wird bald Vorschrift sein in der Finanzmetropole der USA.

Ab dem 1. November müssen alle neuen Gebäude entweder Solaranlagen oder Pflanzen auf ihren Dächern haben.

Das hat der Stadtrat unter der Führung von Bürgermeister Bill De Blasio beschlossen. Ausgerechnet in der Finanzhauptstadt der USA haben die Politiker im April mit großer Mehrheit einen „Climate Mobilization Act“ beschlossen – eine Art Green New Deal für New York City –, der zu den ehrgeizigsten des Landes gehört.

Gebäude mit mehr als 2.500 Quadratmetern müssen ihre Emissionen bis 2030 um 40 Prozent senken und bis 2050 mindestens um 80 Prozent.

Die Erkenntnis

Da in New York fast drei Viertel der Treibhausgase von Gebäuden produziert werden, hat sich die Stadt mit ihren Plänen vor allem darauf konzentriert. Zusätzlich zu der Reduzierung der Emissionen sollen demnächst alle neuen Häuser ihre Dächer entweder mit Solarzellen oder mit Pflanzen bestücken.

Außerdem wird es leichter werden, Windturbinen in der Stadt zu installieren. Die noch laufenden 24 Gaskraftwerke in der Stadt sollen komplett geschlossen und von erneuerbaren Energien ersetzt werden. Corey Johnson, der Sprecher des Stadtrats, nennt das Paket die ambitionierteste Energieeffizienz-Gesetzgebung im ganzen Land. „Wir stehen am Rande eines Klimadesasters, und New York tut etwas. Ich hoffe, dass uns andere Städte folgen werden“, sagt Johnson.

Ab dem 1. November müssen alle neuen Gebäude entweder Solaranlagen oder Pflanzen auf ihren Dächern haben. Quelle: Max Brugger für Handelsblatt
Blick auf die Dächer von Park Slope, Brooklyn.

Ab dem 1. November müssen alle neuen Gebäude entweder Solaranlagen oder Pflanzen auf ihren Dächern haben.

(Foto: Max Brugger für Handelsblatt)

Wer an Umweltschutz und USA denkt, denkt meist an Kalifornien. Doch zuletzt haben sich nicht nur die Stadträte der Stadt New York, sondern auch die Abgeordneten des Bundesstaats New York noch ehrgeizigere Klimaziele gesetzt als ihre Kollegen an der Westküste.

Der Bundesstaat, der bis an die kanadische Grenze reicht, wird seit den Wahlen 2018 komplett von den Demokraten kontrolliert und kann sich damit gegen den neuen Ton in Washington durchsetzen. Während im Weißen Haus ein Präsident regiert, der die menschliche Verantwortung für den Klimawandel abstreitet und aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen will, ist im Bundesstaat New York erst im Juli ein neues Klimaschutzgesetz – Climate-Bill — in Kraft getreten.

Danach soll der Bundesstaat seine Treibhausgase bis 2050 auf null reduzieren. Benzinautos und Ölheizungen sollen bis dahin der Vergangenheit angehören, und bereits 2040 soll die gesamte Energie aus CO2-freien Quellen kommen.

Kit Kennedy, Direktorin des Natural Resources Defense Council, bezeichnet das neue Gesetz als „das ehrgeizigste Stück Klimagesetzgebung, das wir bisher gesehen haben“, und lobt, dass es für die gesamte Wirtschaft gelte und gerecht sei.

„Das Rufen nach einer grünen Bewegung ist leere politische Rhetorik, wenn es nicht mit spezifischen aggressiven Zielen und Plänen, wie man sie erreichen kann, kombiniert wird“, sagte der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, bei der Unterzeichnung des Gesetzes.

„Es ist fantastisch, dass sie sich in ihrem Gesetz auf das Pariser Abkommen beziehen und damit sicherstellen, dass die Vereinigten Staaten nicht zurückfallen“, kommentiert Allison Morrill Chatrchyan, Direktorin des Instituts für Klimawandel und Landwirtschaft an der renommierten Cornell-Universität. „Das neue Gesetz des Bundesstaats New York setzt sehr ambitionierte Ziele“, erklärt sie.

Anwohner und Touristen genießen den Blick auf Manhattan. Quelle: Max Brugger für Handelsblatt
East River State Park in Williamsburg, Brooklyn.

Anwohner und Touristen genießen den Blick auf Manhattan.

(Foto: Max Brugger für Handelsblatt)

Die Strategie

Der Bundesstaat setzt unter anderem stark auf Offshore-Windanlagen und auf klimafreundliche Initiativen auf der Ebene der Gemeinden. So können sich Gemeinden für den Titel „Climate Smart Community“ bewerben, indem sie an einem Programm aus zehn Schritten teilnehmen.

Die Schritte reichen von klimafreundlicher Raumnutzung über Transportlösungen und Reduzierung von Emissionen. Mit dem Label können die Gemeinden dann Investoren und auch neue Einwohner locken. Auch wenn Donald Trump von der „schönen sauberen Kohle“ schwärmt, kann er diese keinem aufzwingen. „Den Energiemix innerhalb eines Bundesstaats bestimmt der Bundesstaat. Da kann Washington nicht reinreden“, erklärt Chatrchyan.

Auch andere Bundesstaaten wie Maine, Oregon, Washington, Colorado, New Mexico, Kalifornien, New Jersey und Hawaii haben sich eigene Ziele für ihren Energiemix gesetzt, die alle Richtung erneuerbare Energien gehen.Die Cornell-Direktorin Chatrchyan lobt auch die Pläne der Stadt New York.

Dabei geht sie davon aus, dass dort vor allem kleinere Initiativen – wie Brooklyn Grange – und Solaranlagen den Wandel bringen können. „New York ist schon heute eine sehr nachhaltige Stadt“, betont Chatrchyan. Da die Menschen auf engem Raum lebten, könnten sie sich zu Fuß, mit dem Rad oder mit der Bahn bewegen, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu gelangen.

„New York City hat den geringsten CO2-Ausstoß pro Kopf aller amerikanischen Städte“, sagt Chatrchyan. Dennoch will New York noch mehr tun und stellt sich damit ebenso wie der Bundesstaat gegen den Trend im Weißen Haus.

Chatrchyan begrüßt das und weist darauf hin, dass Städte generell eine wichtige Rolle bei der Klimagesetzgebung spielen. „Sie können manchmal Versuchslabore für Maßnahmen sein, die später auf Bundesebene übertragen werden“, erklärt die Klimaexpertin.

Die New Yorker Dachfarmerin Gwen Schantz ist jedenfalls froh, dass ihre jahrelange Lobbyarbeit bei der Stadt endlich Früchte trägt und dass grüne Dächer nun zur Pflicht für neue Gebäude werden. „Ich hätte mir gewünscht, wir hätten das Gesetz schon vor zehn Jahren erlassen.

Dann wären die vielen neuen Häuser des Immobilienbooms der vergangenen Jahre schon heute grün“, sagt Schantz, während sie einen Blick auf die Auberginen wirft. Ihr Unternehmen wird auf jeden Fall von dem neuen Gesetz profitieren. Schließlich betreibt Brooklyn Grange nicht nur die drei Dachfarmen.

Die Firma begrünt auch für andere die Dächer. Zu ihren Kunden gehört unter anderem das große Jacob-Javits-Messezentrum im Südwesten Manhattans. Demnächst werden noch viel mehr Dächer begrünt sein. Schantz bleibt optimistisch mit Blick auf die Zukunft ihres Landes: „Ich glaube, die Amerikaner sind beim Thema Klima viel realistischer als Donald Trump“, sagt sie.

Ähnlich sieht die Lage die Cornell-Direktorin Chatrchyan: „Diese Regierung ist schrecklich für die Umwelt und das Klima. Aber sie ist zum Glück nur vorübergehend.“

Mehr: Japan glaubt an Wasserstoff: Wie in Fernost der alternative Antrieb gefördert wird.

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1 Kommentar zu "Klimapioniere –Teil 9: New York steigt dem US-Klimaschutz aufs Dach"

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  • Klimapioniere braucht die Erde! Ob in New York, Hongkong oder Berlin - die Menschheit muss sich dringend für den Klimaschutz engagieren und neuesten Alternativen den Weg ebnen. Es gibt auch für die Solarenergie auf den Dächern und Häuserwänden aller Grossstädte einen Wandel. Denn das Nutzen der Dunklen Solarenergie wird der neueste Trend. Diesbezüglich wird die Neutrinovoltaic die Photovoltaic ERGÄNZEN UND ABLÖSEN. Seit 1 Woche werden im Karlsruher Institut für Technologie Messungen für Neutrinos erwartet. Danach ist die Physik, die Politik und auch die Wirtschaft in Deutschland in der Lage, den in der Summe unglaublich großen Energiegehalt der Masse der Neutrinos, die uns in jeder Sekunde (mindestens 60 Mrd. pro cm² oder einfach vorstellbar je Fingernagel) auf unserer Erde völlig unschädlich und kostenlos erreicht, festzustellen. Die Verleihung der beiden Physik-Nobelpreise im Jahre 2015 für die Nachweise des Massegehaltes der Neutrinos war unter anderem der Auslöser für diese gigantische staatliche Investition. Am Karlsruher Institut beginnt damit die öffentlich staatlich-politische Anerkennung der Tatsache, daß Neutrinos einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung auf der Erde ohne jegliche klimaschädliche Emissionen übernehmen können. Dadurch ist auch für die Wirtschaft bzw. für alle Unternehmen, die sich an der Produktion der Neutrino-Energiewandler beteiligen oder diese in ihren Produkten verbauen möchten, eine gewaltige Hürde abgebaut. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wann die ersten Produkte, die NIE WIEDER eine Steckdose zum Laden oder zum Betrieb benötigen, auf den Markt kommen. Die Neutrino-Energiewandlung verursacht weder bei der Herstellung noch bei der Anwendung menschengemachte Klimaveränderungen! Dazu bietet die Berliner Neutrino Energy Group Patente und Lizenzen die wir JETZT anwenden können und uns unabhängig von grossen Stromanbietern machen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie bietet ein unendliches Potential von 24h/365 weltweit.

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